
Weißstörche, die auf Mülldeponien Nahrung suchen, profitieren zwar von einer ganzjährig verfügbaren, energiearmen Futterquelle. Vorläufige Ergebnisse einer internationalen Studie deuten jedoch auf gesundheitliche Nachteile hin – darunter erhöhten oxidativen Stress und früh auftretende DNA-Schäden.
Die zunehmende Abfallproduktion schafft neue Nahrungsquellen für Wildtiere. Während Weißstörche in Westeuropa schon seit den 1980er Jahren auf Deponien fressen, ist dieses Verhalten in Osteuropa erst seit etwa zehn Jahren stärker verbreitet. Ein internationales Team aus Österreich, Deutschland und Polen untersucht eine polnische Population, die traditionell nach Afrika zieht.
Störche auf Deponien nehmen neben Essensresten, Insekten und Kleinsäugern auch Plastik, Drähte, Glas und Schwermetalle auf. Die zuverlässige Nahrungsquelle ermöglicht es ihnen, weniger Zeit mit der Futtersuche zu verbringen und mehr Energie in die Brutaufzucht zu investieren – besonders in der Mitte der Brutsaison, wenn der Bedarf der Nestlinge hoch ist.
Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass Deponie-Störche eine höhere Körpermasse und größere Energiereserven aufweisen als Tiere, die natürliche Beute jagen. Gleichzeitig treten jedoch Anzeichen von DNA-Schäden bereits im Alter von etwa einer Woche auf – deutlich früher als erwartet.
„Wir haben DNA-Schäden erst am Ende der Nestlingszeit erwartet. Stattdessen zeigen sich Unterschiede schon in sehr frühem Alter“, sagte Anustup Bandyopadhyay, Doktorand an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.
Die Forscher analysieren Hormone, oxidativen Stress und mitochondriale Funktion, um die physiologischen Auswirkungen unterschiedlicher Ernährungsstrategien zu erfassen. Zudem wird der Einfluss auf Wanderungsverhalten untersucht. In anderen Populationen, etwa auf der Iberischen Halbinsel, haben Deponien bereits zu einer Verringerung oder Aufgabe des Zugverhaltens geführt.
Die Studie, die auf der Konferenz der Society for Experimental Biology in Florenz vorgestellt wurde, beleuchtet den Trade-off zwischen kurzfristigen Vorteilen und möglichen langfristigen Risiken für Gesundheit und Fitness der Vögel durch menschliche Verstädterung.

Credits
Anustup Bandyopadhyay

