
An 13 von 44 untersuchten Anlagen der Öl- und Gasinfrastruktur haben die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die US-amerikanische Organisation Earthworks im September 2026 mithilfe einer Spezialkamera unkontrolliert austretende Methan-Emissionen und andere Kohlenwasserstoffe festgestellt. Die Messungen umfassten LNG-Terminals, Gasspeicher, Verdichterstationen, Raffinerien und Pipeline-Messstellen in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie in den Niederlanden. Die DUH will die Betreiber der betroffenen Anlagen und die zuständigen Behörden informieren und zur Umsetzung der EU-Methanverordnung auffordern.
An den LNG-Terminals in Brunsbüttel und Mukran (Sassnitz) wurden bei mehreren Besuchen unverbrannte Emissionen aus den Schornsteinen der FSRU-Triebwerke dokumentiert, teilweise aus Entfernungen von mehreren hundert Metern. Am Wilhelmshavener Terminal wurden Emissionen an den FSRUs Excelsior und Esperanza festgestellt, wobei eine der Einheiten möglicherweise während des Entladens von LNG aktiv war; hier reichte die DUH eine Beschwerde ein. Am Gate Terminal in Rotterdam traten Emissionen aus den Schornsteinen von LNG-Tankern auf. An der Heide-Raffinerie in Brunsbüttel wurden Emissionen an einem Speichertankventil gemessen, und an der ExxonMobil-Raffinerie in Botlek (Rotterdam) Kohlenwasserstoffemissionen aus einem Ausblasemast ohne Anzeichen einer Verbrennung.
An mehreren Verdichterstationen zeigten sich unverbrannte Emissionen aus Abgaskaminen oder aufgrund unvollständiger Verbrennung, etwa an den Anlagen von TENP in Stolberg und Mittelbrunn sowie von OGE in Werne. An der OGE-Verdichterstation in Würselen wurden Emissionen einer geschlossenen Fackel dokumentiert, deren Betrieb später eingestellt wurde; auch hier reichte die DUH eine Beschwerde ein. Am Uniper-Gasspeicher in Epe traten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Emissionen aus einem Ausblasemast auf, ohne thermische Signatur einer Verbrennung, was ebenfalls zu einer Beschwerde führte. An der Gasunie-Exportstation in Zevenaar und der NETG-Verdichterstation in Elten wurden mögliche Leckagen an Komponenten beziehungsweise Emissionen aus einem Ausblasemast festgestellt, wozu Beschwerden eingereicht wurden.
An zahlreichen weiteren Standorten, darunter verschiedenen Verdichterstationen, Gasspeichern und Ölförderstellen, wurden keine oder nur sehr geringe Aktivitäten beziehungsweise Verbrennungen registriert. Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, erklärte, die Gasspeicher seien leer und die zuständigen Unternehmen ließen Methan in die Atmosphäre entweichen. Behörden und Betreiber müssten dringend handeln, nicht nur angesichts der Speicherlage, sondern auch weil die Emissionen die Klimakrise anheizten und die EU-Methanverordnung gesetzliche Pflichten vorsehe. Die Bundesregierung müsse endlich Bußgelder für Verstöße festlegen.
Andrew Klooster, leitender Thermograf bei Earthworks, führte aus, die Aufnahmen zeigten, dass die Umsetzung der Methanverordnung noch nicht ernst genug genommen werde. Er sei überrascht gewesen, erhebliche und vermeidbare Emissionen aus Raffinerien in der EU festzustellen, die in einigen Fällen schwerwiegender gewesen seien als dokumentierte Fälle in den USA oder Lateinamerika. Um konsequent zu sein, müsste die Verordnung auf Raffinerien, Gaskraftwerke und Biogasanlagen ausgeweitet werden. Die Untersuchungen erfolgten mit FLIR-320-OGI-Kameras, die unsichtbares Methan und flüchtige organische Verbindungen in Echtzeit sichtbar machen.

Gasanlagen setzen laut DUH Methan frei. Symbolbild, KI generiert. Credits: Pugnalom.io by LabNews Media LLC

