Warum Buckelwal Timmy nicht untergehen kann – Die Physiologie des Auftriebs bei Buckelwalen

Durch | Mai 2, 2026
Timmy dreht sich zur offenen See. Symbolbild. Credits: Unsplash

Buckelwale wie Timmy sind vollständig an das Leben im Wasser angepasst. Ihr Körper wird durch hydrostatischen Auftrieb getragen, der aus der Kombination von Gewebedichte, Speckschicht (Blubber) und Lungenluft entsteht. Selbst in geschwächtem Zustand – wie bei Timmy nach wochenlanger Strandung, Hautschäden durch salzarmes Ostseewasser und fehlender Nahrungsaufnahme – verhindert diese Physiologie ein unkontrolliertes Absinken und Ertrinken im offenen Meer. Der Wal kann seine Position an der Oberfläche halten oder kontrolliert tauchen, solange er noch minimale Schwimmbewegungen ausführen kann.

Eine zentrale peer-reviewte Studie aus dem Jahr 2018 (Narazaki et al., publiziert in PLOS ONE) hat die Gewebedichte von Buckelwalen (Megaptera novaeangliae) durch Analyse von Gleitphasen bei Tauchgängen gemessen. Die durchschnittliche Gewebedichte beträgt 1031,6 ± 2,1 kg/m³ (95%-Konfidenzintervall: 1029,5–1033,6 kg/m³). Seewasser hat eine Dichte von etwa 1025–1028 kg/m³. Die Gewebe sind damit leicht dichter als Wasser, was eine leichte negative Auftriebsneigung ergibt. Allerdings variiert die Dichte individuell stark (von 1025,2 bis 1043,1 kg/m³) und hängt direkt vom Lipidanteil im Blubber ab: Lipide haben eine Dichte von nur ca. 900,7 kg/m³, während fettfreies Gewebe bei ca. 1114,6 kg/m³ liegt. Höherer Fettgehalt senkt die Gesamtdichte und erhöht den Auftrieb. Schwangere Weibchen und gut genährte Tiere erreichen die niedrigsten Dichtewerte (z. B. 1026,5 kg/m³). Im Laufe der Fütterungssaison nimmt die Dichte bei einzelnen Tieren messbar ab, weil Lipide eingelagert werden.

Die Lunge spielt eine zusätzliche Rolle: Durch Ein- und Ausatmen sowie Kompression der Luft bei zunehmender Tiefe können Buckelwale ihren Auftrieb aktiv anpassen. Neuere Verhaltensdaten (Ratsimbazafindranahaka et al., 2025, Journal of Experimental Biology) zeigen, dass adulte Buckelwale bei flachen Tauchgängen Buoyancy gezielt steuern – ohne ausschließliche Abhängigkeit von passiver Lungenkompression. Sie nutzen dies, um energieeffizient zu gleiten oder aufzusteigen. Im flachen Ostseewasser (oft unter 2 m Tiefe) fehlte Timmy dieser volle hydrostatische Auftrieb: Das eigene Körpergewicht drückte auf Brustkorb, Lunge und Organe, was Atmung erschwerte und zu Erschöpfung führte. Im offenen Nordsee- oder Atlantikwasser hingegen wirkt der Auftrieb wieder voll, sodass der Wal – auch geschwächt – nicht „wie ein Stein“ absinkt, solange er den Blasloch über Wasser halten kann.

Zusammengefasst: Timmy kann nicht einfach untergehen, weil seine Speckschicht die Gewebedichte stark reduziert, die Lunge variablen Auftrieb erzeugt und aktive Schwimmbewegungen (auch minimale) die Position stabilisieren. Dies ist eine artspezifische Anpassung aller Cetaceen und erklärt, warum selbst kranke oder unterernährte Buckelwale im tiefen Wasser oft lange an der Oberfläche bleiben können.

Verifizierte Quellen (peer-reviewte Studien, direkt abrufbar):

  • Narazaki, T. et al. (2018). Body density of humpback whales (Megaptera novaeangliae) in feeding aggregations estimated from hydrodynamic gliding performance. PLOS ONE 13(7): e0200287. https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0200287 (auch PMC: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6042725/)
  • Ratsimbazafindranahaka, M. N. et al. (2025). Behavioral data suggest adaptive buoyancy control during shallow dives in humpback whales. Journal of Experimental Biology 228(8): jeb249936. https://journals.biologists.com/jeb/article/228/8/jeb249936/367768 (PDF: https://journals.biologists.com/jeb/article-pdf/228/8/jeb249936/3645560/jeb249936.pdf)

Diese Studien basieren auf hochauflösenden Tag-Daten (Beschleunigung, Tiefe, Geschwindigkeit) von frei schwimmenden Buckelwalen und liefern die exakten physikalischen Messwerte zur Dichte und Auftriebskontrolle. Sie gelten unabhängig vom Einzelfall Timmy für die Art.

Timmy dreht sich zur offenen See. Symbolbild. Credits: Unsplash
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