
Gesundheitsexperten drängen auf einen ambitionierteren UN-Kunststoffvertrag, um die menschliche Gesundheit vor giftigen Kunststoffen zu schützen. Im Vorfeld der Verhandlungen des UN-Umweltprogramms im August in Genf fordern sie in einem Leitartikel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Ende der Verwendung gefährlicher Chemikalien in Kunststoffen, eine Begrenzung der Plastikproduktion und eine Abkehr von Abfallmanagement und Recycling als Hauptlösungen.
Dr. Nicholas Chartres von der Universität Sydney, Hauptautor des Artikels, betont die gesundheitlichen Gefahren durch Kunststoffe, die über 16.000 Chemikalien enthalten, darunter krebserregende „Forever Chemicals“ und endokrine Disruptoren. Diese erhöhen das Risiko für chronische Krankheiten, Krebs, Unfruchtbarkeit und Atemwegserkrankungen. Besonders Mikroplastik wird mit schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden in Verbindung gebracht. Die WHO schätzt, dass ein Viertel aller Todesfälle weltweit auf Umweltverschmutzung zurückzuführen ist, wobei Kunststoffe eine zentrale Rolle spielen.

Die Experten legen acht Empfehlungen vor: Schutz von Gesundheit und Umwelt als Vertragsziele, Begrenzung der Plastikproduktion, Verbot giftiger Chemikalien, transparente Berichterstattung, Verursacherprinzip bei der Finanzierung, Beseitigung toxischer Emissionen im gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen, Verbot des Recyclings giftiger Kunststoffe und keine pauschalen Ausnahmen, etwa für den Gesundheitssektor, der viel Einwegplastik produziert. Der Vertrag müsse Alternativen fördern, ohne die Verfügbarkeit lebenswichtiger Medizinprodukte zu gefährden.
Die Plastikproduktion könnte bis 2060 um 300 Prozent steigen, was Länder mit niedrigem Einkommen überproportional belastet. Der Leitartikel, veröffentlicht im Bulletin of the World Health Organization (DOI: 10.2471/BLT.25.294144), kritisiert Lücken im aktuellen Vertragsentwurf, die den Gesundheitsschutz gefährden.
Quelle: Universität Sydney, 9. Juli 2025

