Foto des Tages: Nur der Raps bleibt grün

Durch | Oktober 2, 2026
Die Wirkung der Gramnizide ist deutlich zu sehen. Credits: Pugnalom

Unser Foto des Tages zeigt heute ein Rapsfeld zwischen Osterode am Harz und Förste im südlichen Niedersachsen. Wer genau hinschaut, der erkennt auf der Fläche gelbliche Bereiche aus verdorrtem Gras, in denen, offensichtlich unbeschadet, Raps gedeiht.

Die Wirkung der Gramnizide ist deutlich zu sehen. Credits: Pugnalom
Die Wirkung der Gramnizide ist deutlich zu sehen Credits Pugnalom

Dieses Bild ist typisch für den gezielten Einsatz sogenannter Gramnizide, Pflanzenschutzmittel also, die selektiv wirken: Sie töten Gräser, während sie die Kultur, hier den Raps, schonen. Die Wirkstoffe dieser speziellen Herbizide nutzen biochemische Unterschiede zwischen zweikeimblättrigen Pflanzen wie Raps und einkeimblättrigen Pflanzen, also Gräsern, aus. Im August und September stehen vor allem blattaktive Graminizide im Vordergrund. Sie benötigen warmes Wetter und einen aktiven Stoffwechsel der Gräser, um über das Blattwerk aufgenommen zu werden.

Je nach Zielgruppe, etwa Ausfallgetreide, Ackerfuchsschwanz, Trespen oder Quecken, und je nach lokaler Resistenzsituation kommen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz. Es gibt zwei Gruppen, die Fops und die Dims (Erläuterung siehe unten), die beide ein bestimmtes Enzym, die ACCase, hemmen, das Gräser dringend zum Wachsen benötigen. Zur Gruppe der Fops gehören Propaquizafop, Quizalofop-P und Fluazifop-P. Fops wirken sehr schnell gegen Ausfallgetreide und einjährige Gräser. Zur Gruppe der Dims zählen Clethodim und Cycloxydim. Sie werden bevorzugt bei beginnenden Resistenzen von Ackerfuchsschwanz gegen Fops eingesetzt und wirken etwas langsamer. Auch stehen Kombinations-Bodenherbizide zur Verfügung. Sie werden oft schon ausgebracht, bevor die Kultur aufgegangen ist („Vorauflauf“) oder, wenn sie gerade sichtbar ist („Nachauflauf“). Diese Herbizide erfassen neben Gräsern wie Windhalm auch breitblättrige Unkräuter über die Wurzel.

Der Einsatz von Fops und Dims ist problematisch, da sie Resistenzen verursachen: Die bekämpften Pflanzen werden im Lauf der Zeit unempfindlich gegen die Herbizide. 2004 hatte die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Ackerfuchsschwanz von 69 Betrieben untersucht und festgestellt, dass bei drei Viertel aller Proben die Resistenz mittel bis sehr stark war: Bei rund 70 Prozent war keine ausreichende Bekämpfung mehr zu erwarten. Knapp 60 Prozent der Proben wiesen mindestens eine genetische Veränderung auf.

Während Resistenzen zunächst ein Ackerbau-Problem sind, entwickeln sich die ökologischen Folgen sukzessive und verhängnisvoll. Überleben einzelne Ackerfuchsschwanz-Pflanzen eine Behandlung, geben sie die Eigenschaft an die nächste Generation weiter. Nach wiederholtem Einsatz derselben Wirkstoffgruppe, hier der ACCase-Hemmer, besteht der Bestand überwiegend aus unempfindlichen Pflanzen. Daraus folgt nicht weniger, sondern mehr Chemie: Landwirte erhöhen die Aufwandmenge, spritzen öfter oder wechseln auf eine andere Wirkstoffgruppe, bis auch diese versagt. Resistenter Ackerfuchsschwanz bleibt außerdem länger auf dem Acker stehen, bildet mehr Samen aus und verbreitet seine Nachkommen mit verändertem Erbgut auf Nachbarflächen.

Gleichzeitig bricht die Begleitflora zusammen: Empfindliche Gräser und Kräuter verschwinden, die resistenten Arten dominieren. Da eine Drift auf Wegraine, angrenzende Wiesen und Weiden nicht zu verhindern ist, gehen auch auf Feldrändern und naheliegenden Arealen Arten zugrunde. Insekten, Vögel und Kleinsäuger verlieren damit einen Teil ihrer Nahrungsgrundlage, während Einträge in Boden, Oberflächen- und Grundwasser durch die intensivere Behandlung zunehmen.

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