Berlin (Labnews Media LLC) – Das Hantavirus bleibt in Deutschland und weiten Teilen Europas eine saisonale Bedrohung. Die Fallzahlen schwanken stark von Jahr zu Jahr, werden jedoch durch den Klimawandel zunehmend beeinflusst. Milde Winter, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Mastjahre bei Bäumen fördern die Vermehrung von Nagetieren wie der Rötelmaus, dem Hauptüberträger des Puumala-Virus in Mitteleuropa.
Aktuell zeigt die Prognose des Umweltbundesamtes (UBA) für 2026 ein insgesamt moderates Risiko in den klassischen Verbreitungsgebieten im Westen und Südwesten Deutschlands. Bis Mitte Mai 2026 wurden bundesweit erst rund 52 Fälle gemeldet – deutlich weniger als in den Vorjahren (2023: 372, 2024: 464, 2025: 315). Dennoch warnen Experten vor regionalen Häufungen, insbesondere in waldreichen Regionen.
Der Klimawandel verstärkt das Risiko langfristig: Höhere Temperaturen im Herbst und Winter führen zu besseren Überlebensbedingungen für Nagetiere und zu einer häufigeren Mast (Überproduktion von Bucheckern, Eicheln etc.), was die Populationen explosionsartig ansteigen lässt. Studien belegen, dass solche Mastjahre eng mit Hantavirus-Ausbrüchen korrelieren. In Belgien und Deutschland hat sich der Zyklus von Mastjahren bereits von drei auf zwei Jahre verkürzt.
In Europa ist das Hantavirus vor allem durch das Puumala-Virus vertreten, das ein hämorrhagisches Fieber mit Nierensyndrom (HFRS) auslöst. Schwerere Formen wie das Hantavirus-Pulmonale Syndrom (HPS) sind in Europa selten, kommen aber durch importierte Stämme gelegentlich vor.
Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Einatmen von virushaltigem Staub aus Kot, Urin oder Speichel infizierter Nagetiere. Besonders gefährdet sind Forstarbeiter, Landwirte und Personen, die in Waldgebieten oder Scheunen arbeiten.
Experten raten zu einfachen Vorsichtsmaßnahmen: Schutzkleidung bei Arbeiten in potenziell kontaminierten Bereichen, gründliches Lüften und feuchtes Aufwischen statt Kehren. Eine spezifische Impfung oder antivirale Therapie existiert derzeit nicht.
Die aktuelle Entwicklung unterstreicht, dass der Klimawandel nicht nur Extremwetter, sondern auch die Ausbreitung von Infektionskrankheiten beeinflusst. Langfristig könnten Hantavirus-Infektionen in Mitteleuropa häufiger und in neuen Regionen auftreten.

