Lohnen sich Modelle wie Enpal oder 1KOMMA5° („1,5 Grad“) wirtschaftlich für Verbraucher? Ein kritischer Blick

Durch | März 12, 2026

Viele Hausbesitzer träumen von einer eigenen Solaranlage: Stromkosten senken, unabhängiger werden und etwas fürs Klima tun. Unternehmen wie Enpal und 1KOMMA5° (oft als „1,5 Grad“ bezeichnet) machen das scheinbar einfach – mit Modellen, die keine oder nur geringe Anschaffungskosten verlangen. Enpal hat lange das klassische Miet- oder Pachtmodell angeboten (heute noch auf Wunsch), 1KOMMA5° setzt stärker auf Kauf mit Finanzierung und Smart-Tarifen. Aber lohnt sich das wirklich wirtschaftlich? Die Antwort nach aktuellen Analysen von Verbraucherzentrale, Finanztip und unabhängigen Vergleichen: Meist nein – zumindest nicht langfristig. Die Modelle sind bequem, aber teurer als ein klassischer Kauf. Hier die Fakten.

Wie funktionieren die Modelle genau?

Enpal-Mietmodell („Solaranlage mieten“):
Enpal (oder ähnliche Anbieter) installiert die Anlage auf Ihrem Dach – Sie zahlen monatlich eine feste Miete (ab ca. 98 € für kleine Systeme, 140–235 € für eine typische 10-kWp-Anlage mit Speicher). Laufzeit meist 20 Jahre. Inklusive: Planung, Installation, Wartung, Reparaturen, Versicherung und oft ein günstiger Reststromtarif oder Direktvermarktung des Überschusses. Am Ende können Sie die Anlage für 1 € übernehmen. Kein Eigenkapital nötig, alles „Rundum-sorglos“. Enpal hat das reine Mietmodell aber stark zurückgefahren und bewirbt heute stärker „EasyFlex“ (eine flexible Finanzierung ohne Anzahlung).

1KOMMA5°-Ansatz („1,5 Grad“):
Das Unternehmen bietet kein klassisches Mietmodell an und kritisiert es sogar offen. Stattdessen: Kauf der Anlage (oft mit Speicher, Wallbox und smarter Steuerung „Heartbeat“) plus Bankfinanzierung (z. B. über KfW-Kredite). Monatliche Raten ähneln einer Miete, aber nach 10–15 Jahren ist die Anlage abbezahlt und gehört Ihnen. Dazu dynamische Stromtarife, die den Eigenverbrauch optimieren sollen. Das Ziel: Hohe Qualität und Individualität statt Standard-Miete.

Beide versprechen Planungssicherheit und sparen angeblich Tausende Euro – aber die Rechnung hält oft nur unter optimistischen Annahmen (stark steigende Strompreise, hoher Eigenverbrauch).

Die harten Zahlen: Miete vs. Kauf

Hier wird es kritisch. Unabhängige Quellen zeigen klar:

  • Marktpreis für einen Kauf (2026): Eine gute 10-kWp-Anlage mit Speicher kostet 12.000–18.000 € (1.200–1.800 € pro kWp). Mit KfW-Kredit (Zins ab ca. 3–4 %) oder Eigenkapital amortisiert sich das in 10–15 Jahren. Danach produzieren Sie 20+ Jahre fast kostenlosen Strom. Rendite: 3–6 % über 20 Jahre möglich, je nach Dach und Verbrauch. Faustregel von Finanztip: Unter 1.600 €/kWp lohnt fast immer.
  • Miete bei Enpal & Co.: Über 20 Jahre summieren sich die Raten auf 36.000–56.000 € (z. B. 235 €/Monat × 240 Monate = über 56.000 € für eine größere Anlage). Das ist oft doppelt so teuer wie ein Kauf. Die Ersparnis kommt häufig erst nach Vertragsende oder gar nicht – je nach Strompreisentwicklung. Anbieter-Rechner blenden das aus und rechnen mit 3,5 % jährlichem Strompreisanstieg oder hohen Einspeise-Einnahmen.

Verbraucherzentrale warnt explizit: „Mietangebote sind in der Regel durch Finanzierungs- und Servicekosten über die Mietdauer teurer als gekaufte Anlagen.“ Die versprochene Ersparnis tritt oft erst „gegen Ende oder sogar nach Ende des Mietvertrages“ ein.

Zusatzkosten bei Miete:

  • Keine 0-%-MwSt.-Vorteile auf den Service-Teil.
  • Bei Hausverkauf muss der Käufer den Vertrag oft übernehmen (erschwerend).
  • Früher Ausstieg teuer.
  • Speicher-Austausch nach 10–15 Jahren nicht immer inklusive.

Vorteile – wo die Modelle wirklich punkten

  • Null Risiko und Bequemlichkeit: Keine Anzahlung, kein Stress mit Handwerkern, Garantie auf alles. Ideal, wenn Sie wenig Eigenkapital haben oder keine Lust auf Organisation.
  • Zusatzfeatures: Enpal und 1KOMMA5° bieten oft smarte Tarife oder Direktvermarktung (bis zu 2.000 €/Jahr Extra-Einnahmen möglich – aber Garantien oft nur 1–2 Jahre).
  • Für bestimmte Gruppen sinnvoll: Mieter von Dächern, ältere Menschen oder solche mit schlechtem Kredit – falls der Anbieter überhaupt annimmt.

Die Nachteile – warum die meisten besser kaufen

  • Höhere Gesamtkosten: Das ist der Kern der Kritik. Sie finanzieren nicht nur die Anlage, sondern auch den Gewinn des Anbieters plus Service-Marge. Lokale Installateure oder Vergleichsportale (z. B. selfmade-energy.com) bieten oft 30–50 % günstiger.
  • Weniger Flexibilität: 20 Jahre gebunden. Upgrades (neuer Speicher, Wallbox) teurer oder kompliziert. Bei Insolvenz des Anbieters? Risiko bleibt.
  • Schönrechnerei: Viele Kundenberichte und Tests (Chip, Grünes Haus) zeigen: Versprochene Erträge oft überschätzt, reale Anlagenleistung manchmal enttäuschend. Enpal-Preise liegen deutlich über Marktdurchschnitt.
  • 1KOMMA5° selbst warnt: „Mieten ist meist nicht sinnvoll – Sie zahlen doppelt und haben nach 20 Jahren nichts.“

Was ist die bessere Alternative?

  1. Klassischer Kauf + KfW-Kredit 270: Günstige Zinsen, 0 % MwSt., volle Eigentümerschaft.
  2. Mehrere Angebote einholen: Über neutrale Portale – nicht nur bei den großen Playern.
  3. Balkonkraftwerk als Einstieg, wenn Dach nicht passt.
  4. Unabhängige Beratung: Verbraucherzentrale oder HTW-Solarrechner prüfen lassen.

Fazit: Wirtschaftlich lohnen die Modelle selten – Bequemlichkeit hat ihren Preis

Für die meisten Verbraucher mit etwas Eigenkapital oder guter Kreditwürdigkeit ist Kaufen deutlich günstiger und flexibler. Die Miet- und Abo-Modelle von Enpal, 1KOMMA5° & Co. sind marketingstark und serviceorientiert, aber langfristig eine teure Bequemlichkeitslösung. Sie können sich rechnen, wenn Sie wirklich kein Kapital haben oder maximale Sorgenfreiheit wollen – aber nur nach genauer Prüfung des individuellen Angebots und Vergleich mit Kauf-Alternativen.

Tipp: Lassen Sie sich nie unter Druck setzen. Nutzen Sie das 14-tägige Widerrufsrecht und holen Sie immer mindestens drei unabhängige Offerten ein. Photovoltaik lohnt 2026 immer noch – aber am besten selbst gekauft.

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