Das Indische Springkraut gilt weithin als gefährlicher invasiver Neophyt, der heimische Pflanzen verdrängt und Ökosysteme schädigt. Doch diese einseitige Darstellung ignoriert zahlreiche wissenschaftlich belegte Vorteile der Pflanze.
Eine der bedeutendsten ökologischen Leistungen des Indischen Springkrauts liegt in seiner Funktion als hervorragende Spättrachtpflanze. Von Juni bis Oktober blüht es unermüdlich und bietet Honigbienen, Wildbienen und Schmetterlingen eine der letzten großen Nektarquellen im Jahr, wenn die wenigen verbliebenen heimischen Wildblumen längst verblüht sind. Der Nektar ist zudem extrem zuckerreich und stellt für viele Hummelköniginnen, die sich im Herbst „Winterspeck“ anfressen müssen, sowie für spät fliegende Wildbienenarten oft die einzige verlässliche Massentracht dar. Auch Schmetterlinge wie Admiral, Tagpfauenauge und C-Falter nutzen die rosa Blüten als Tankstelle vor dem Winter oder für ihren Zug nach Süden, während Schwebfliegen, deren Larven im Sommer Blattläuse fressen, sich jetzt vom Pollen ernähren.
Die Pflanze produziert zudem Unmengen an nahrhaften, ölreichen Samen, die für die Tierwelt im Herbst eine wichtige Nahrungsquelle darstellen. Sobald die Kapseln aufspringen, picken Vögel wie Buchfinken, Grünfinken und Meisen die Samen vom Boden auf, wobei einige Vögel sogar gelernt haben, die reifen Kapseln gezielt mit dem Schnabel anzustupsen, um sie zum Explodieren zu bringen. Waldmäuse und andere kleine Nagetiere legen sich im Herbst Vorräte an, wobei die nussigen Samen des Springkrauts für sie eine hochenergetische Nahrung für den Winter bieten.
Die oft zitierte Verdrängung heimischer Pflanzen trifft in der Realität häufig nicht zu, weil das Indische Springkraut in vielen Fällen nicht die Ursache für den Verlust der Artenvielfalt ist, sondern das Symptom bereits gestörter Standorte. Durch Überdüngung aus der Landwirtschaft, Begradigung von Bächen, forstwirtschaftliche Eingriffe, den Einsatz von rotierenden Mähwerkzeugen, die meist auch noch zu tief eingestellt sind und viel zu häufig im Jahr eingesetzt werden sowie das Brachliegenlassen ehemaliger Ackerflächen entstehen monotone, nährstoffüberlastete Standorte, auf denen die meisten empfindlichen, heimischen Wildblumen ohnehin keine Überlebenschance haben. Auf diesen gestörten Böden füllt das Springkraut im Spätsommer eine Lücke, die sonst ökologisch de facto ohne Wert wäre, und wächst dort, wo oft nur noch Brennnesseln oder Brombeeren vorkommen.
Die Sorge des Naturschutzes bezieht sich meist auf die wenigen noch verbliebenen, wirklich naturnahen Rückzugsorte wie geschützte Auwälder oder seltene Feuchtwiesen, wo das Springkraut nach dem ersten Frost riesige Flächen komplett kahlen Bodens hinterlassen kann. Auf diesem nackten Boden haben es im darauffolgenden Frühjahr die Samen von langsam wachsenden, heimischen Stauden extrem schwer, Fuß zu fassen, weil die Erosion den Boden instabil macht und das Springkraut im April und Mai sofort wieder alles im Eiltempo überwuchert. An den meisten anderen Standorten jedoch, selbst in Parks, an Ackerflächen angrenzenden Wäldern und Feldgehölzen, an den Rändern von Weiden und Wiesen ist das Springkraut oft der einzige verbliebene Farbtupfer und eine lebenswichtige Tankstelle für Insekten. Die Zahlen machen die Dimension klar. Besonders geschützte Biotope wie Bruch-, Sumpf- und Auwälder befinden sich nach der vierten Bundeswaldinventur auf rund 593.000 bis 664.000 Hektar, was 5 bis 6 Prozent der gesamten Waldfläche (11,4 Millionen Hektar) entspricht. Das sind 1,65 bis 1,85 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands. Dagegen nimmt die landwirtschaftliche Nutzfläche rund die Hälfte des gesamten Bundesgebiets ein, das sind rund 16 bis 18 Millionen Hektar. Hinzu kommt die forstwirtschaftlich genutzte Fläche von etwa 30 Prozent beziehungsweise 11,5 Millionen Hektar. Selbst die 0,9 Prozent beziehungsweise rund 360.000 Quadratkilometer an öffentlichen Grünanlagen und Parks sind stark anthropogen beeinflusst, meist überpflegt und extrem arm an Insektennährpflanzen.
Es gibt sogar einen kulinarischen Aspekt beim Indischen Springkraut: Seine Samen sind absolut ungiftig und können für den menschlichen Verzehr, für Müsli oder Salate genutzt werden, wobei sie intensiv nach Walnuss oder Haselnuss schmecken. Nur die dunkelbraunen bis schwarzen Samen sind reif; sie schmecken besonders gut, wenn man sie kurz ohne Fett in der Pfanne anröstet, was das Nussaroma verstärkt.

