MRT-Studie zeigt: Frühe Trennung von der Stute schadet dem Fohlen immens

Durch | Februar 5, 2026
Frühe Trennung schadet dem Fohlen immens. Credits: Barnabas Davoti

Französische Forscher haben erstmals mittels MRT-Aufnahmen nachgewiesen, wie stark sich eine frühe Trennung vom Muttertier negativ auf die Entwicklung von Fohlen auswirkt. Wachstum und körperliche Entwicklung sind beeinträchtigt, wichtige Gehirnregionen reifen weniger gut aus, Stressresistenz und soziale Fähigkeiten fallen schwächer aus.

Frühe Trennung schadet dem Fohlen immens. Credits: Barnabas Davoti
Frühe Trennung schadet der Gehirn und körperlicher Entwicklung Credits Barnabas Davoti

Soziale Interaktionen formen bei Nachkommen sowohl die physiologische als auch die Verhaltensentwicklung. Bekannt ist, dass mangelnde Fürsorge oder der frühe Verlust der primären Bezugsperson bei Tieren und Menschen zu langfristig negativen Folgen führt. Auch bei Pferden haben frühere Studien gezeigt, dass ein zu frühes, vom Menschen erzwungenes Absetzen – meist mit sechs Monaten – schädliche Auswirkungen auf die weitere Entwicklung des Fohlens hat.

In der nun vorgelegten Studie am Hauspferd als Modellorganismus untersuchten die Wissenschaftler, wie affiliatives, also bindungs- und näheförderndes Verhalten mit Fokus auf sozialen Anschluss, Nähe und Kooperation die zukünftige Entwicklung der Jungtiere prägt. Dazu setzten sie aufwendige Methoden ein, darunter Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT), um die Entwicklung bestimmter Hirnregionen detailliert zu erfassen.

Die Untersuchung umfasste 24 Pferde, die unter identischen Haltungsbedingungen lebten: in Gemeinschaftsställen mit freiem Zugang zu einem Außengehege. Ziel war es, die Folgen des Verlusts der Bezugsperson auf Gehirnentwicklung und biobehaviorale Pfade bis ins Adoleszenzalter zu prüfen und Verzerrungen durch Sexualhormone, Stress oder emotionale Ansteckung zu minimieren, indem den entwöhnten Tieren eine sozial anregende Umgebung geboten wurde.

Eine Gruppe von zwölf Fohlen (sechs männlich, sechs weiblich) blieb bei ihren Müttern und wurde nicht abgesetzt. Die zweite Gruppe von zwölf Fohlen (ebenfalls sechs männlich, sechs weiblich) wurde zu Beginn des Experiments im Alter von sechs Monaten von den Müttern getrennt. MRT-Daten wurden einen Monat nach dem Absetzen bei beiden Gruppen erhoben, um funktionelle und mikrostrukturelle Unterschiede in der Gehirnentwicklung zu bewerten.

Weitere Verhaltensbeobachtungen erfolgten ein, drei und sieben Monate nach dem Absetzen, bei denen Aktivität, räumliche Nähe, zentrales Verhalten und spontane Verhaltensweisen erfasst wurden. Sieben Monate nach dem Absetzen prüften standardisierte Tests Sozialverhalten und Ängstlichkeit. Zur Beurteilung der physiologischen Entwicklung wurden die Tiere ein, drei und sieben Monate nach dem Absetzen gewogen und Blutproben entnommen, um Werte für basales Cortisol, Oxytocin, Blutzucker, Cholesterin, IGF-1 und Insulin zu messen.

Die Ergebnisse fielen klar und eindrucksvoll aus. Eine verlängerte mütterliche Anwesenheit fördert die Reifung von Hirnregionen, die am Sozialverhalten sowie an der physiologischen Regulation beteiligt sind, insbesondere Hypothalamus und Amygdala. Fohlen, die länger bei der Mutter blieben, zeigten positivere, anpassungsfähigere soziale Verhaltensweisen, mehr Erkundungs- und Ruheverhalten. Diese Vorteile traten trotz gleicher sozial anregender Umgebung auf, was die besondere Rolle der Mutter-Kind-Bindung unterstreicht.

Affiliatives Verhalten spielt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung sozialer Entwicklungspfade. Statistische Modelle zeigten, dass funktionelle Hirnwerte an wichtigen Knotenpunkten durch Interaktionen mit der Bezugsperson positiv beeinflusst werden – Fohlen mit längerer mütterlicher Präsenz profitieren hier deutlich.

Zudem unterstützt die durch die Mutter geförderte Reifung die physiologische Steuerung von Nahrungsaufnahme und Stoffwechsel. Fohlen mit verlängerter mütterlicher Anwesenheit verbrachten weniger Zeit mit Fressen, zeigten aber stärkeres Erkundungs- und Ruheverhalten, nahmen mehr zu und wiesen höhere Triglycerid- und Cholesterinkonzentrationen auf. Das deutet auf bessere Futterverwertung, Stoffwechsel und Energiespeicherung hin und steht im Einklang mit früheren Befunden bei dieser Tierart.

Die Studie betont die zentrale Bedeutung sozialer Interaktionen für die Entwicklung der allostatischen Regulation – der Fähigkeit des Organismus, sich flexibel an chronische Belastungen anzupassen, etwa durch hormonelle Anpassungen bei Stress oder Krankheit. Dieses erworbene System formt sich in der frühen Kindheit und verfeinert sich durch physische und soziale Erfahrungen. Bei Fohlen mit längerer mütterlicher Nähe funktioniert diese Regulation nachweislich besser.

Die Befunde sollten Pferdehaltern und Züchtern zu denken geben. Die Nähe und Bindung zur Mutter, die oft abrupt und zu früh vom Menschen unterbrochen wird, ist für mentale und körperliche Entwicklung des Fohlens entscheidend. Die Mutter ist weit mehr als Nahrungsquelle und Bezugsperson – sie dient als emotionaler Schutz und sicherer Hafen, damit das Fohlen zu einem gesunden, resilienten und anpassungsfähigen Individuum heranreift, das Alltagsbelastungen gut bewältigt. Eine zu frühe Trennung nimmt dem Fohlen in einer kritischen Phase seinen wichtigsten Anker für Sicherheit und Stabilität – mit negativen Konsequenzen, die ein ganzes Pferdeleben andauern können.

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