
Berlin (Labnews Media LLC) – Ein internationales Forschungsteam hat in zooarchäologischen Funden erstmals DNA von zoonotischen Krankheitserregern aus der eurasischen Bronzezeit nachgewiesen. Die Studie zeigt, dass die intensive Weidewirtschaft und Völkerwanderungen in dieser Epoche die Übertragung tierischer Pathogene auf den Menschen begünstigt haben könnten.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten 346 Proben – vorwiegend von domestizierten Tieren – aus 34 archäologischen Fundstätten in ganz Eurasien. Besonders viele Proben stammten aus der Bronzezeit. Um die Nachweiswahrscheinlichkeit zu erhöhen, konzentrierten sie sich auf Knochen mit paläopathologischen Läsionen sowie auf Zähne. Mit sensiblen molekularbiologischen Methoden und einem computergestützten Screening identifizierten sie DNA-Spuren verschiedener zoonotischer Erreger. Zwei Bakterienarten – Streptococcus lutetiensis und Erysipelothrix rhusiopathiae – lieferten ausreichend Fragmente für eine weitergehende Analyse und bestätigten die historische Authentizität der Funde.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung paläopathologischer Untersuchungen für die gezielte Suche nach alter Pathogen-DNA. Die Autoren betonen, dass die gezielte Probenahme an Knochen mit Läsionen die Erfolgsquote deutlich steigert, auch wenn eine Untersuchung verschiedener Skelettelemente weiterhin sinnvoll bleibt.
Die Studie liefert einen Proof-of-Concept für die Nutzung zooarchäologischer Archive zur Rekonstruktion prähistorischer Zoonosen. Sie ermöglicht neue Einblicke in die Reservoirs, die geografische Ausbreitung und die genetischen Mechanismen, die den Übergang von tierischen Erregern auf den Menschen begünstigt haben.
Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen (DOI: 10.1038/s41467-026-71543-4). Beteiligt waren unter anderem Forschende des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin und der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen.
Originalpublikation:
Probing the zooarchaeological record across time and space for ancient pathogen DNA
Nature Communications
DOI: 10.1038/s41467-026-71543-4

