Storrs (Labnews Media LLC) – Der Verlust von Gezeitenfeuchtgebieten in den USA hat sich in den letzten Jahrzehnten beschleunigt. Eine neue internationale Studie unter Beteiligung der University of Connecticut (UConn) zeigt, dass extreme Wetterereignisse wie Hurrikane inzwischen einen größeren Einfluss auf den Rückgang haben als der alleinige Meeresspiegelanstieg.
Die Forschenden um Xiucheng Yang (ehemals UConn, jetzt University of Victoria) und Zhe Zhu (UConn) werteten 40 Jahre Satellitendaten aus und analysierten Veränderungen an 102 Riffstandorten rund um die Insel Hainan sowie vergleichbare Küstengebiete in den USA. Seit 1985 haben die USA mehr als 7,5 Prozent ihrer Gezeitenfeuchtgebiete verloren – insgesamt rund 1.600 Quadratkilometer. Der Verlust beschleunigt sich derzeit um etwa 0,73 Quadratkilometer pro Jahr.
Statistische Modellierungen ergaben, dass lokale menschliche Einflüsse wie Überfischung, Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und Aquakultur sowie Küstenbebauung den Großteil der regionalen Unterschiede erklären (73 Prozent). Der Klimawandel setzt jedoch den übergeordneten Rahmen: Steigende Wassertemperaturen und häufigere Extremwetterereignisse schwächen die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme.
Regionale Unterschiede in den USA
- An der Golfküste ist der Rückgang besonders stark, bedingt durch hohen relativen Meeresspiegelanstieg und zunehmende Hurrikan-Aktivität.
- In der Bucht von San Francisco hingegen nehmen die Flächen zu – dank aktiver Restaurierungs- und Schutzmaßnahmen.
- Mangrovenwälder breiten sich in Teilen Floridas, Louisianas und Texas aus und verdrängen teilweise die klassischen Salzmarschen, da sie besser an höhere Wasserstände und Stürme angepasst sind.
Die Studie ist die erste, die einen direkten Zusammenhang zwischen extremen Wetterereignissen und dem beschleunigten Verlust von Gezeitenfeuchtgebieten nachweist. Die Autoren entwickelten das Zeitreihenmodell DECODE, das abrupte Veränderungen (z. B. durch Stürme) von allmählichen Prozessen (z. B. Meeresspiegelanstieg) unterscheiden kann.
Aufruf zu integriertem Management
Die Forschenden schlagen ein integriertes Küsten-Riff-Management (Integrated Coast Reef Management, ICRM) vor, das Maßnahmen an Land und im Meer kombiniert. Modellierungen zeigen, dass ein solcher Ansatz die lebende Korallen- bzw. Feuchtgebietsbedeckung unter anhaltender Erwärmung um das Zwei- bis Vierfache erhöhen und einen Zusammenbruch der Kalzifizierung verhindern könnte.
Tim Jennerjahn vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), einer der Mitautoren, betonte, dass lokale Maßnahmen wie die Reduzierung von Nährstoffeinträgen und nachhaltiges Fischereimanagement kurzfristig wirksame Hebel darstellen. Sie ersetzen jedoch nicht die Notwendigkeit globaler Klimaschutzmaßnahmen.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht (DOI: 10.1038/s41467-026-71464-2). Sie unterstreicht die Dringlichkeit, Gezeitenfeuchtgebiete nicht nur als Ökosysteme, sondern auch als wichtige Küstenschutzelemente und Kohlenstoffspeicher zu erhalten. Ohne gezieltes integriertes Management droht ein weiterer beschleunigter Verlust dieser wertvollen Lebensräume.
credits
Zhiliang ZhuUSGS

