In 412 von 1.182 untersuchten Flussgebieten weltweit hat in den 2000er Jahren ökologische Wasserknappheit geherrscht. Das entspricht 35 Prozent aller Gebiete, wie aus einer in „National Science Review“ veröffentlichten Studie hervorgeht (DOI: 10.1093/nsr/nwag337). Betroffen waren demnach 17 Prozent der Gebiete von jährlicher und 18 Prozent von saisonaler Knappheit. Die Fläche umfasse rund 37 Millionen Quadratkilometer – 29 Prozent des Untersuchungsgebiets – und beherberge fast die Hälfte der Weltbevölkerung.
Ökologische Wasserknappheit entsteht, wenn Wasser in Menge oder Qualität nicht ausreicht, um Struktur, Funktionen und Gesundheit von Ökosystemen zu erhalten. Bisherige Bewertungen konzentrierten sich laut Studie vor allem auf den menschlichen Wasserbedarf; ob genug Wasser für gesunde Ökosysteme bleibt, fand zu wenig Beachtung. Das Team entwickelte einen Indikator, der Ökosysteme als legitime Wassernutzer neben dem Menschen anerkennt, und wandte ihn auf 1.182 Flussgebiete an.
Demnach hat sich die ökologische Wasserknappheit in den vergangenen 150 Jahren stetig ausgebreitet. Von den 1850er- bis zu den 2000er-Jahren wuchs das betroffene Gebiet um etwa 16 Millionen Quadratkilometer. Nach den 1950er-Jahren beschleunigte sich die Ausbreitung: Rund 10 Millionen Quadratkilometer – 63 Prozent der gesamten Ausdehnung im Untersuchungszeitraum – kamen hinzu. Menschliche Eingriffe sind den Autoren zufolge ein wesentlicher Treiber: In den 2000er-Jahren gingen 53 Prozent der saisonalen und 60 Prozent der jährlichen Fälle auf menschliche Eingriffe zurück. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschärften sie die Schwere in etwa 13 Prozent der Gebiete direkt.
Die Risiken dürften bestehen bleiben. Für die 2050er-Jahre reicht die Zahl betroffener Gebiete je nach Szenario von 392 bis 416, mit anhaltenden Hotspots in Regionen intensiver Wassernutzung. Klimaschutz könne das Risiko senken, doch nötig seien auch Schutz ökologischer Abflüsse, effizientere Wassernutzung, Wasserrecycling, ökologisch ausgerichteter Infrastrukturbetrieb und Renaturierung. Beteiligt waren Forschende der North China University of Water Resources and Electric Power, des Research Center for Eco-Environmental Sciences der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, der Wageningen University & Research und des Pacific Institute.
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