In den Nebelwäldern der Dominikanischen Republik ist eine neue Schnellkäferart entdeckt und wissenschaftlich beschrieben worden. Lissomus arawak wurde nach den Arawak benannt, die vor der europäischen Kolonialisierung zu den indigenen Bevölkerungsgruppen der Karibikinsel Hispaniola gehörten.
Der weniger als einen Zentimeter große Käfer besitzt einen glänzenden, hochgewölbten und nahezu unbehaarten schwarzen Körper. Auffällig sind außerdem seine hellgelben Fühlerglieder. Die Art ist bislang nur von fünf Exemplaren bekannt. Alle Tiere sind weiblich und wurden zwischen 1985 und 2024 einzeln gesammelt.
Die Beschreibung von Lissomus arawak ist in der Open-Access-Zeitschrift Alpine Entomology erschienen. Verfasst wurde die Studie von Paul J. Johnson von der South Dakota State University und Jiri Hodecek vom Schweizerischen Institut für Forensische Taphonomie. Die Untersuchung entstand im Rahmen eines langfristigen Projekts zur Erforschung der Insektenwelt der Dominikanischen Republik.
Die Käfer wurden an drei Standorten in Berglaub- und Nebelwäldern auf einer Höhe von etwa 600 bis 700 Metern gefunden. Die Fundorte liegen in der Nähe der Sierra de Bahoruco und in der Cordillera Septentrional.
Lissomus arawak ist die dritte bisher bekannte Art der Gattung Lissomus auf Hispaniola. Zugleich handelt es sich um die dritte Art dieser Gattung, die überhaupt auf den Großen Antillen nachgewiesen wurde. Nach Angaben der Forschenden ähnelt die neue Art nicht unmittelbar den beiden bereits von Hispaniola bekannten Lissomus-Arten. Ihre morphologischen Merkmale weisen vielmehr auf eine größere Nähe zu Arten aus Mittel- und Nord-Südamerika hin.
Aus diesen Unterschieden leiten die Forschenden die Hypothese ab, dass die Lissomus-Arten Hispaniolas möglicherweise nicht auf eine einzige Besiedlungswelle zurückgehen. Vorfahren der Käfer könnten die Großen Antillen demnach mindestens zweimal unabhängig voneinander erreicht haben. Die Autoren betonen jedoch, dass es sich dabei bislang um eine überprüfbare Hypothese und nicht um eine bewiesene Evolutionsgeschichte handelt. Für eine zuverlässige Einordnung seien umfassendere phylogenetische Untersuchungen erforderlich.
Die geringe Zahl der bekannten Exemplare stellt die Eigenständigkeit der Art nach Ansicht der Forschenden nicht grundsätzlich infrage. Alle fünf Weibchen weisen demnach dieselbe ungewöhnliche Kombination morphologischer Merkmale auf. Dass bislang ausschließlich weibliche Tiere gefunden wurden, könne dagegen auch mit Zufall und der jeweiligen Sammelmethode zusammenhängen.
Der Artname ist bewusst als Hinweis auf die indigene Geschichte Hispaniolas gewählt worden. Mit „arawak“ wollten die Forschenden die Geschichte der Ureinwohner und das fortbestehende kulturelle Erbe der Antillen würdigen. Zugleich soll der Name die biologische Geschichte der Insel mit ihrer menschlichen Geschichte verbinden.
Die Beschreibung des Käfers ist Teil des Projekts EntomoDR. Durch wiederholte Expeditionen und die Zusammenarbeit mit einem internationalen Netzwerk von Taxonomiespezialisten soll die noch unvollständig dokumentierte Insektenvielfalt der Dominikanischen Republik erfasst werden. Nach Angaben der Forschenden warten allein in dem karibischen Land mindestens 15 weitere Schnellkäferarten auf ihre wissenschaftliche Beschreibung.
Originalpublikation:
Alpine Entomology: Lissomus arawak sp. nov. (Coleoptera, Elateridae), a new species from the Dominican Republic https://alpineentomology.pensoft.net/article/193434/

