
Die PFAS-Konzentration im Trinkwasser der USA könnte laut einer Modellschätzung bis zu doppelt so hoch sein wie bisher gemeldet. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Freitag in „Cell Reports Sustainability“ veröffentlichte Studie (DOI: 10.1016/j.crsus.2026.100893). Demnach erfassen die derzeitigen Berichte nur etwa 44 Prozent der durchschnittlichen Konzentration von 25 PFAS in kommunalen Wasserversorgungssystemen, weil Messwerte unterhalb der Meldegrenzen als null gewertet werden.
PFAS sind synthetische „Ewigkeitschemikalien“, die sich in der Umwelt anreichern und mit Gesundheitsproblemen wie Krebs, Leberschäden und Entwicklungsstörungen bei Kindern in Verbindung gebracht werden. Nach dem Safe Drinking Water Act verpflichtet die US-Umweltschutzbehörde EPA öffentliche Wasserversorger, 29 PFAS im Trinkwasser zu überwachen. Im Januar 2026 veröffentlichte die EPA nahezu vollständige Überwachungsdaten. Eine Analyse der Environmental Working Group lege nahe, dass rund 176 Millionen Amerikaner Wasser aus Systemen beziehen, in denen mindestens eine PFAS-Art nachgewiesen wurde. Die meisten Einzelwerte lägen jedoch unter den Mindestmeldewerten (MRL) und würden daher als „<MRL“ erfasst – oft aber als null behandelt.
Das Team um Gehendra Kharel von der Texas Christian University analysierte mehr als 1,8 Millionen PFAS-Messdatensätze; 98 Prozent lagen unter dem MRL. Mit Computermodellen schätzten die Forschenden mögliche Konzentrationen für diese Werte, indem sie je 500 Schätzungen erzeugten und mittelten. Bei null gesetzten Werten seien nur 44 Prozent der modellierten Durchschnittskonzentration der 25 PFAS über 9.991 Wassersysteme erfasst worden.
Für die sechs PFAS mit rechtlich verbindlichen Grenzwerten, darunter PFOA und PFOS, liegt der nationale Durchschnitt bei Nullsetzung laut Studie bei etwa 2,6 Nanogramm pro Liter, das Modell schätze jedoch 5,2 Nanogramm pro Liter. Kharel betonte, die Studie untersuche nur, wie PFAS-Messungen zusammengefasst würden; sie belege nicht, dass jeder Wert unter der Meldegrenze ein Gesundheitsrisiko darstelle. „Wenn ein Wasserqualitätsbericht ‚nicht nachgewiesen‘ sagt, bedeutet das unterhalb der Meldegrenze – nicht null“, sagte er. Die Methode gebe Wasserbehörden eine Möglichkeit, diese Differenz zu berücksichtigen und klarer zu benennen, was bekannt und was unbekannt sei.


