
Seattle/Washington (LabNews Media LLC) – Die in der Vergangenheit ausgestoßenen Treibhausgase der weltweit größten Öl-, Gas-, Kohle- und Zementproduzenten werden das globale Klima und das Risiko für extreme Wetterkatastrophen noch über Jahrhunderte hinweg massiv beeinflussen. Selbst bei einem sofortigen, vollständigen Stopp aller weltweiten Emissionen würde sich die Erdatmosphäre nicht regenerieren, sondern dauerhaft auf einem Niveau von rund 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Zeitalter einpendeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Modellierungsstudie der Universität von Washington (UW), die im Fachjournal PLOS Climate veröffentlicht wurde (DOI: 10.1371/journal.pclm.0001036). Die Berechnungen liefern eine neue wissenschaftliche Grundlage für Klimaklagen, die Konzerne für zukünftige Schäden haftbar machen wollen.
Das Forschungsteam um Dargan Frierson, außerordentlicher Professor für Atmosphären- und Klimawissenschaften an der UW, untersuchte die langfristigen Auswirkungen der sogenannten „Carbon Majors“. Dabei handelt es sich um die 178 führenden Produzenten fossiler Brennstoffe, die zusammengenommen bereits mehr als eine Billion Tonnen Kohlendioxid (CO?) freigesetzt haben. Ein erheblicher Teil dieses Gases verbleibt für Jahrtausende in der Luft und speichert dort Wärme. Mithilfe des Klimamodells „FaIR“ (Finite Amplitude Impulse Response) simulierten die Wissenschaftler das globale Klima bis zum Jahr 2500 unter verschiedenen Emissionsszenarien. Sie verglichen dabei die projizierten Temperaturentwicklungen jeweils mit und ohne die bis zum Jahr 2024 durch die Großkonzerne verursachten Emissionen.
Die Simulationen zeigten, dass die durch die „Carbon Majors“ verursachte Gesamterwärmung physikalisch berechenbar und weitgehend unabhängig von künftigen globalen Emissionspfaden ist. In einem Zukunftsszenario mit strengen Klimaschutzauflagen machen die historischen Sünden dieser 178 Konzerne prozentual den weitaus größten Anteil an der Erwärmung über dem vorindustriellen Niveau aus. In einem Szenario ohne Klimaschutz, in dem die Verbrennung fossiler Energieträger ungebremst anhält, heizt sich die Erde insgesamt zwar drastisch stärker auf und künftige Emissionen dominieren prozentual. Der absolute Temperaturbeitrag, den die bisherigen Emissionen der Großkonzerne beisteuern, bleibt jedoch in allen Modellen nahezu identisch.
Die Ergebnisse verschärfen laut den Autoren die juristische Dimension der Klimahaftung. Bisher konzentrieren sich Gerichtsverfahren meist auf den Nachweis, dass Energiekonzerne die Risiken der Erderwärmung schon vor Jahrzehnten kannten, diese aber bewusst verschwiegen und Desinformationskampagnen betrieben haben. Die neue Studie belegt nun, dass die bereits freigesetzten Gase auch für Umweltkatastrophen verantwortlich sein werden, die sich erst in ferner Zukunft ereignen. „Wenn rechtliche Entscheidungen über die Rechenschaftspflicht getroffen werden, besteht die Verantwortung nicht nur im Hier und Jetzt, sondern sie wird sich über viele, viele Jahre in die Zukunft erstrecken“, betonte Frierson. Da jede weitere Förderung fossiler Brennstoffe das Fundament für jahrzehntelange Folgeschäden legt, rechnet das Forschungsteam mit einer dauerhaften Welle neuer Rechtsstreitigkeiten.


