Bergbau bedroht Umwelt in Namibia: Neue Abbaurechte und dokumentierte Risiken

Durch | August 7, 2026
A herd of elephants walking away across a dry grassland under a clear blue sky, seen from behind.

Die namibische Regierung hat am 28. Juli 2026 im Kabinett die „National Policy on Prospecting and Mining in Protected Areas, Other Areas with High-Value Species and Environmentally Sensitive Areas“ verabschiedet. Die Politik soll integrierte und nachhaltige Prospektion sowie Bergbau fördern, um Wirtschaftswachstum zu unterstützen, zugleich aber die Integrität von Ökosystemen und natürlichen Ressourcen zu wahren und die Degradation ökologisch, sozial oder kulturell besonders sensibler Gebiete zu vermeiden. Sie umfasst Nationalparks, kommunale Conservancies, Community Forests, Game Farms und weitere ökologisch wertvolle oder schutzbedürftige Flächen.

Gleichzeitig belegen die Zahlen zur Lizenzvergabe ein klares Ungleichgewicht: Zwischen 2005 und 2025 wurden rund 14 887 Prospektionslizenzen (non-exclusive und exclusive) erteilt, doch nur 69 Mining Licences. Im Jahr 2025 kamen lediglich fünf Mining Licences hinzu (nach zwei im Vorjahr). Die Vergabe neuer Lizenzen unterliegt seit 2024/2025 einer weitgehenden Überprüfung und Zurückhaltung; der Fokus liegt auf der Leistungsbewertung bestehender Rechteinhaber, bevor weitere Flächen freigegeben werden.

Dokumentierte Umweltkonflikte

Mehrere laufende oder geplante Vorhaben zeigen konkrete Gefährdungspotenziale. Im Stampriet-Aquifer (Omaheke-Region, Leonardville) plant Headspring Investments (mit Verbindungen zu Rosatom) Uran-Exploration mit dem Ziel der In-situ-Leaching-Gewinnung. Dabei werden chemische Lösungen in den Sandstein-Aquifer gepumpt, um Uran zu lösen. Der Aquifer erstreckt sich über etwa 6,5 Millionen Hektar und versorgt Landwirtschaft, Farmen und Siedlungen in Namibia, Botswana und Südafrika. Ehemalige Landwirtschaftsminister und Umweltexperten haben wiederholt auf die Gefahr dauerhafter Grundwasserverschmutzung hingewiesen; die Methode gilt nach dem Water Resources Management Act 2013 als problematisch, wenn sie Trink- oder Nutzwasserressourcen berührt. Bislang ist nur Exploration unter Exclusive Prospecting Licences genehmigt, keine Mining Licence und kein Test-Mining. Parlament und Teile der Regierung haben die Fortsetzung der Exploration unter bestehenden Bedingungen unterstützt, während Umwelt- und Landwirtschaftsstellen Sicherheitsbedenken äußern und Datenlücken betonen.

In der Kunene-Region sind Mining Claims und Aktivitäten in oder nahe Habitaten des bedrohten Spitzmaulnashorns (black rhino) dokumentiert, unter anderem in Conservancies wie Doro !Nawas und Uibasen Twyfelfontein. Gerichte haben einstweilige Verfügungen gegen Spreng- und Maschinenarbeiten erlassen und auf die verfassungsrechtliche Verankerung des Umweltschutzes (Artikel 95) sowie die Notwendigkeit gültiger Environmental Clearance Certificates (ECC) verwiesen. Der Environmental Commissioner hat in Einzelfällen Clearances aufrechterhalten, zugleich aber Auflagen zur Straßenanpassung und Einhaltung von Bedingungen erteilt. Tourismusbetreiber und Conservancies berichten von Konflikten um Lebensraum und Einkommensquellen.

Weitere Fälle betreffen mutmaßlich illegale oder unzureichend genehmigte Aktivitäten, etwa Mica-Abbau im Dorob National Park, sowie generelle Herausforderungen bei der Durchsetzung. Alle Prospektions- und Bergbauaktivitäten unterliegen dem Environmental Management Act 7 of 2007: Ein ECC ist obligatorisch und setzt in der Regel eine Environmental Impact Assessment (EIA) mit Management Plan und öffentlicher Konsultation voraus. Die Koordination zwischen dem Ministry of Mines and Energy und dem Ministry of Environment, Forestry and Tourism wird in Berichten und parlamentarischen Prüfungen als verbesserungswürdig beschrieben.

Wasser, Biodiversität und Wirtschaft

Namibia ist arides Land. Der Bergbau (Uran, Diamanten, Gold, zunehmend kritische Minerale wie Seltene Erden, Lithium, Graphit) trägt wesentlich zu Exporten und Beschäftigung bei. Gleichzeitig erfordern bestehende und geplante Betriebe erhebliche Wassermengen; Desalinierungsprojekte in der Erongo-Region (u. a. mit Beteiligung von Swakop Uranium) werden ausdrücklich mit der Sicherung der Bergbauwasserversorgung begründet. Seltene-Erden- und andere Critical-Minerals-Projekte unterliegen denselben ECC-Anforderungen und bergen erhöhte ESG-Risiken (Abfallmanagement, Landschaftseingriffe, Gemeinschaftsauswirkungen).

Die verabschiedete Politik und das ausstehende Minerals Bill (mit geplanten Regelungen zu Mine Closure, Rehabilitation, lokalem Eigentum und Value Addition) zielen auf strengere Rahmenbedingungen. Die tatsächliche Wirksamkeit hängt jedoch von der Durchsetzung ab: Monitoring, Transparenz der EIA-Verfahren, Koordination der Behörden und konsequente Einhaltung von Auflagen. Die Faktenlage zeigt, dass Namibia mineralische Ressourcen und sensible Ökosysteme gleichzeitig besitzt – und dass die Vergabe neuer Rechte und die Fortsetzung bestehender Explorationen diese Spannung konkret sichtbar machen. Ohne nachweisbare, strenge Kontrolle der dokumentierten Risiken bleibt die Balance zwischen wirtschaftlichem Nutzen und langfristiger Umweltintegrität prekär.

Herd of elephants walking away in a dry grassland under a clear blue sky.
Bergbau bedroht Umwelt in Namibia Neue Abbaurechte und dokumentierte Risiken Symbolbild Credits Unsplash
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