
Künstlich angelegte Süßgewässer in Höhen ab 1.600 Metern bieten alpinen Libellenarten keinen geeigneten Lebensraum. Das zeigt eine Studie von Eurac Research, die in der Fachzeitschrift Global Ecology and Conservation veröffentlicht wurde.

Die Ergebnisse widerlegen die Annahme, dass Speicherbecken und ähnliche Gewässer die Biodiversität fördern könnten, indem sie Ersatzlebensräume für verschiedene Tierarten schaffen. Da Libellen als Indikatoren für die Qualität stehender Süßgewässer gelten, deutet die Studie darauf hin, dass auch andere Arten wie Amphibien oder Eintagsfliegen diese Gewässer kaum nutzen.
Warum künstliche Gewässer ungeeignet sind, hat mehrere Gründe. Zum einen schwanken die Pegelstände stark, da Wasser für Bewässerung, Löschzwecke oder Schneeproduktion entnommen wird. Zum anderen bestehen viele Speicherbecken aus Beton oder Kies – anders als natürliche, schlammige Teiche. Besonders die Uferzonen natürlicher Gewässer, die aus Wasserpflanzen und Vegetation bestehen, sind für die Entwicklung von Libellenlarven bis zum erwachsenen Tier essenziell. Künstlichen Gewässern fehlen solche Uferzonen oft gänzlich. Würden Speicherbecken mit Schlammböden und naturnahen Uferzonen ausgestattet, könnten sie für Libellen attraktiver sein. Allerdings bleibt das Problem der Pegelschwankungen bestehen. Experten zufolge dürfen Dämme von Speicherbecken meist nur mit Rasen bepflanzt werden, und ein natürlicher Pflanzenbewuchs am Beckenboden ist aus Sicht der Betreiber oft unerwünscht und wird entfernt.
Originalpublikation
„Artificial high-altitude water bodies are unsuitable habitats for alpine odonates“ von Elia Guariento et al., veröffentlicht in Global Ecology and Conservation. Volume 55, November 2024
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