Grüner Wasserstoff aus Afrika: Wettbewerbsfähigkeit hängt an Garantien

Durch | Juni 3, 2025

München, 03. Juni 2025 – Grüner Wasserstoff gilt als Schlüssel für eine klimafreundliche Industrie, doch Europas Hoffnung, diesen aus Afrika zu beziehen, stößt auf finanzielle Hürden. Eine Studie der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit der University of Oxford und der ETH Zürich zeigt: Die Finanzierungskosten für Produktionsanlagen in afrikanischen Staaten sind deutlich höher als gedacht. Nur zwei Prozent von 10.000 untersuchten Standorten könnten für den Export nach Europa wettbewerbsfähig sein – und das nur mit Preis- und Abnahmegarantien durch europäische Staaten.

Grüner Wasserstoff, hergestellt durch Elektrolyse mit erneuerbaren Energien, ist essenziell, etwa für die Stahlindustrie. Da Europa seinen Bedarf nicht decken kann, rücken afrikanische Küstenstaaten mit guten Sonnen- und Windbedingungen ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Doch viele Projekte stecken noch in der Planung. Die Forschenden stellten fest, dass gängige Modelle die Finanzierungskosten oft unrealistisch niedrig ansetzen. „Die Bedingungen für Investitionen variieren stark und sind in vielen afrikanischen Ländern risikoreich“, erklärt Florian Egli, Professor für Public Policy for the Green Transition an der TUM.

Neue Berechnung deckt Kosten auf

Das Team entwickelte ein Modell, das Faktoren wie Transport, Lagerung, Rechtssicherheit und politische Stabilität in 31 afrikanischen Staaten berücksichtigt. Es geht davon aus, dass Anlagen 2030 laufen und Wasserstoff als Ammoniak nach Rotterdam verschifft wird. In vier Szenarien mit hohen oder niedrigen Zinsen und mit oder ohne Investitionsrisiken für Betreibende ergaben sich Zinsen von 8 bis 27 Prozent – weit über den bisher angenommenen 4 bis 8 Prozent. Ohne Garantien liegt der niedrigste Produktionspreis bei knapp 5 Euro pro Kilogramm. Mit Garantien und sinkenden Zinsen könnte er auf gut 3 Euro fallen – dennoch in Konkurrenz zu anderen Regionen, wo 2024 bei einer Auktion der Europäischen Wasserstoffbank Gebote unter 3 Euro erfolgreich waren.

Wenige wettbewerbsfähige Standorte

„Grünen Wasserstoff in Afrika für Europa zu produzieren, ist teurer als angenommen“, sagt Stephanie Hirmer, Professorin für Climate Compatible Growth an der University of Oxford. Von 10.000 Standorten wären bei Garantien und hohen Zinsen nur etwa 200 in Ländern wie Algerien, Kenia, Mauretanien, Marokko, Namibia und Sudan potenziell wettbewerbsfähig. Sicherheitsrisiken in manchen Regionen könnten diese Zahl weiter reduzieren.

Garantien als Schlüssel

„Wettbewerbsfähigkeit ist nur mit Abnahme- und Preisgarantien der EU sowie Kreditausfallgarantien, etwa der Weltbank, möglich“, betont Florian Egli. Solche Maßnahmen könnten den Handel etablieren und langfristig Kosten senken. Zudem sei Fairness entscheidend, so Stephanie Hirmer: „Ohne sinnvolle Politik riskieren wir Projekte, die weder kostengünstig sind noch der lokalen Bevölkerung nützen.“

Die Studie zeigt: Grüner Wasserstoff aus Afrika für Europa ist machbar, erfordert aber politische Unterstützung, um wirtschaftlich und nachhaltig zu sein.


Originalpublikation:

Egli, F., Schneider, F., Leonard, A., Halloran, C., Salmon, N., Schmidt, T. & Hirmer, S., Mapping the cost competitiveness of African green hydrogen imports to Europe. Nat. Energy (2025). DOI: 10.1038/s41560-025-01768-y
https://doi.org/10.1038/s41560-025-01768-y

Modell-Methodik:
Halloran, C., Leonard, A., Salmon, N., Müller, L. & Hirmer, S. (2024). GeoH2 model: Geospatial cost optimization of green hydrogen production including storage and transportation. MethodsX, Volume 12, 102660.
https://doi.org/10.1016/j.mex.2024.102660

Das Berechnungsmodell steht Open Source mit CC-BY-4.0 Lizenz zur Verfügung:


https://github.com/ClimateCompatibleGrowth/GeoH2


https://github.com/ClimateCompatibleGrowth/GeoNH3

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LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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