Utrecht/Darmstadt – Die europäische Wetterorganisation Eumetsat hat einen Prototyp freigeschaltet, der monatliche Abweichungen vom 30-Jahres-Mittel 1991–2020 als Karten, Kurven und Download zeigt. Vorgestellt wurde der Dienst Climate Anomalies and Normals auf der Jahrestagung der European Meteorological Society in Utrecht. Zugang: can.eumetsat.int.
Verglichen werden zunächst Sonneneinstrahlung, Sonnenscheindauer, Bodenfeuchte im obersten Meter und Meereiskonzentration. Die Reihen reichen in die frühen 1980er Jahre zurück und stammen aus den Climate Data Records der Satellite Application Facilities. Innerhalb weniger Tage nach Monatsende sollen neue Karten vorliegen.
Als Anlass nennt Eumetsat ungewöhnliche Bedingungen in Teilen Europas im Sommer 2026 und den Bedarf, Extremlage und räumliche Ausdehnung rasch gegen die Klimatologie zu halten. Auswertungen sind für Staaten, Klimaregionen oder selbst gezeichnete Gebiete möglich; Projektionen decken Europa, Afrika und Polarregionen ab. Geplant sind unter anderem Landoberflächentemperatur, Niederschlag und Ozon.
Der Dienst ergänzt den Copernicus Climate Change Service (C3S) des ECMWF, der Eumetsat-Daten bereits nutzt. Er ersetzt weder nationale Wetterdienste noch Extremwertstatistiken für einzelne Stürme. Als Prototyp soll er nach Nutzerfeedback ausgebaut und später betrieblich verstetigt werden. Rob Roebeling und Christine Träger-Chatterjee (Eumetsat) sowie Carlo Buontempo (C3S/ECMWF) betonten Kalibrierung, Reprozessierung und freie Nachnutzung. Eine App für den Alltag ist das nicht; es ist ein Sichtfenster auf das Satellitenklimaarchiv.

