
Buttelstedt (Labnews Media LLC) – Das letzte große Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Feldhamsters in Deutschland mit einer europaweit einzigartigen genetischen Vielfalt ist akut gefährdet. Das Praxiszentrum Feldhamsterschutz in Buttelstedt (Thüringen) soll Ende 2026 geschlossen werden. Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum auf, das Zentrum zu erhalten.
Der Bestand in Buttelstedt zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Farbenvielfalt aus – von den typischen bunten Tieren über hellere, fuchsfarbene und graue Varianten bis hin zu schwarzen Exemplaren. Diese Vielfalt ist Ausdruck einer hohen genetischen Diversität, die für die Anpassungsfähigkeit der Art an veränderte Umweltbedingungen entscheidend ist.
Die schwarzen Feldhamster weisen einen sogenannten Melanismus auf, bei dem das Pigment Melanin übermäßig eingelagert wird. Die schwarze Färbung ist dominant vererblich und kommt in Deutschland ausschließlich in Buttelstedt vor. Weltweit sind solche Tiere nur noch aus der Ukraine bekannt. Ihre Schnauze, Pfoten und meist ein Fleck auf Brust oder Kehle bleiben weiß.
Das Praxiszentrum auf dem Gelände des Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsguts wurde vor drei Jahren gegründet, um wirksame Schutzmaßnahmen zu erproben und umzusetzen. Die intensive Landwirtschaft, die Lebensräume in monotone Agrarflächen verwandelt, ist die Hauptursache für den dramatischen Rückgang der Art, die früher als Getreideschädling massiv verfolgt wurde.
Dr. Lydia Hönig, Projektleiterin Feldhamster bei der Deutschen Wildtier Stiftung, betonte die überregionale Bedeutung des Zentrums. Es biete eine einmalige Chance, effektive Schutzmaßnahmen zu entwickeln und damit zum Erhalt der Art weit über Thüringens Grenzen hinaus beizutragen.
Die Stiftung engagiert sich seit über 14 Jahren für den Schutz des Feldhamsters und setzt gemeinsam mit Landwirten konkrete Maßnahmen in mehreren Bundesländern um. Die Erhaltung der genetischen Vielfalt in Buttelstedt gilt als zentral für das langfristige Überleben der Art in Deutschland. Die Ergebnisse der Arbeit dienen auch der Aktualisierung der Roten Liste und der Entwicklung von Schutzstrategien.


