
Neue Erkenntnisse zur Entstehung gefährlicher Gewitter stammen aus der Analyse von 2,2 Millionen Gewitterereignissen in Afrika. Ein internationales Team unter Beteiligung der Technischen Universität Wien (TU Wien) hat gezeigt, dass räumliche Unterschiede in der Bodenfeuchtigkeit in Kombination mit gegensätzlichen Windrichtungen in unterschiedlichen Höhen das rasche und intensive Wachstum von Gewitterzellen fördern. Die Ergebnisse wurden am 4. März 2026 in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.
Während großräumige Luftströmungen heute gut vorhersagbar sind, scheitern aktuelle Modelle oft an der lokalen Skala von wenigen Kilometern, auf der Gewitter entstehen. Die TU Wien hat in den vergangenen Jahren hochaufgelöste Bodenfeuchtigkeitsdaten aus Satellitenmessungen entwickelt, die nun erstmals systematisch mit Gewitterbeobachtungen verknüpft wurden.
Über feuchteren Böden kühlt Verdunstung die bodennahen Luftschichten ab, während über trockeneren Flächen die Luft stärker erwärmt wird und der Luftdruck sinkt. Dadurch strömt bodennah Luft von feuchten in trockene Gebiete. In höheren Atmosphärenschichten dominieren jedoch meist großräumige Windsysteme, die unabhängig von der lokalen Bodenfeuchtigkeit sind.
Treffen diese beiden Luftströmungen in entgegengesetzte Richtungen aufeinander, entsteht maximale Windscherung. Die Gewitterwolke wird dann mit der größtmöglichen Menge feuchter, bodennahen Luft versorgt. Diese Luft steigt auf, kühlt ab und kondensiert rasch – es entsteht eine sich selbst verstärkende Aufwärtsbewegung, aus der ein starkes Gewitter wird. Besonders intensiv wachsen Gewitter demnach über relativ trockenen Böden, wenn bodennah und in der Höhe gegensätzliche Winde wehen.
Die Forscher validierten das Modell mit unabhängigen Datensätzen: Satellitenbilder zeigen schnelles Wolkenwachstum genau an den vorhergesagten Stellen, Blitzortungssysteme bestätigen die stärksten Gewitter in diesen Konstellationen. Entscheidend waren hochaufgelöste Bodenfeuchtigkeitsdaten des europäischen ASCAT-Instruments an Bord der Metop-Satelliten von EUMETSAT, die an der TU Wien weiterverarbeitet werden.
Die neuen physikalischen Zusammenhänge könnten künftig die Vorhersage extremer Wetterereignisse verbessern und helfen, die Auswirkungen des Klimawandels auf Gewitterhäufigkeit und -intensität besser zu verstehen.
(Quelle: Taylor CM et al., „Wind shear enhances soil moisture influence on rapid thunderstorm growth“, Nature, veröffentlicht am 4. März 2026; Pressemitteilung der Technischen Universität Wien)

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TU Wien

