Studie: Verlust von Algenwäldern macht Aufforstung als CO2-Speicher zunichte

Durch | September 8, 2026
Underwater scene of a vibrant kelp forest and colorful coral reef with small fish swimming among seaweed between sunlit blue waters.

PERTH Die klimabedingte Zerstörung von Algenwäldern schreitet weltweit so schnell voran, dass sie die Erfolge künstlicher Aufforstungsprojekte massiv überholt und Makroalgen als Methode zur CO2-Einspeicherung infrage stellt.

Wie ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der University of Western Australia am Dienstag im Fachjournal PLOS Biology berichtete, sind die prognostizierten Verluste natürlicher Algenvorkommen um mehrere Größenordnungen höher als die Flächen, die bislang mühsam wiederaufgeforstet werden konnten. Die Idee, Algenwälder im großen Stil als natürliche Klimalösung (Natural Climate Solution) anzupflanzen, liefert den Autoren zufolge eine trügerische Hoffnung.

Riesige Verluste bis 2050 prognostiziert

Natürliche Ökosysteme binden erhebliche Mengen an Treibhausgasen. Seetangwälder – insbesondere Kelp, das am weitesten verbreitete und produktivste Algenökosystem – transportieren CO2 hocheffizient in die Tiefsee. Die globale Erwärmung zerstört diese Lebensräume jedoch rasant.

Die Forscher analysierten weltweite Daten zu Gewinnen und Verlusten von Algenbiotopen. Schätzungen zufolge werden bis zum Jahr 2050 rund 25 Millionen Hektar wilder Kelpwälder dem Klimawandel zum Opfer fallen. Das entspricht mehr als dem 6000-Fachen der Fläche, die seit 1958 weltweit durch Renaturierungsprojekte wiederhergestellt wurde.

Milliardenkosten für Tropfen auf den heißen Stein

Durch das Sterben der Algen geht der Erde eine natürliche CO2-Speicherkapazität von 1,5 bis 30 Millionen Tonnen pro Jahr verloren. Dieser Verlust ist zwischen 1000 und 10.000 Mal größer als die jährliche Kohlenstoffmenge, die durch alle bisherigen künstlichen Algen-Ansiedlungen gebunden wird.

Großprojekte wie in Norwegen oder Kalifornien erforderten immense Investitionen an Zeit und Geld. Um den klimabedingten Rückgang der Wildbestände komplett auszugleichen, wären zehntausende zusätzliche Projekte nötig. Die Kosten dafür würden sich auf dutzende oder gar hunderte Milliarden US-Dollar belaufen.

Schutz bestehender Habitate ist effektiver

„Wir müssen realistisch sein, was die Bekämpfung des Klimawandels durch CO2-Entnahme angeht“, warnen die Hauptautorin Karen Filbee-Dexter und ihre Kollegen. Die Fixierung auf das Anpflanzen neuer Algenwälder lenke den Naturschutz davon ab, bedrohte natürliche Lebensräume konsequent zu schützen.

Dabei sei die bloße Verhinderung von Habitatverlusten die weitaus billigere und effektivere Strategie. Zudem bestehe die Gefahr, dass das vermeintliche Allheilmittel Algenzucht als Ausrede genutzt wird, um den notwendigen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen weiter zu verzögern.

Underwater scene of a vibrant kelp forest and colorful coral reef with small fish swimming among seaweed between sunlit blue waters.
Symbolbild Credits LabNews Media LLC
Autoren-Avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände

Schreibe einen Kommentar