Zwischen all dem gehäckselten Mähgut ist er kaum auszumachen: ein toter Igel. Solche Bilder sind kein Einzelfall. Schlegelmulcher und andere Rotationsmäher, die an Straßenrändern, Böschungen, Gräben und selbst auf Wiesen, Weiden und in Parks eingesetzt werden, zerkleinern mit schnell drehenden Messern oder Schlegeln nicht nur das Gras, sondern auch die Tiere, die sich darin aufhalten – von Spinnen über Käfer bis hin zu Schnecken, Igeln und Kröten. Geräte wie der konventionelle Schlegelmulchkopf MULAG MK 1200 arbeiten nach dem Rotationsprinzip: Die Messer rotieren mit hoher Geschwindigkeit, erzeugen Sog und zerhacken alles in seinem Wirkungsbereich in kleine Teile. Das Schnittgut bleibt als Mulch liegen. Tiere, die nicht rechtzeitig fliehen können, haben dabei keine Überlebenschance. Nach dem gleichen Prinzip arbeiten übrigens auch Rasenmäher und -roboter.
Studien belegen die Ausmaße. Forschende der Universität Hohenheim untersuchten entlang von Straßen in Baden-Württemberg die Wirkung eines herkömmlichen rotierenden Mulchkopfes auf die Arthropodenfauna. Nach der Mahd waren 29 Prozent der Wanzen, jeweils rund die Hälfte der Spinnen, Zikaden, Hautflügler und Zweiflügler, 73 Prozent der Insektenlarven und 87 Prozent der Schmetterlinge verschwunden oder getötet. Die Verluste lagen je nach Gruppe zwischen 29 und 87 Prozent. Der Biologe Johannes Steidle bezeichnete solche Geräte als „Walze des Todes“. Ähnliche Ergebnisse zeigen andere Untersuchungen: Rotierende Mähwerke töten oder verletzen deutlich mehr Individuen als schneidende Balkenmäher, weil Sog und hohe Geschwindigkeit auch Tiere außerhalb der direkten Schnitthöhe erfassen.
Selbst größere Tiere wie der Igel entgehen den Todesfallen nicht. Igel rollen sich bei Gefahr ein und bleiben liegen, statt zu fliehen. Die scharfen, schnell rotierenden Messer fügen ihnen schwere Schnittverletzungen zu oder häckseln sie vollständig. In Gärten dokumentierte das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in 370 Fällen von Schnittverletzungen an Igeln durch elektrische Gartengeräte eine Mortalitätsrate von 47 Prozent; viele Tiere wurden erst Stunden oder Tage später gefunden. An Straßengräben wirken die größeren Schlegelmulcher vergleichbar. Auch Amphibien, Kleinsäuger, Eier und Jungtiere von Bodenbrütern sowie Spinnen und Insekten werden erfasst. Schätzungen der Deutschen Wildtier Stiftung gehen davon aus, dass bundesweit eine halbe Million Wildtiere jährlich landwirtschaftlichen Mähmaschinen zum Opfer fallen, darunter ungezählte Hasen, Vögel, Amphibien und Kleinsäuger.
Besonders fatal ist die mehrfache Mahd im Jahr. Jeder Durchgang dezimiert die verbliebene Fauna erneut. Larven, Eier und nicht flugfähige Stadien werden immer wieder vernichtet, bevor sie sich entwickeln oder fortpflanzen können. Das zurückbleibende Mulchmaterial reichert zudem die Flächen mit Nährstoffen an, verdunkelt den Boden und behindert die Keimung vieler Wildpflanzen. Dadurch verarmen die Lebensräume zusätzlich. Entsprechend entwickelt sich die typische nährstoffliebende und monotone Flora aus Gräsern und Brennnesseln.

