Gegen Gunz? Institutionelle Verbindung zwischen Deutschem Meeresmuseum Stralsund und Minister Backhaus

Durch | April 18, 2026
Timmy dreht sich zur offenen See – und leidet weiter: WDC Deutschland verweigert wissenschaftlich bewiesene humane Erlösung. Symbolbild. Credits: Unsplash

Am 18. April 2026 liegt der Buckelwal Timmy seit exakt 18 Tagen unverändert in der flachen Kirchsee vor der Insel Poel. Bis zum 15. April 2026 hatte Umweltminister Till Backhaus (SPD) keine aktiven Bergungsmaßnahmen ergriffen. Grundlage war ein fachliches Gutachten, das das Deutsche Meeresmuseum Stralsund (DMM) gemeinsam mit dem ITAW erstellt hatte. Dieses Gutachten schloss eine Lebendrettung aus und empfahl, den Wal palliativ zu begleiten und „in Ruhe sterben zu lassen“.

Das DMM steht in vertraglicher Zusammenarbeit mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern. Diese Kooperation ist in offiziellen Ministeriumsunterlagen dokumentiert. Der wissenschaftliche Direktor des Museums, Prof. Burkard Baschek, trat am 7. April 2026 gemeinsam mit Minister Backhaus auf der zentralen Pressekonferenz auf und präsentierte die Ergebnisse des Gutachtens persönlich. Bereits am 2. April 2026 – also fünf Tage vor dieser Konferenz und zu einem Zeitpunkt, als der Wal noch lebte – hatte das DMM öffentlich mitgeteilt, dass vorsorglich die Planungen für die wissenschaftliche Obduktion des Kadavers laufen. Der Walkörper sollte nach Dänholm transportiert, obduziert und dokumentiert werden. Proben und Organe für die wissenschaftliche Sammlung sichern. Das Skelett war für die wissenschaftliche Sammlung der Universität Rostock vorgesehen.

Das Museum hatte offiziell Interesse am Kadaver angemeldet. Diese Vorbereitungen erfolgten in Abstimmung mit dem Umweltministerium. Während Timmy noch lebte und im Brackwasser der Ostsee (8–15 Promille Salzgehalt) weitere Hautschäden (ulzerative Dermatitis), Drucknekrosen und Organschäden erlitt, koordinierte das DMM bereits die Verwertung nach dem erwarteten Tod.

Juristisch relevant ist dies im Kontext der Strafanzeige und des Strafantrags der Investigativ-Journalisten Marita Vollborn und Vlad Georgescu vom 8. April 2026. Die Anzeige richtet sich gegen Minister Backhaus und wirft Tierquälerei durch Unterlassen gemäß § 17 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b) TierSchG vor. Sie begründet dies mit der passiven Hinnahme erheblicher Leiden eines Wirbeltieres, obwohl zumutbare technische Bergungsmöglichkeiten (Luftkissen- und Ponton-Methode, seit 1983 international erprobt) bestanden. Die Anzeigenden verweisen zudem auf die Garantenstellung des Ministers (§ 13 StGB) und unterlassene Hilfeleistung (§ 323c StGB). Das DMM-Gutachten diente als zentrale Entscheidungsgrundlage des Ministeriums. Die frühzeitige Obduktionsplanung des Museums während der lebenden Phase des Wals unterstreicht den dokumentierten Interessenkonflikt: institutioneller Gewinn aus dem Tod (wissenschaftliche Daten, Proben, Skelett) statt primärer Leidensminderung.

Das DMM selbst distanzierte sich später ausdrücklich von dem privaten Rettungskonzept mit Luftkissen und Pontons. In einer Stellungnahme vom 15./16. April 2026 teilte das Museum mit, es sei weder in die Vorbereitungen einbezogen worden noch liege ihm das Konzept vor. Die Fachleute hätten erst aus der Pressekonferenz von Backhaus davon erfahren. Damit blieb das Ministerium bis zum 15. April auf der Linie des eigenen, mit dem DMM abgestimmten Gutachtens – mit der Folge, dass Timmy weitere 17 Tage im flachen Wasser verblieb und sein Zustand sich weiter verschlechterte.

Die Fakten sind nachprüfbar: vertragliche Zusammenarbeit Land–Museum, gemeinsame Pressekonferenz, Obduktionsplanung ab 2. April 2026, Gutachten als Entscheidungsgrundlage, kein Einbezug des Museums in die spätere private Rettung. Die Strafanzeige vom 8. April 2026 macht diese Chronologie für die Staatsanwaltschaft Rostock/Schwerin relevant. Ob die Garantenpflicht des Ministers durch die enge Abstimmung mit einer Institution, die vom Kadaver profitiert, verletzt wurde, muss die Staatsanwaltschaft nun prüfen. Das ist keine Spekulation. Das sind die dokumentierten Abläufe, die Timmy 18 Tage in der Kirchsee gehalten haben.

Timmy dreht sich zur offenen See – und leidet weiter: WDC Deutschland verweigert wissenschaftlich bewiesene humane Erlösung. Symbolbild. Credits: Unsplash
Timmy Symbolbild Credits Unsplash
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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