
Mit Beginn des Vogelzuges im Mittelmeerraum hat das Komitee gegen den Vogelmord e.V. Anfang März seine alljährlichen Einsätze auf Malta gestartet. Dank der Hinweise des Komitees konnte die Polizei im März bereits zehn Wilderer überführen. Dabei wurden 24 Schlagnetze und über 50 Lockvögel beschlagnahmt.

Der maltesische Archipel spielt aufgrund seiner strategischen Position im Mittelmeer eine entscheidende Rolle als Zwischenstation für Zugvögel auf ihrer Reise zwischen Europa und Afrika. Die kompakte Inselgruppe von nur 360 Quadratkilometern bietet insbesondere bei ungünstigen Wetterbedingungen einen willkommenen Rastplatz für erschöpfte Vögel. Das Schauspiel der eintreffenden Vogelschwärme auf Malta und Gozo ist ein beeindruckendes Naturereignis, das nicht nur Vogelbeobachter fasziniert. Jahr für Jahr lockt es Wilderer und Jäger an, die diese Gelegenheit ausnutzen und mit riesigen Netzen, Leimruten, Steinschlagfallen und Schrot Tausende Vögel töten oder fangen (Foto: Turteltaube und Wachtel). Zwischen 200.000 und einer Million Vögel werden Jahr für Jahr allein auf Malta erlegt oder gefangen. Die offizielle Jagdstatistik weist etwa 120.000 erlegte Vögel aus, doch die Dunkelziffer ist erheblich höher, da Wilderei und illegale Jagd weit verbreitet sind.
Auf Malta besteht eine hohe Nachfrage nach Singvögeln als Käfigtiere. Arten wie Hänflinge, Kernbeißer, Erlenzeisige sowie Buch- und Grünfinken erzielen auf dem Schwarzmarkt beträchtliche Preise, was Wilderern lukrative Einnahmen beschert. Trotz des EU-weiten Verbots erteilt die maltesische Regierung im Herbst weiterhin Ausnahmegenehmigungen für den Vogelfang. Diese Praxis fördert indirekt auch die Frühjahrs-Wilderei, da sie den Eindruck erweckt, die Behörden seien nicht entschlossen, diese umstrittene „Tradition“ zu beenden. Folglich bleibt der illegale Vogelfang im Frühling ein verbreitetes Problem auf der Insel.
Um dem illegalen Vogelfang entgegenzuwirken, organisiert das Komitee gegen den Vogelmord verschiedene Schutzeinsätze im Mittelmeerraum. Diese Aktionen beginnen im Frühling auf Malta. Parallel dazu laufen bereits Einsätze im Libanon unter anderem gegen den Abschuss von Störchen.
Die Schutzbemühungen erstrecken sich auch auf andere Regionen: Auf der griechischen Insel Zakynthos sind mehrere Teams im Einsatz, während weitere Aktionen in Italien und auf Zypern stattfinden. Insgesamt sind bis Mitte Mai neun Einsätze mit etwa 80 Freiwilligen geplant. Aktuelle Informationen zu diesen Schutzmaßnahmen werden über soziale Medien und einen speziellen Vogelschutz-Blog verbreitet.
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