Chinas Exportbeschränkungen für Seltene Erden: Bedrohliche Auswirkungen auf Deutschlands Branche für Erneuerbare Energien

Durch | Oktober 11, 2025
Credits: Curioso Photographie, pexels

Die kürzlich verschärften Exportkontrollen Chinas für Seltene Erden, angekündigt am 9. Oktober 2025, stellen eine erhebliche Herausforderung für Deutschlands Branche für Erneuerbare Energien dar. Peking erweitert die Beschränkungen nun auf zwölf der 17 Elemente, darunter neu hinzugefügte wie Holmium, Erbium, Thulium, Europium und Ytterbium, und erfasst erstmals Technologien, Know-how sowie Produkte, die außerhalb Chinas mit chinesischen Materialien oder Verfahren hergestellt werden. Ab dem 1. Dezember 2025 erfordern Exporte eine behördliche Genehmigung, was zu Engpässen, Preisanstiegen und Verzögerungen in der Lieferkette führt. In einem Sektor, der auf stabile Versorgung mit Permanentmagneten für Windkraftanlagen und Photovoltaik angewiesen ist, könnte dies die Energiewende bremsen, Kosten explodieren lassen und Ziele wie 80 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 gefährden. Die Maßnahme, die als Reaktion auf US-Technologiebeschränkungen gilt, unterstreicht Pekings Monopolstellung bei über 90 Prozent der globalen Raffination und zwingt Europa zu einer hastigen Diversifikation.

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Hintergrund: Seltene Erden als Rückgrat der Erneuerbaren Energien

Seltene Erden – eine Gruppe von 17 Metallen mit einzigartigen magnetischen und optischen Eigenschaften – sind unverzichtbar für die Komponenten erneuerbarer Energien. Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium bilden die Basis für hochleistungsfähige Permanentmagnete in Windkraftanlagen, wo sie Generatoren effizienter machen und den Platzbedarf minimieren. In der Photovoltaik dienen Elemente wie Europium und Yttrium als Dotierstoffe für Solarzellen, die die Effizienz steigern, während Ytterbium in Laser- und Spektraltechnologien für die Produktion und Wartung von Modulen eingesetzt wird. Die globale Nachfrage nach diesen Materialien soll bis 2030 um das Vierfache steigen, getrieben durch den Ausbau erneuerbarer Energien, wie die Internationale Energieagentur prognostiziert.

Deutschland, als Vorreiter der Energiewende, ist besonders vulnerabel: Die Branche generiert jährlich über 100 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt rund 400.000 Menschen, mit Wind- und Solarenergie als Säulen. China liefert über 80 Prozent der importierten Seltene Erden, oft in Form von Magneten, die in deutschen Turbinen von Herstellern wie Siemens Gamesa oder Vestas verbaut werden. Frühere Beschränkungen, wie der Exportstopp im April 2025, verursachten bereits Preisschübe von 20-30 Prozent und Lieferverzögerungen, die den Bau von Offshore-Windparks in der Nordsee verzögerten. 4 Die neuen Regeln erweitern dies auf Recycling-Technologien und Software, was den Aufbau unabhängiger Verarbeitungsketten behindert und ausländische Produkte mit chinesischem Anteil lizenzpflichtig macht.

Historisch hat China seine Rohstoffmacht strategisch genutzt: Der Embargo gegen Japan 2010 führte zu einem 500-prozentigen Preisanstieg, und die April-Maßnahmen 2025 trafen bereits die Automobil- und Energiewirtschaft. In Deutschland, wo der Ausbau erneuerbarer Energien durch das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) forciert wird, verstärkt dies die Abhängigkeit von einem Land, das 45 Prozent der globalen Fertigung bis 2030 kontrollieren könnte.

Direkte Auswirkungen: Engpässe, Kostenexplosion und Verzögerungen im Ausbau

Die Branche spürt die Schrauben bereits: Exportdaten aus Mai 2025 zeigten einen Rückgang chinesischer Magnetlieferungen um 74 Prozent, was zu Engpässen bei Permanentmagneten führt – essenziell für die Generatoren in Windrädern. In Deutschland könnten Preise für Neodym-basierte Magnete um bis zu 40 Prozent steigen, was die Kosten für eine 10-MW-Offshore-Turbine um 500.000 Euro erhöht und den Ausbau von Projekten wie Arkona oder Borkum Riffgrund verzögert. Für die Photovoltaik bedeuten die Beschränkungen höhere Produktionskosten für effiziente Zellen, da Yttrium und Scandium rar werden, was den Wettbewerb mit günstigen chinesischen Modulen erschwert – China dominiert mit über 80 Prozent der Solarfertigung.

Kritisch wird es für den Windsektor: Ohne stabile Lieferungen drohen Stillstände bei der Montage, was das Ziel von 70 Gigawatt Onshore- und 30 Gigawatt Offshore-Windkraft bis 2030 unterlaufen könnte. Der BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) warnt vor einer Verlangsamung der Energiewende, da Engpässe zu höheren Strompreisen und verzögerten Dekarbonisierungsplänen führen. Insgesamt könnten bis Ende 2025 bis zu 15 Prozent der geplanten Wind- und Solarprojekte betroffen sein, mit Jobverlusten von bis zu 10.000 Stellen in Zulieferketten. Die paradoxe Situation entsteht, dass geopolitische Spannungen den Klimaschutz behindern, obwohl Seltene Erden für grüne Technologien essenziell sind.

Strategische Gegenmaßnahmen: Diversifikation und EU-weite Resilienz

Deutschland und die EU kontern mit einer breiten Palette an Initiativen: Die Kritischen-Rohstoffe-Verordnung von 2023, aktualisiert 2025, fordert 10 Prozent heimische Förderung bis 2030 und priorisiert erneuerbare Energien durch Subventionen für Recycling-Projekte. Firmen wie Siemens Energy investieren in alternative Magnetmaterialien wie Ferrit oder Eisen-Nitrid, die die Effizienz um bis zu 20 Prozent reduzieren könnten, aber unabhängiger machen.  Das Bundeswirtschaftsministerium plant Abnahmegarantien für Projekte wie die Gewinnung aus Braunkohleasche in der Lausitz, die jährlich 5-10 Tonnen Neodym liefern könnte.

EU-weit werden Allianzen mit Kanada und Australien geschmiedet, um 20 Prozent der Bedürfnisse bis 2027 zu decken, während Recyclingquoten auf 25 Prozent angehoben werden sollen. Dennoch dauern Lead-Times 12-24 Monate, und Genehmigungen in China – nur 19 von 141 Anträgen kürzlich bewilligt – mildern den Druck kaum.  Der VCI (Verband der Chemischen Industrie) fordert eine „Energie-Souveränitäts-Strategie“, inklusive höherer Investitionen in R&D, um die Abhängigkeit zu senken.

Ausblick: Geopolitische Eskalation mit Klimafolgen

Bis zum APEC-Gipfel Ende Oktober könnte eine vorläufige Einigung die Schärfe mildern, doch die anhaltende US-China-Rivalität birgt Eskalationsrisiken. Für Deutschlands Erneuerbare-Energien-Branche bedeutet die Krise eine Weckruf: Ohne schnelle Diversifikation droht eine Verlangsamung der Energiewende, höhere Kosten und ein Verlust der globalen Wettbewerbsfähigkeit. Die Abhängigkeit von China, die durch Jahrzehnte westlicher Nachlässigkeit entstanden ist, unterstreicht die Notwendigkeit einer fundamentalen Umdenkung – Rohstoffe sind nicht nur Wirtschaftsgut, sondern geopolitische Waffe.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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