
Ein weiterer Schlag für die internationale Windenergiebranche: Die dänische Reederei A.P. Moller-Maersk hat die Bestellung eines Spezialschiffs für den Bau von Offshore-Windparks in den USA gekündigt. Das Wind Turbine Installation Vessel (WTIV), das fast fertiggestellt war, sollte beim Projekt Empire Wind 1 des norwegischen Ölkonzerns Equinor zum Einsatz kommen. Doch der Baustopp durch die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat nicht nur das Projekt lahmgelegt, sondern nun auch Investoren wie Maersk entmutigt. Beobachter sehen darin ein klares Signal: Die ideologische Kampagne gegen Windkraft birgt Milliardenrisiken für Entwickler und Lieferanten. Gleichzeitig feierte Ørsted kürzlich einen Gerichtserfolg gegen ähnliche Stopps – ein Hoffnungsschimmer in einer ansonsten düsteren Lage.

Hintergrund: Empire Wind als Symbol für US-Windambitionen
Empire Wind 1, ein Offshore-Windpark mit einer Leistung von 810 Megawatt vor der Küste New Yorks, sollte ab 2027 rund 500.000 Haushalte mit sauberem Strom versorgen. Der Pachtvertrag für das Gebiet wurde bereits 2017 abgeschlossen, und das Projekt erhielt 2024 alle notwendigen Genehmigungen vom Bureau of Ocean Energy Management (BOEM), einer Behörde des US-Innenministeriums. Equinor, in Partnerschaft mit bp, investierte Milliarden: Bis März 2025 belief sich der Buchwert auf 2,5 Milliarden US-Dollar, inklusive des Ausbaus des South Brooklyn Marine Terminals zu einem Windenergie-Hub. Die Bauphase begann im März 2025 mit Meeresbodenarbeiten – ein Meilenstein für die US-Windindustrie, die unter der Biden-Administration Ziele wie 30 Gigawatt Offshore-Kapazität bis 2030 anstrebte.
Das WTIV-Schiff von Maersk war ein zentraler Baustein: Bestellt im März 2022 beim singapurischen Hersteller Seatrium für 475 Millionen US-Dollar, sollte es die Turbineninstallation übernehmen. Das 145 Meter lange Jack-up-Schiff war mit einem innovativen Verankerungssystem ausgestattet und zu 98,9 Prozent fertiggestellt, als die Kündigung am 9. Oktober eintraf. Es war für eine „dock-in feeder“-Lösung konzipiert, die die Sicherheit steigert, indem Offshore-Hebearbeiten minimiert werden. Ergänzt durch zwei Schlepper und Barken von US-Firmen wie Edison Chouest Offshore und Kirby Corporation, hätte es den gesamten Logistikzyklus abgedeckt – von der Montage im Hafen bis zur Installation 25 bis 48 Kilometer vor Long Island.
Der Baustopp: Umwelt als Vorwand, Ideologie als Treiber?
Der Dreh- und Angelpunkt der Krise ist eine Anordnung des US-Innenministeriums vom 16. April 2025: Das BOEM stoppte alle Arbeiten auf dem äußeren Kontinentalschelf, angeblich wegen „nicht ausreichender Umweltanalysen“. Innenminister Doug Burgum (Republikaner) warf der Biden-Regierung vor, das Projekt „übereilt“ genehmigt zu haben, ohne ausreichende Abstimmung mit Behörden. Equinor pausierte den Bau umgehend und prüft rechtliche Schritte, darunter eine Klage. Der Stopp kostete das Projekt den Installationszeitraum 2025 und droht mit Verzögerungen bis über 2027 hinaus.
Kritiker halten die Gründe für vorgeschoben: Trump, ein langjähriger Windkraftgegner, der Turbinen als „hässliche Windräder“ verspottet und sie fälschlich mit Walsterben in Verbindung bringt, erließ am 20. Januar 2025 ein Executive Order. Dieses friert alle neuen Offshore-Wind-Leasen ein und fordert eine „umfassende Überprüfung“ von Genehmigungen – inklusive bestehender Projekte. Seitdem hat die Administration über ein Dutzend Maßnahmen ergriffen: Kündigung von 679 Millionen US-Dollar Fördergeldern für Häfen, Widerruf von Genehmigungen für Projekte wie SouthCoast Wind oder New England Wind und Handelsuntersuchungen gegen importierte Turbinen. Im August stoppte sie sogar den Bau des fast fertigen Revolution Wind vor Rhode Island, was zu täglichen Verlusten von 2,3 Millionen US-Dollar für Ørsted führte.
New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul (Demokratin) nannte den Empire-Stopp „federal overreach“ und versprach, ihn juristisch und politisch zu bekämpfen – inklusive eines Kompromisses, der den Bau im Mai 2025 wieder erlaubte, im Tausch gegen eine Wiederbelebung eines Gas-Pipelines-Projekts. Dennoch bleibt Unsicherheit: Equinor buchte im August eine Abschreibung von 955 Millionen US-Dollar und signalisierte, Empire Wind 2 (1.200 MW) vorerst nicht zu verfolgen.
Maersks Kündigung: Ein Dominoeffekt für die Branche
Die Kündigung des WTIV-Vertrags markiert einen Tiefpunkt. Maersk berief sich auf „Verzögerungen und Bauprobleme“, doch Brancheninsider sehen den wahren Grund im Empire-Stillstand. Seatrium prüft nun rechtliche Schritte gegen Maersk, inklusive Schadensersatz, und sucht Alternativen für das Schiff – etwa mit Equinor. Für Maersk, das trotz schwierigem Marktumfeld seine Prognose im August hob, ist es ein Rückschlag: Das Schiff war Teil einer Strategie, in den US-Markt einzudringen, wo Jones-Act-Vorgaben US-Flaggen-Schiffe fordern.
Der Vorfall unterstreicht die Risiken: Investoren zögern, da Trump-Projekte wie Empire Wind oder Revolution Wind als „elektoral riskant“ gelten. Die US-Offshore-Windbranche, die Tausende Jobs schafft (z. B. 1.000 Gewerkschaftsstellen in New York), steht vor dem Kollaps. Der Oceantic Network warnt: Solche Stopps „send chills across all industries“ und bedrohen Investitionen in Milliardenhöhe. Selbst Ölkonzerne äußern Bedenken, da Präzedenzfälle zukünftige Pipelines gefährden könnten.
Hoffnung durch Gericht: Ørsteds Sieg als Mahnmal
Ein Lichtblick kam im September: Ein Bundesrichter in Washington hob den Stopp für Revolution Wind (704 MW, fast 80 Prozent fertig) auf. Richter Royce Lamberth nannte die Anordnung „arbitrary and capricious“ und fehlte an „factual findings“ zu Sicherheitsrisiken. Ørsted darf nun fortfahren und verspricht, bis 2026 Strom für 350.000 Haushalte in Rhode Island und Connecticut zu liefern. Die Aktie stieg um 12 Prozent – ein Erfolg, der 17 Staaten in ihrer Klage gegen Trumps Order stärkt. Dennoch: Die Administration plant Widerrufe für weitere Projekte, und eine umfassende Überprüfung könnte Jahre dauern.
Ausblick: Branchenkrise und globale Implikationen
Die Kündigung bei Maersk signalisiert, dass selbst etablierte Player den Glauben an US-Windparks verlieren. Equinor wägt Optionen ab, während New York und Nachbarstaaten auf Klagen und Diplomatie setzen. Für Europa, wo Maersk und Ørsted heimisch sind, birgt dies Risiken: Verzögerte US-Projekte belasten Bilanzen und verzögern den globalen Energiewandel – doch unter Trump bleibt die Branche in der Defensive. Bleibt abzuwarten, ob Gerichte oder Midterms die Wende bringen.
Quellen (Linkliste)
- [0] Offshore Wind: Maersk Terminates Seatrium Deal for WTIV Bound for Empire Wind Project in US (10.10.2025) – https://www.offshorewind.biz/2025/10/10/maersk-terminates-seatrium-deal-for-wtiv-bound-for-empire-wind-project-in-us/
- [1] Windpower Monthly: Equinor weighs options as ‚99% complete‘ Empire Wind vessel cancelled (10.10.2025) – https://www.windpowermonthly.com/article/1935660/equinor-weighs-options-99-complete-empire-wind-vessel-cancelled
- [2] Reuters: Maersk cancels $475 million contract for US-bound offshore wind vessel (10.10.2025) – https://www.reuters.com/sustainability/climate-energy/maersk-terminates-475-million-contract-offshore-wind-vessel-2025-10-10/
- [3] Maritime Executive: Seatrium Considers Legal Action After Maersk Terminates Order for WTIV (10.10.2025) – https://maritime-executive.com/article/seatrium-considers-legal-action-after-maersk-terminates-order-for-wtiv
- [4] gCaptain: Maersk Terminates $475 Million Wind Turbine Installation Vessel Contract with Seatrium (10.10.2025) – https://gcaptain.com/maersk-terminates-475-million-wind-turbine-installation-vessel-contract-with-seatrium/
- [10] Offshore Wind: Equinor Freezes Empire Wind 1 Construction, Considers Appealing US Gov’t Order (17.04.2025) – https://www.offshorewind.biz/2025/04/17/equinor-freezes-empire-wind-1-construction-considers-appealing-us-govt-order/
- [15] Offshore Wind: US Interior Dept Orders Halt on Empire Wind 1 Construction (17.04.2025) – https://www.offshorewind.biz/2025/04/17/us-interior-dept-orders-halt-on-empire-wind-1-construction/
- [16] Empire Wind: Equinor suspends offshore construction activities for the Empire Wind project (17.04.2025) – https://www.empirewind.com/2025/04/17/equinor-suspends-offshore-construction-activities-for-the-empire-wind-project/
- [17] BOEM: Empire Wind (10.06.2025) – https://www.boem.gov/renewable-energy/state-activities/empire-wind
- [20] Utility Dive: Trump administration orders a stop to Empire Wind construction (17.04.2025) – https://www.utilitydive.com/news/trump-administration-stops-construction-empire-wind-offshore-new-york/745643/
- [23] Reuters: US lifts ban on New York offshore wind project after natgas pipe compromise (20.05.2025) – https://www.reuters.com/sustainability/climate-energy/equinor-says-us-lifts-stop-work-order-new-york-offshore-wind-farm-2025-05-19/
- [30] New York Times: Judge Says Work on Wind Farm Off Rhode Island Can Proceed, for Now (22.09.2025) – https://www.nytimes.com/2025/09/22/climate/revolution-wind-trump-orsted.html
- [31] CNBC: Trump’s order to halt offshore wind project overturned, Orsted to restart work soon (23.09.2025) – https://www.cnbc.com/2025/09/22/judge-orsted-revolution-wind-trump.html
- [33] Reuters: Orsted court win against Trump lifts wind farm maker’s shares (23.09.2025) – https://www.reuters.com/sustainability/climate-energy/orsted-shares-jump-12-after-us-judge-lifts-trump-ban-revolution-wind-project-2025-09-23/
- [40] Center for American Progress: The Trump Administration and Congress’ Attacks on Wind Power (24.07.2025) – https://www.americanprogress.org/article/the-trump-administration-and-congress-attacks-on-wind-power-are-killing-thousands-of-jobs-and-risk-thousands-more/
- [42] New York Times: White House Orders Agencies to Escalate Fight Against Offshore Wind (03.09.2025) – https://www.nytimes.com/2025/09/03/climate/trump-administration-offshore-wind.html
- [43] PBS News: Trump administration cancels $679 million in funding for offshore wind projects (29.08.2025) – https://www.pbs.org/newshour/politics/trump-administration-cancels-679-million-in-funding-for-offshore-wind-projects

