Alarmierend: Gletscherschmelze erhöht Schwermetallgehalt von Braunalgen

Durch | März 10, 2025
Credits: Sarina Niedzwiedz, Universität Bremen

In arktischen Fjorden erhöht Gletscherschmelze, die durch den Klimawandel verursacht wird, den Schwermetallgehalt und verändert das Mikrobiom von lebensraumbildenden Braunalgen, fanden WissenschaftlerInnen der Universität Bremen. Da Algen die Grundlage des Nahrungsnetzes bilden, kann dies dramatische kaskadenartige Folgen für Ökologie und Wirtschaft haben.

Credits: Sarina Niedzwiedz, Universität Bremen
Credits Sarina Niedzwiedz Universität Bremen 

In einem interdisziplinären Kooperationsprojekt der EU-Projekte FACE-IT, ECOTIP und SEA-Quester haben die WissenschaftlerInnen die Folgen des Klimawandels in der Arktis untersucht. In ihrer Studie konzentrierten sie sich auf eine Gruppe von Organismen, die die Grundlage der arktischen Küstenökosysteme bilden – braune Makroalgen, so genannte Kelps, die dichte und ausgedehnte Unterwasserwälder entlang felsiger Küsten bilden. Die ökologische Rolle von Kelps kann mit der von Bäumen an Land verglichen werden: Sie bieten Nahrung, Lebensraum und Kinderstube für eine Vielzahl von Organismen und erhalten so komplexe Ökosysteme.

Die Erwärmung in der Arktis liegt weit über dem globalen Durchschnitt. Infolgedessen schmelzen Schnee, Gletscher und Permafrost. Dadurch steigt der Einfluss von Schmelzwasser in den Fjorden, und es ändern sich viele Wasserparameter drastisch: Die große Menge an Süßwasser verringert den Salzgehalt, eingeschwemmte Schwebstoffe verringern die Lichtverfügbarkeit, und je nach Sediment und organischen Material in dem Schmelzwasser verändert sich die Elementzusammensetzung. Während viele der Elemente, die in die Fjorde gespült werden, als Mikronährstoffe für Kelps fungieren können wie zum Beispiel Natrium, Magnesium und Kalium, wurden auch schädliche Elemente wie Schwermetalle, zum Beispiel Cadmium, Blei, Quecksilber, in höheren Konzentrationen gefunden. Die Forschenden sammelten Kelps, der durch unterschiedliche Schmelzwasserintensitäten beeinflusst wurden, und analysierten ihre Elementzusammensetzung. Bei allen untersuchten Elementen fand das Team das gleiche Muster: Mit zunehmender Schmelzwasserintensität steigen auch die Elementgehalte. Im Falle von Quecksilber wiesen stark von Schmelzwasserbeeinflusste Kelps einen um 72 Prozent höheren Quecksilbergehalt auf als Kelps aus dem Kontrollgebiet.

Darüber hinaus hat das Team analysiert, wie unterschiedlicher Schmelzwassereinfluss das Mikrobiom von Kelps beeinflussen. Das Mikrobiom ist bedeutend für die ökologische Funktion von Kelps, etwa für seinen Nährwert oder den Stoffkreislauf im Ökosystem. Sie fanden heraus, dass auch das Mikrobiom von dem Schmelzwasser beeinflusst wird.

Beide Klimawandel-bedingten Veränderungen der Kelps haben wahrscheinlich kaskadenartige Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem. Es wurde bereits gezeigt, dass die Aufnahme von mit Metallen verunreinigten Kelps negative Auswirkungen auf Fressfeinde hat, wie zum Beispiel eine verminderte Entwicklung, ein geringeres Wachstum oder eine geringere Fortpflanzung. Weiter könnte es zu einer Bioakkumulation schädlicher Elemente im gesamten arktischen Nahrungsnetz kommen, schlussfolgern die AutorInnen. Dies könnte letztendlich auch sozioökonomische Folgen haben. Das hohe Biosorptionspotenzial von Kelp muss bei der Umsetzung von Kelp-Marikulturen in der Arktis berücksichtigt werden. Allerdings könnte die Ernte von Kelps in Fjorden mit hohem Schmelzwassereinfluss und Metallbelastung eine umweltfreundliche Methode für den Gewinn von Seltenen Erden darstellen, das sogenannte Phytomining.

Originalpublikation

Niedzwiedz S, Schmidt C, Yang, Y, Burgunter-Delamare B, Andersen S, Hildebrandt L, Pröfrock D, Thomas H, Zhang R, Damsgård B, Bischof K (2024): Run-off impacts on Arctic kelp holobionts have strong implications on ecosystem functioning and bioeconomy. Scientific Reports. 14:30506. Doi: 10.1038/s41598-024-82287-w

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