Regelmäßiges Gehen reduziert das Auftreten von Symptomen bei Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, selbst wenn sie in einem Gebiet mit schlechter Luftqualität leben. Das zeigt eine in ERJ Open Research veröffentlichte Studie.
COPD ist eine häufige, chronische Lungenerkrankung. Sie ist nicht heilbar. Zahlreiche Studien belegen jedoch, dass regelmäßige körperliche Aktivität, etwa Spazierengehen, Symptome wie Husten, pfeifende Atemgeräusche und Atemnot lindern kann. Bislang zögerten Ärztinnen und Ärzte, ihren Patientinnen und Patienten Spaziergänge zu empfehlen, wenn diese in Gebieten mit hoher Luftverschmutzung leben. Die neue Studie legt nahe, dass Spaziergänge unabhängig von der Luftqualität vorteilhaft sind.
Geleitet wurde die Untersuchung von Dr. Alícia Josa-Culleré und Professorin Judith Garcia-Aymerich vom Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal), einem von der Stiftung „la Caixa“ geförderten Zentrum. Garcia-Aymerich erklärte, bei Menschen mit COPD könne ein Spaziergang in verkehrsbelasteter Umgebung die täglichen Atemwegssymptome verstärken. Bislang habe es jedoch keine Forschung dazu gegeben, ob körperliche Aktivität in luftbelasteter Umgebung langfristig schädliche Auswirkungen haben könne. Ziel der Studie sei eine Antwort auf eine sehr einfache Frage gewesen, mit der sich Gesundheitsexperten täglich auseinandersetzen müssten: Können wir körperliche Aktivität für Menschen mit COPD empfehlen, die in verschmutzten Umgebungen leben?
Untersucht wurden 262 COPD-Patientinnen und -Patienten aus fünf europäischen Ländern: Großbritannien, Spanien, Belgien, die Schweiz und Griechenland. Alle Teilnehmenden trugen sieben Tage lang einen Bewegungssensor, der die Anzahl ihrer Schritte, die Gehzeit und die Gehgeschwindigkeit erfasste. Die Forschenden erfassten zudem Daten zur Luftverschmutzung an den Wohnadressen in den beiden vorangegangenen Jahren, darunter die Konzentrationen von Feinstaub mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern (PM2,5), Ruß, Stickstoffdioxid und Ozon. Die Patientinnen und Patienten führten ein Tagebuch über die Krankheitsschübe. Über zwei Jahre werteten die Forschenden die Krankenakten aus, um festzustellen, ob es zu mäßigen oder schweren Verschlimmerungen der Symptome kam, sogenannten COPD-Exazerbationen.
Regelmäßiges Gehen ging mit weniger Symptomschüben einher, unabhängig vom Grad der Luftverschmutzung am Wohnort. Tausend Schritte pro Tag reduzierten die Wahrscheinlichkeit von Krankheitsschüben um etwa fünf Prozent. Regelmäßiges Gehen in einem schnelleren Tempo, über der durchschnittlichen Geschwindigkeit der Teilnehmenden von einem Meter pro Sekunde, verstärkte die positiven Effekte.
Josa-Culleré erklärte, unterschiedliche Effekte je nach Schweregrad der COPD hätten sich nicht feststellen lassen. Die Studie habe Luftverschmutzungskonzentrationen umfasst, die über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation lagen. Die Ergebnisse seien jedoch möglicherweise nicht auf Gebiete mit extrem hohen Konzentrationen übertragbar. Die Kernaussage sei nicht, dass man sich keine Sorgen um die Luftverschmutzung machen müsse. Die Belastung stehe mit zahlreichen gesundheitlichen Folgen in Zusammenhang, und eine Reduzierung solle weiterhin empfohlen werden. Die Ergebnisse legten vielmehr nahe, dass Spazierengehen immer noch besser sei als regelmäßige Inaktivität, selbst für Menschen in relativ belasteten Gebieten. Am besten sei es, wenn man nach Möglichkeit in Gebieten mit geringer Luftverschmutzung spazieren gehe.
Die Forschenden räumen ein, dass die Studie nur einen geringen Umfang hatte und sie deshalb möglicherweise kleinere Unterschiede im Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität, Luftverschmutzung und COPD-Verschlimmerungen nicht feststellen konnten. Sie planen eine ähnliche Studie mit einer größeren Teilnehmerzahl und in Gebieten mit sehr hoher Luftverschmutzung.
Dr. Marc Miravitlles, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Pneumologie, leitender Forscher und Oberarzt am Universitätsklinikum Vall d’Hebron in Barcelona, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte, man wisse, dass Spaziergänge und körperliche Aktivität Menschen mit COPD sehr helfen könnten. Man wisse auch, dass das Einatmen verschmutzter Luft der Lunge schade und insbesondere für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD schwerwiegende Folgen haben könne. Die Studie könne Menschen mit COPD etwas Hoffnung geben, da sie nahelege, dass Spaziergänge weiterhin vorteilhaft seien, egal ob man auf dem Land oder im Stadtzentrum lebe. Untersucht worden seien allerdings unterschiedliche Verschmutzungsgrade in westeuropäischen Ländern. Die Luftverschmutzung könne in anderen Teilen der Welt deutlich höher sein. Weitere Forschung für Patientinnen und Patienten in diesen Gebieten sei deshalb nötig.

