Das für das ostasiatische Wetter entscheidende Hochdrucksystem weitet sich durch die Erderwärmung massiv aus und erhöht das Risiko für langanhaltende Rekord-Hitzewellen und Sturzfluten. Forschende der China University of Geosciences (Wuhan) und der National University of Defense Technology haben mittels moderner Klimamodelle prognostiziert, dass das Westpazifische Subtropenhoch (WPSH) künftig häufiger extreme Ausmaße annehmen wird. Durch eine neu entwickelte physikalische Definition gelang es dem Team erstmals, widersprüchliche Trends früherer Studien zu korrigieren und die tatsächliche Dynamik des Wettersystems unter dem Einfluss des anthropogenen Klimawandels präzise abzubilden. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal National Science Review veröffentlicht.
Neue Methodik bereinigt Verzerrungen durch Erderwärmung
Das WPSH steuert als zentraler Motor das ostasiatische Sommermonsunsystem. Seine Intensität und geografische Lage bestimmen maßgeblich die Temperaturen und Niederschläge in der gesamten Region. In der Meteorologie wurde das Hochdruckgebiet bislang traditionell über eine feste geopotentielle Höhe definiert. Diese klassische Methode führte in der Klimaforschung jedoch zunehmend zu ungenauen Vorhersagen: Da sich die Trophosphäre durch die globale Erderwärmung ausdehnt und verdickt, täuschten die Modelle oft eine atmosphärische Stärkung vor, die physikalisch so nicht existierte.
Um diese methodische Schwachstelle zu beheben, entwickelten die chinesischen Wissenschaftler einen neuen Index. Dieser basiert auf der gemeinsamen Wahrscheinlichkeitsverteilungshäufigkeit (Joint Probability Distribution Frequency, JPDF) von geopotentieller Höhe und vertikaler Windgeschwindigkeit. Indem die Grenze des Hochdruckgebiets direkt an seine charakteristische, absinkende Luftbewegung (Subsidenz) gekoppelt wird, filtert das JPDF-Verfahren die rein temperaturbedingte Ausdehnung der Luftsäule heraus. Dadurch bleibt die direkte physikalische Verknüpfung des Hochs mit realen Wetteranomalien am Boden fehlerfrei erhalten.
Prognose: Häufigere, intensivere und ausgedehntere Extremwetter
Die Anwendung des neuen Verfahrens auf die Zukunftsprojektionen der CMIP6-Klimamodelle lieferte robuste und konsistente Ergebnisse, insbesondere unter mittleren und hohen Treibhausgas-Emissionsszenarien. Demnach wird das Westpazifische Subtropenhoch im Zuge der fortschreitenden Erderwärmung sowohl an Fläche als auch an Intensität signifikant zunehmen. Die Grenze des Systems verschiebt sich dabei schrittweise nach Nordwesten und dehnt sich weitaus stärker als bisher über den ostasiatischen Landmassen aus.
Für die betroffenen Regionen auf dem Festland hat diese meteorologische Verschiebung gravierende Konsequenzen auf synoptischer Ebene:
- Rekord-Hitzewellen: Starke WPSH-Ereignisse werden laut den Berechnungen häufiger auftreten, intensiver ausfallen und über längere Zeiträume stabil bleiben.
- Persistente Wetterlagen: Das Hochdrucksystem neigt künftig verstärkt dazu, sich weit landeinwärts vorzuschieben und mit anderen großräumigen Hochdruckgebieten über Eurasien zu verschmelzen. Dies blockiert den atmosphärischen Austausch und führt zu extremen, wochenlangen Hitzeperioden.
- Intensiver Monsunregen: Gleichzeitig verstärkt die veränderte Dynamik an den Rändern des Hochs die Aufwärtsbewegungen der Luftmassen, was das Risiko für sintflutartige Monsunniederschläge und großflächige Überschwemmungen drastisch erhöht.
Die Studienautoren betonen, dass das neu etablierte physikalische Framework eine verlässlichere Grundlage bietet, um extreme Wetterereignisse präziser den menschengemachten Klimafaktoren zuzuordnen. Zudem liefert es wichtige Daten für die Evaluierung zukünftiger Klimamodelle und die strategische Bewertung von Klimarisiken im ostasiatischen Raum.
Die wissenschaftliche Arbeit ist unter der DOI 10.1093/nsr/nwag497 im Fachjournal National Science Review dokumentiert.

