Das dunkle Geschäft mit importierten Hunden: Vom Rettungsgedanken zum Milliardenmarkt

Durch | Februar 5, 2026
Perfides Geschäft mit dem Mitleid. Credits: Ellna Volkova

Was als humanitärer Ansatz begann – Straßenhunde aus dem Ausland zu retten und ihnen in Deutschland ein Zuhause zu geben –, hat sich zu einem hochprofitablen und oft grausamen Geschäft entwickelt. Heute werden Welpen und Junghunde in Osteuropa gezielt in großen Mengen produziert, um die Nachfrage in Westeuropa zu bedienen. Anbieterportale wie Deine Tierwelt und Kleinanzeigen sind überschwemmt mit Angeboten für Hunde, die überwiegend aus Ländern wie Rumänien, Polen, Ungarn, Tschechien, Bulgarien, Serbien, der Slowakei und der Ukraine stammen. Diese Tiere kommen meist aus sogenannten Vermehrerstationen, in denen Hündinnen unter katastrophalen Bedingungen als reine Produktionsmaschinen gehalten werden.

Perfides Geschäft mit dem Mitleid. Credits: Ellna Volkova
Perfides Geschäft mit dem Mitleid Credits Ellna Volkova

Die Welpen werden viel zu früh von der Mutter getrennt, oft bereits mit wenigen Wochen, unter mangelhafter Hygiene, ohne ausreichende Impfungen und Sozialisation transportiert. Gefälschte Papiere und Heimtierausweise suggerieren Legalität und Gesundheit. Viele Tiere erkranken schwer, etwa an Parvovirose, oder sterben kurz nach dem Kauf. Der illegale Handel wird von kriminellen Netzwerken betrieben, die Zucht, Transport, Fälschung von Dokumenten und Verkauf organisieren – oft unter Beteiligung korrupter Tierärzte.

Besonders profitieren organisierte Händler und Vermehrer in Osteuropa sowie Zwischenhändler in Deutschland und anderen EU-Ländern. Die EU-weite Nachfrage nach Hunden liegt bei knapp sechs Millionen Tieren pro Jahr, mit einem geschätzten Marktwert von mindestens 4,6 Milliarden Euro. In Deutschland allein beträgt der errechnete Bedarf über 920.000 Hunde jährlich, mit einem Marktwert von etwa 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro. Bei rund 80 bis 84 Prozent dieser Tiere lässt sich keine verifizierbare legale Herkunft nachweisen – ein Großteil davon stammt aus dem illegalen oder dubiosen Handel.

Tierschutzorganisationen wie VIER PFOTEN, der Deutsche Tierschutzbund und PETA sehen hier ein perfides Spiel mit dem Mitleid: Fotos von traurigen Welpen und Appelle an die Hilfsbereitschaft der Käufer kaschieren das Leid der Produktion. Käufer glauben oft, ein Tier zu retten, finanzieren aber genau jene Strukturen, die für das Elend verantwortlich sind.

Auch viele Tierheime und Tierschutzvereine in Deutschland nehmen importierte Hunde auf und vermitteln sie weiter. Seriöse Organisationen kooperieren dabei mit ausländischen Partnern, etwa mit großen Auffangstationen, wo Straßenhunde oder Tiere aus Tötungsstationen medizinisch versorgt, kastriert, geimpft und – wenn eine Freilassung vor Ort nicht möglich ist – in Einzelfällen nach Deutschland transportiert werden. Nach Quarantäne, Gesundheitschecks und Verhaltenstests erfolgt die Vermittlung über deutsche Tierheime oder Pflegestellen gegen eine Schutzgebühr, die meist zwischen 250 und 350 Euro liegt und der Kostendeckung dient.

Der Deutsche Tierschutzbund betont, dass Importe nur im Einzelfall und aus Ländern erfolgen sollten, in denen das Prinzip „Fangen, Kastrieren, Freilassen“ rechtlich nicht umsetzbar ist, und dass der Fokus auf Hilfe vor Ort liegen muss.

Der Boom importierter Hunde führt jedoch dazu, dass deutsche Tierheime mit einheimischen Tieren oft weniger Zulauf haben, obwohl diese ebenfalls auf Plätze warten. Viele Experten sehen darin eine Verdrängung lokaler Schützlinge. Zudem warnen Organisationen davor, dass kriminelle Strukturen den Deckmantel des „Auslandstierschutzes“ missbrauchen: Produzierte Welpen aus Vermehrerstationen werden als vermeintliche Straßenhunde oder Rettungsfälle getarnt und über unseriöse Kanäle in den Handel geschleust, unter anderem auch in Tierheime eingeschleust. Solche Fälle unterlaufen Kontrollen und finanzieren indirekt das Leid in den Produktionsfarmen.

Tierheime, die importieren, stehen daher vor dem Problem, zwischen echter Notfallrettung und dubiosen Angeboten zu unterscheiden. Seriöse Vereine fordern strenge Standards, um Missbrauch zu verhindern. Zwar appellieren sie an Interessenten, lokale Tierheime zu bevorzugen oder bei Auslandshunden genau auf Herkunft, Papiere und Organisation zu achten. Doch können auch sie nicht die Echtheit der Papiere garantieren.

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