Pyrofactin zum Leibniz-Wirkstoff des Jahres 2026 gekürt

Durch | Mai 2, 2026
Das pflanzenpathogene Bakterium Pseudomonas syringae (Mitte) nutzt ein chemisches Radar, um Amöben als Fressfeinde zu erkennen und mithilfe des Naturstoffs Pyrofactin gezielt zu eliminieren. | Quelle: Luo Yu | Copyright: Leibniz-HKI

Aachen/Jena (Labnews Media LLC) – Das Peptid Pyrofactin ist auf den diesjährigen Leibniz-Wirkstofftagen am 28. und 29. April in Aachen als Leibniz-Wirkstoff des Jahres 2026 ausgezeichnet worden. Ein Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat das Molekül entdeckt und seine Funktion in einem neuartigen bakteriellen Frühwarn- und Abwehrsystem entschlüsselt.

Das Bakterium Pseudomonas syringae setzt ein chemisches Radar ein, um die räuberische Amöbe Polysphondylium pallidum zu erkennen und gezielt zu bekämpfen. Zunächst produziert es den Naturstoff Syringafactin. Trifft dieser auf die Amöbe, wird er von ihr chemisch verändert. Das Bakterium erkennt diese Veränderung über ein spezielles Sensorprotein und aktiviert daraufhin die Produktion von Pyrofactin – einer für die Amöbe tödlichen Substanz.

Das pflanzenpathogene Bakterium Pseudomonas syringae (Mitte) nutzt ein chemisches Radar, um Amöben als Fressfeinde zu erkennen und mithilfe des Naturstoffs Pyrofactin gezielt zu eliminieren. | Quelle: Luo Yu | Copyright: Leibniz-HKI
Das pflanzenpathogene Bakterium Pseudomonas syringae Mitte nutzt ein chemisches Radar um Amöben als Fressfeinde zu erkennen und mithilfe des Naturstoffs Pyrofactin gezielt zu eliminieren | Quelle Luo Yu | Copyright Leibniz HKI

Der innovative Ansatz des Teams um Prof. Pierre Stallforth geht über die reine Suche nach neuen Wirkstoffen hinaus. Statt Naturstoffe isoliert zu betrachten, untersuchten die Forschenden ihre dynamische Rolle im Zusammenspiel von Mikroorganismen. Dieser Perspektivwechsel ermöglichte die Entdeckung eines bislang unbekannten Abwehrmechanismus und einer neuen chemischen Struktur.

Pyrofactin zeigt ein hohes Potenzial für die Wirkstoff-Forschung. Es könnte künftig als Grundlage für neue Medikamente oder Mittel im Pflanzenschutz dienen. Die Studie entstand im Rahmen des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“ und des Sonderforschungsbereichs ChemBioSys.

„Die Dynamik von Naturstoffen birgt ein enormes, bisher kaum genutztes Potenzial für die Entdeckung neuer bioaktiver Verbindungen“, erklärte Stallforth bei der Preisverleihung. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Cell veröffentlicht.

Die Auszeichnung als Leibniz-Wirkstoff des Jahres unterstreicht die Bedeutung interdisziplinärer Naturstoff-Forschung für die Entwicklung innovativer Therapien und nachhaltiger Lösungen.

Originalpublikation:
Zhang S, Schlabach K, Pérez Carrillo VH, Ibrahim A, Nayem S, Komor A, Mukherji R, Chowdhury S, Reimer L, Trottmann F, Vlot AC, Hertweck C, Hellmich UA, Stallforth P (2025) A chemical radar allows bacteria to detect and kill predators. Cell 188(9): 2495–2504.e20. https://doi.org/10.1016/j.cell.2025.02.033

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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