
Edinburgh – Die Methan-Emissionen aus Sibirien haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt und steigen jährlich um rund fünf Prozent. Die sommerlichen Emissionen liegen inzwischen mehr als doppelt so hoch wie 2010. Das zeigt eine international besetzte Studie unter Beteiligung britischer Forschender des National Centre for Earth Observation (NCEO) an der University of Edinburgh, die in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde.
Ursachen sind die rasche Erwärmung der Arktis – fast viermal so schnell wie im globalen Mittel –, zunehmende Wildfeuer und veränderte Feuchtgebietsaktivität in Permafrostregionen. In Westsibirien führen mildere Winter und frühere Schneeschmelze zu feuchteren, aufgetauten Böden, die mehr Methan freisetzen. In Ostsibirien begünstigen anhaltend heiße und trockene Bedingungen die Erwärmung und Austrocknung des Bodens sowie intensivere Wildfeuer seit 2019. Die Feuer setzen Methan direkt frei und beschleunigen das Auftauen des Permafrosts.
Sibirien birgt fast die Hälfte des nordhemisphärischen Permafrosts. Der arktische Permafrost speichert rund 1.700 Milliarden Tonnen Kohlenstoff – etwa das Doppelte der derzeitigen atmosphärischen Menge. Methan wirkt über 100 Jahre mehr als 25-mal so stark wärmend wie Kohlendioxid. Die Forschenden analysierten Satelliten- und Atmosphärendaten von 2010 bis 2023, darunter Messungen des japanischen GOSAT-Satelliten, Bodenbeobachtungen und Modellrechnungen.
Bis 2050 könnten die Emissionen um weitere bis zu 25 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. Die Entwicklung droht globale Klimaziele zu erschweren und unterstreicht die Notwendigkeit rascherer Emissionsminderungen. Die Studie wurde vom NCEO über den britischen Forschungsrat NERC gefördert.

Credits
Professor Paul Palmer Universität Edinburgh

