
Kriege sind nicht nur menschliche und gesellschaftliche, sondern auch ökologische Katastrophen, die den Klimawandel erheblich beschleunigen. Während die Weltgemeinschaft verzweifelt nach Wegen sucht, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, bleiben die Emissionen durch militärische Aktivitäten ein blinder Fleck sowohl in der Klimaforschung als auch in der Klimapolitik.

Eine Studie, veröffentlicht im Journal of Cleaner Production (2023), schätzt, dass die militärischen Aktivitäten weltweit etwa 5,5 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verursachen – mehr als der gesamte Flugverkehr. Wenn die Militärs der Welt ein Land wären, hätten sie den viertgrößten CO2-Fußabdruck, größer als Russland. Konkrete Beispiele untermauern diese Zahlen: Der Krieg im Irak (2003 bis 2011) setzte laut einer Analyse von Oil Change International (2019) rund 141 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent frei – vergleichbar mit den Jahresemissionen eines Landes wie Neuseeland. Der Ukraine-Krieg wiederum verursachte einer Studie der Initiative on GHG Accounting of War von 2024 zufolge in den ersten zwei Jahren etwa 175 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht den Emissionen der Niederlande in einem Jahr.
Die Emissionen entstehen auf vielfältige Weise. Direkte Kriegshandlungen wie Luftangriffe, Artilleriebeschuss und der Einsatz von Panzern verbrauchen immense Mengen fossiler Brennstoffe. Ein B-52-Kampfjet etwa verbraucht in einer Stunde so viel Treibstoff wie ein Autofahrer in sieben Jahren, heißt es in einer Analyse von Conflict and Environment Observatory aus dem Jahr 2021. Doch nicht nur der akute Einsatz ist problematisch: Der Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur – etwa durch die Produktion von Zement und Stahl – trägt massiv zur CO2-Bilanz bei. Im Falle Syriens wird der Wiederaufbau laut einer Schätzung in Environmental Research Letters (2022) etwa 22 Millionen Tonnen CO2 freisetzen.
Neben CO2 entstehen bei der Produktion und dem Einsatz von Kriegswaffen hochgiftige chemische Stoffe. Die Herstellung von Sprengstoffen wie TNT (Trinitrotoluol) setzt Stickoxide (NOx) frei, die die Ozonschicht schädigen und ebenfalls als Treibhausgase wirken. Laut einer Studie in Atmospheric Chemistry and Physics (2020) führt die Verbrennung von Treibstoffen in Militärfahrzeugen zur Emission von Schwefeldioxid (SO2) und Feinstaub, die die Luftqualität verschlechtern und regionale Klimamuster beeinflussen. Bei Luftangriffen im Gazastreifen 2023 wurden zudem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) freigesetzt, krebserregende Stoffe, die Böden und Gewässer kontaminieren, wie eine Untersuchung in Science of the Total Environment aus 2024 zeigt. Besonders katastrophal war die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines 2022, die etwa 15 Millionen Tonnen Methan – ein Treibhausgas, das 25-mal klimaschädlicher als CO2 ist – in die Atmosphäre freisetzte.
Trotz dieser alarmierenden Erkenntnisse bleibt Vieles im Dunkeln. Die Datenlage zu militärischen Emissionen ist erschreckend lückenhaft. Viele Staaten melden ihre Militäremissionen nicht, da sie im Pariser Klimaabkommen davon ausgenommen sind – eine Regelung, die auf Druck der USA eingeführt wurde. Der sechste IPCC-Bericht (2021) erwähnt den Beitrag des Militärs zum Klimawandel nur am Rande.
Dabei verursachen sowohl die Rüstungsproduktion als auch militärische Übungen und militärische Auseinandersetzungen enorme Emissionen, die kaum dokumentiert werden. So verbraucht ein Leopard-2-Panzer rund 539 Liter Diesel auf 100 Kilometer, ein Eurofighter verbrennt bei normalem Flug 4.000 bis 5.000 Liter Kerosin pro Stunde, was einem Ausstoß von bis zu 15.750 kg CO2 pro Stunde entspricht*; bei einem Überschallflug klettert der Verbrauch auf mehr als 15.000 Liter Kerosin pro Stunde (entspricht 47.250 kg CO2 pro Stunde*). In diesen Berechnungen ist nur der Flug einbezogen – die zusätzlichen indirekten Effekte wie Produktion und Wartung nicht.
Solche Zahlen allerdings fehlen nicht nur in den Brandreden von Politikern und Wirtschaftsvertretern – sie fehlen auch meist in nationalen Klimaberichten und kommen in der Öffentlichkeit kaum zur Sprache. Das liegt vor allem daran, dass sowohl einige Länder als auch beteiligte Finanzinstitutionen wie Black Rock nicht öffentlich machen, wie viel sie u.a. der Ukraine zukommen lassen, und welche Verträge sie für die Rückzahlung von Krediten und Anleihen sowie den Wiederaufbau des Landes nach Beendigung des Krieges geschlossen haben.
Die genaue Summe der Zuwendungen an die Ukraine ist nur schwer exakt zu beziffern; die Zahlen variieren je nach Quelle, Zeitpunkt und Art der Hilfe. Aus diesem Grund kann die Größenordnung, die das Kiel Institut für Weltwirtschaft (ifw) nennt, auch nur eine grobe Annäherung sein: Laut ifw belaufen sich die Hilfen auf insgesamt etwa 267 Milliarden Euro (ca. 280 Milliarden US-Dollar; Stand 2024). Davon entfallen rund 130 Milliarden Euro (ca. 136 Milliarden US-Dollar) auf die militärische Unterstützung, die direkt für Waffen, Munition, Training und Ausrüstung verwendet wird; der Rest verteilt sich auf finanzielle Hilfe (z. B. Budgetunterstützung für den ukrainischen Staat) und humanitäre Hilfe (z. B. für Flüchtlinge).
Schon in den vergangenen Jahren haben Unterstützerstaaten und Finanzinstitutionen also ein Übriges getan, den globalen CO2-Ausstoß über die Produktion und den Einsatz von Waffen und Munition direkt oder indirekt anzukurbeln, und derzeit sieht es nicht besser aus. Je nach Quelle gibt es weltweit derzeit zwischen 50 und 60 größere, bewaffnete Konflikte mit signifikanter Waffennutzung. Hinzu kommen zwischen 150 und 200 kleinere militärische Aktionen. Die Zahl kann sich täglich ändern, da Konflikte aufflammen oder pausieren, und viele Einsätze wie beispielsweise Drohnenangriffe oder verdeckte Operationen werden gar nicht erst öffentlich gemacht.
Fakt ist allerdings, dass allein die Militärausgaben der EU unvermindert ansteigen und laut Europäischer Verteidigungsagentur (EDA) im Jahr 2024 einen Rekordwert von 326 Milliarden Euro erreichten, was etwa 1,9 Prozent des EU-Bruttoinlandsprodukts (EU-BIP) entspricht. Schon für 2023 meldete das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) Ausgaben von etwa 279 Milliarden Euro für die EU-Länder, was einem Anstieg von zehn Prozent gegenüber 2022 entspricht. Den parteiübergreifenden Forderungen führender Politiker nach noch mehr Unterstützung für die Ukraine und eine massive Aufrüstung legt nahe, dass die Militärausgaben weiter klettern und wohl über den vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (ifw) geschätzten 300 Milliarden Euro pro Jahr liegen werden, was einer Erhöhung von derzeit rund zwei Prozent des Bruttosinlandsprodukts (BIP) auf 3,5 Prozent entsprechen würde.
Die Wechselwirkung zwischen militärischen Auseinandersetzungen und Klimawandel ist fatal, denn der Klimawandel feuert Konflikte um Ressourcen an, und Kriege beschleunigen wiederum die Erderwärmung. Diese Rückkopplungseffekte werden allerdings selten systematisch untersucht: Während Milliarden in die Rüstung fließen, ungenannte Profiteure füttern und in den Ritzen und Spalten korrupter Staatsstrukturen versickern, mangelt es an Geldern für Klima-, Arten- und Umweltschutz und die entsprechende Forschung.
Dabei kann nur der Fokus auf Entmilitarisierung, Abrüstung und Frieden das Klima und die Lebensgrundlagen des Menschen dauerhaft schützen.
Zur Berechnung des CO2-Ausstoßes:
* Rechnung: Kerosin erzeugt bei der Verbrennung etwa 3,15 kg CO2 pro Liter. Bei Unterschall sind das also: 4.000–5.000 Liter × 3,15 kg/L = 12.600–15.750 kg CO2 pro Stunde; bei Nachbrennen und Überschall: 15.000 Liter × 3,15 kg/L = 47.250 kg CO2 pro Stunde
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