Die für eingeführte Oryx-Antilopen (Gemsbok, Oryx gazella) geeigneten Lebensräume im Südwesten der Vereinigten Staaten sind nach einer Modellstudie bereits deutlich größer als ihr derzeit besiedeltes Areal und dürften sich unter verschiedenen Klimawandelszenarien bis zum Jahr 2100 weiter ausdehnen und stärker vernetzen. Forscher der University of Illinois und Kollegen haben mit Species-Distribution-Models die Habitateignung für die aus Südafrika stammende Art untersucht und dabei festgestellt, dass vor allem die Temperatur-Saisonalität, die Temperatur des kältesten Quartals und der menschliche Fußabdruck die Modelle prägten. Die Studie ist im Journal of Mammalogy erschienen (DOI: 10.1093/jmammal/gyag083).
Nathan Alexander und Kollegen verwendeten Vorkommensdaten aus der Global Biodiversity Information Facility, die sie auf das Gebiet der USA beschränkten und räumlich ausdünnten, und projizierten die Eignung für zwei Pufferweiten um das bisherige Verbreitungsgebiet sowie unter den Klimapfaden SSP126, SSP370 und SSP585 bis zum Ende des Jahrhunderts. Die Modelle zeigten hohe Übereinstimmung und gute Anpassungswerte; die Habitateignung war am höchsten bei Temperaturen des kältesten Quartals zwischen etwa 5 und 12 Grad Celsius, hoher Saisonalität und moderatem menschlichen Einfluss sowie geringer Baumbedeckung. Gegenwärtige Projektionen wiesen geeignete Gebiete nördlich und südlich entlang des Rio Grande sowie in Flachlandkorridoren auf, die eine Ausbreitung ermöglichen könnten, während zukünftige Szenarien eine stärkere Aggregation geeigneter Habitate und eine Ausweitung auch in bisher weniger geeignete Bergregionen prognostizierten.
Die Autoren weisen darauf hin, dass die Art physiologisch und verhaltensseitig an aride Bedingungen angepasst sei, Wasser weitgehend über die Nahrung aufnehme und im eingeführten Gebiet kaum durch Beutegreifer begrenzt werde. Seit der Einführung von 95 Tieren zwischen 1969 und 1977 auf dem White Sands Missile Range in New Mexico habe sie ihr Areal und ihre Population im Chihuahua-Desert stark vergrößert. Sie warnen vor möglichen Auswirkungen auf einheimische Huftiere wie Gabelböcke und Maultierhirsche durch Konkurrenz und Krankheitsübertragung sowie vor der Notwendigkeit, bei Managementmaßnahmen künftige Interaktionen, Ausbreitungsbarrieren und gesellschaftliche Perspektiven zu berücksichtigen. Die Forscher empfehlen weitere Untersuchungen zu Bewegungsverhalten und möglichen Barrieren sowie eine Berücksichtigung menschlicher Einstellungen bei der Planung.

