Hummeln sammeln selbst in derselben Umgebung bis zu siebenmal mehr giftige Schwermetalle als Honigbienen. Das hat eine Studie der University of Cambridge ergeben. Die Belastung kann die Futtersuche, die Navigation und die Fortpflanzung der Insekten beeinträchtigen.
Metallverschmutzung ist ein weit verbreitetes Problem, das vor allem in der Nähe von Industrieanlagen, Bergbaugebieten und Städten auftritt, aber auch in ländliche Regionen gelangt – etwa durch Luftverfrachtung, Klärschlamm oder Düngemittel. Beim Sammeln von Pollen und Nektar nehmen Bienen die Metalle über kontaminierten Boden, Staub und Pollen auf. Selbst niedrige Konzentrationen können lern- und gedächtnisbeeinträchtigend wirken und die Fortpflanzung reduzieren.
Bisher wurden Honigbienen häufig als Indikator für Umweltbelastungen genutzt. Die neue Untersuchung, die im Fachjournal Ecological Entomology erschienen ist, zeigt jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Arten. Hummeln erwiesen sich dabei als besonders anfällig.
Die Forscher der Zoologischen Abteilung der University of Cambridge analysierten Pollenproben und die Körper von adulten Bienen aus benachbarten Völkern in Cambridgeshire – einer Region mit vergleichsweise geringer Bodenbelastung. Obwohl beide Arten im selben Gebiet sammelten, wiesen die Pollen der Hummeln zwei- bis siebenmal höhere Schwermetallkonzentrationen auf als die der Honigbienen. In den Körpern der Hummeln lag die Belastung etwa dreimal höher.
„Die meisten gemessenen Metallwerte waren nicht hoch genug, um Bienen direkt zu töten. Aber schon niedrige Konzentrationen können die Gesundheit der Völker auf subtile, aber bedeutsame Weise schädigen – etwa bei der Futtersuche und der Fortpflanzung“, erklärte Dr. Sarah Scott, die die Studie an der University of Cambridge durchführte und inzwischen an der Newcastle University arbeitet.
Die Unterschiede erklären die Wissenschaftler mit Verhaltens- und physiologischen Faktoren: Honigbienen leben in großen oberirdischen Völkern und fliegen bis zu zehn Kilometer weit. Hummeln nisten im Boden, haben deutlich kleinere Völker und sammeln in der Regel nur in einem Umkreis von 1,5 Kilometern. Zudem sind Hummeln stärker behaart und nehmen daher mehr Staub und Partikel auf. Sie besuchen zudem oft weniger Pflanzenarten, sodass eine Verdünnung von Kontaminationen seltener erfolgt.
„Selbst in Gebieten, die wir üblicherweise als sicher einstufen, können Bienen giftige Metalle aufnehmen“, ergänzte Studienleiterin Professor Lynn Dicks von der University of Cambridge. Der Verlust einzelner Individuen wirke sich bei den kleineren Hummelkolonien besonders stark aus.
Die Studie unterstreicht, dass verschiedene Bienenarten unterschiedlich stark auf Umweltbelastungen reagieren. Für den Schutz der Bestäuber seien daher artspezifische Betrachtungen notwendig. Die Forscher ermutigen dennoch zum Anpflanzen von Blühpflanzen, da Nahrungsquellen für die Insekten unverzichtbar blieben.

