Foto des Tages: „Pflege“ eines Obstbaumstreifens der Fa. Rigips

Durch | Oktober 1, 2026
So sollte keine Mahd erfolgen. Credits: pugnalom

KOMMENTAR Das Foto zeigt einen Obstbaumstreifen zwischen Osterode am Harz und Förste, der als sogenannte Ersatzmaßnahme der Firma Rigips, Tochter des französischen Konzerns Saint Gobain, für den erweiterten Tagebau im Biodiversitätshotspot Gipskarstlandschaft angelegt wurde. Es dokumentiert keine naturverträgliche Pflege, sondern eine flächige Zerstörung: Unter den Obstbäumen wurde die gesamte Grünfläche mit Kreiselmähern derart tief bearbeitet, dass nicht nur die Vegetation, sondern auch die oberste Bodenschicht erfasst und gehäckselt wurde. Zurück blieb ein vollständig vertrockneter Mulm. Dieses Vorgehen betrifft die komplette Fläche: rund 14.000 Quadratmeter.

So sollte keine Mahd erfolgen. Credits: pugnalom
So sollte keine Mahd erfolgen Credits pugnalom

Damit wurde der Lebensraum am Boden in einem Arbeitsgang beseitigt. Kreisel- und Trommelmähwerke verursachen wegen ihrer hohen Drehzahl und Sogwirkung besonders große Schäden an Tieren und Pflanzen. Insekten, Spinnen, Larven, Amphibien und Kleinsäuger konnten den schnell rotierenden Messern und der Sogwirkung der Geräte kaum entkommen; zugleich verschwanden Blüten, Samenstände, Deckung und Überwinterungsstrukturen. Fachstellen empfehlen für Feldraine und artenreiche Wiesen eine Schnitthöhe von mindestens zehn Zentimetern, weil bei tiefer Mahd deutlich mehr Kleinlebewesen sterben.

Eine solche Behandlung verdient deshalb nicht den beschönigenden Begriff „Pflege“. Sie verwandelt eine potenziell artenreiche Fläche in eine strukturfreie, tote Zone und unterbricht Nahrungsketten ebenso wie Rückzugs- und Fortpflanzungsmöglichkeiten.

Naturverträglicher würde eine Mahd nur beim Einsatz eines Messerbalken- oder Doppelmähwerks und geringerer Fahrgeschwindigkeit. Anders als ein Kreiselmäher häckselt ein Balkenmäher die Vegetation nicht und erzeugt keine vergleichbare Sogwirkung; er schneidet das Grün sauber ab. Fachstellen empfehlen zudem eine Schnitthöhe von mindestens 10, besser 10 bis 15 Zentimetern.

Entscheidend wäre außerdem eine abschnittsweise Streifen- oder Mosaikmahd. Dabei bleiben etwa 10 bis 20 Prozent der Fläche als Altgrasstreifen stehen und werden erst später oder im Folgejahr gemäht. So behalten Insekten, Spinnen, Amphibien und Kleinsäuger Rückzugs- und Überwinterungsräume. Die Mahd sollte langsam, bei geeigneter Witterung und möglichst von innen nach außen oder auf ungemähte Streifen zu erfolgen, damit Tiere ausweichen können.

Auch sollte das Schnittgut einige Tage liegen bleiben, damit Tiere entkommen und Samen ausfallen können. Zwingend notwendig ist das anschließende Abräumen, um einer Überdüngung der Fläche entgegenzuwirken.

Auf artenreichen Flächen genügt ein einziger später Schnitt pro Jahr. Da es sich hier allerdings um eine Fläche mit stärkerem Aufwuchs handelt, sollte zweimal gemäht werden.

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