Göttinger Studie zeigt: Größere Buchenkeimlinge haben langfristig bessere Überlebenschancen

Durch | Oktober 14, 2026
Naturverjüngung von Rotbuchen im Wald. Credits: Karel Drozda, pexels

Licht, Wasser, Nährstoffe: Der Kampf um Ressourcen im Wald ist groß. Besonders nach sogenannten Mastjahren, in denen Pflanzen sehr viele Keimlinge produzieren, beginnt ein „Wett-Wachsen“. Ob Höhenunterschiede zwischen den kleinen Bäumen im ersten Jahr ihres Lebens für ihre künftige Entwicklung relevant sind, selbst wenn sie nur ein bis zwei Zentimeter betragen, war bisher jedoch unklar. Forschende der Universität Göttingen konnten nun zeigen: Buchenkeimlinge, die am Ende ihres ersten Lebensjahres etwas größer sind als ihre unmittelbaren Nachbarn, haben auch zwei Jahrzehnte später eine höhere Überlebenschance. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Journal of Ecology erschienen.

Naturverjüngung von Rotbuchen im Wald. Credits: Karel Drozda, pexels
Naturverjüngung von Rotbuchen im Wald Credits Karel Drozda pexels

In der Langzeitstudie beobachtete das Team mehr als 2.000 Buchenkeimlinge an zwei Versuchsstandorten bei Freising und Landshut über einen Zeitraum von 25 Jahren. Von den 2.214 erfassten Sämlingen überlebten 679 – die Zahl der Bäume sank also um rund 70 Prozent, eine Folge innerartlicher Konkurrenz. Dabei wurden die anfänglichen Größenunterschiede mit der Zeit immer deutlicher. Die Sämlinge, die im Jahr der Keimung etwas größer waren als ihre unmittelbaren Nachbarn, behielten ihre Position in der Größenhierarchie meist bei, während ein Aufholen der kleineren Bäume sehr selten war. In einem zusätzlichen Gewächshausversuch zeigte sich, dass schwerere Bucheckern zu größeren und biomassereicheren Keimlingen führten. Die Größe des Samens scheint also den ersten Wachstumsvorsprung mitzubestimmen und damit langfristig Bedeutung zu haben.

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass sich gleichaltrige Baumbestände im Laufe der Zeit selbst, das heißt ohne Zutun des Menschen, ausdünnen. Dieser Prozess folgt mathematischen Gesetzmäßigkeiten. Unklar war jedoch, welche der vielen Sämlinge, die in einem einzigen Jahr entstanden sind, sich letztendlich durchsetzen werden, so Erstautor Prof. Dr. Christian Ammer von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen. Es bleibt spannend, wie sich die inzwischen 15 Meter hohen Bäume in einem sich wandelnden Klima weiterentwickeln. Die Studie zeigt, dass Wettbewerbs- und Überlebensvorteile bei Bäumen schon überraschend früh zutage treten. Ob diese Wachstumsvorteile auch bei klimatischen Extremen bestehen bleiben, ist jedoch offen und Gegenstand künftiger Untersuchungen.

Originalpublikation:

Ammer, C. et al. Get out of the starting block quickly—Small initial differences in seed and seedling size affect tree survival and growth over 25?years. Journal of Ecology (2026). DOI: http://10.1111/1365-2745.70407

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