Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT schätzt, dass pro Jahr allein aus landwirtschaftlichen Quellen wie Folien, Netzen, Vliesen und Silobeschichtungen etwa 556 im Boden verbleiben. Davon entfallen etwa 180 Tonnen auf den Pflanzenbau, hier vor allem Spargel- und Erdbeerfolien, und 376 Tonnen auf Futter- und Energiepflanzen.
Hochgerechnet auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Deutschland ergibt sich eine durchschnittliche Belastung von etwa 1 bis 1,1 Kilogramm Kunststoff pro Hektar und Jahr.
Die Zahlen sind Schätzungen auf Basis von Stoffströmen, keine flächendeckenden Bodenmessungen. Satellitendaten der Universität Augsburg zeigen für 2020 zusätzlich, dass rund 140.000 Hektar – etwa die anderthalbfache Fläche Berlins – mit Mulch- oder Abdeckfolien bedeckt waren. Hinzu kommen die Einträge von außen. Während aktuelle Studien von rund 19.000 Tonnen Kunststoff pro Jahr ausgehen, die auf landwirtschaftliche Flächen gelangen, ist der tatsächliche Bestand in den Böden weitaus höher. Der Grund liegt in der Natur der Kunststoffe selbst: Sie sind extrem langlebig und bauen sich im Boden nur über Jahrhunderte hinweg ab, teilweise gar nicht. Solange jedes Jahr neuer Kunststoff hinzukommt und der Abbau kaum stattfindet, reichert sich das Material im Boden an – ein klassischer Akkumulationseffekt.
Hinzu kommt, dass Kunststoffe im Boden vor ihrem wichtigsten natürlichen Abbauweg geschützt sind. An der Oberfläche würde Sonnenlicht, insbesondere UV-Strahlung, die Materialien im Laufe der Zeit zersetzen. Durch das Pflügen oder die Aktivität von Bodenorganismen wie Regenwürmern gelangen die Partikel jedoch in tiefere Schichten, wo sie vor Photodegradation sicher sind und noch länger persistieren. Studien zeigen Abbauzeiten zwischen mehreren Jahrzehnten und bis zu 500 Jahren, abhängig vom Kunststofftyp und den Umweltbedingungen.
Ein weiteres Problem ist die methodische Erfassung. Die verfügbaren Zahlen basieren auf Stoffstromanalysen, die den jährlichen Zufluss modellieren. Der tatsächlich im Boden akkumulierte Gesamtbestand lässt sich schwer bestimmen, da es bislang keine flächendeckenden, standardisierten Analyseverfahren für Mikroplastik im Boden gibt. Erste stichprobenartige Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass in nahezu allen landwirtschaftlich genutzten Böden Kunststoffpartikel nachweisbar sind.
Nicht zu unterschätzen ist zudem der Anteil historischer Altlasten. Ein erheblicher Teil des heute im Boden befindlichen Plastiks stammt aus Einträgen der vergangenen Jahrzehnte, etwa aus Klärschlamm-Ausbringungen vor den 2000er-Jahren oder von alten Mulchfolien, die nie vollständig entfernt wurden. Diese Altlasten sind in den aktuellen Jahres-Eintragszahlen nicht enthalten, tragen aber maßgeblich zum Gesamtbestand bei.
Schließlich führt auch die Fragmentierung größerer Kunststoffteile nicht zu einer Verringerung der Gesamtmasse. Folien, Netze und andere Agrarkunststoffe zerfallen durch mechanische Belastung und Witterungseinflüsse in immer kleinere Mikro- und Nanoplastik-Partikel, bleiben aber als Kunststoffmasse im Boden erhalten. Die Partikelgröße nimmt ab, die Menge jedoch nicht.
Insgesamt beschreiben die oft zitierten 19.000 Tonnen pro Jahr also nur den jährlichen Zufluss. Der tatsächliche Plastikbestand in deutschen Ackerböden ist ein Multi-Jahres-Akkumulationswert, der aufgrund der Persistenz der Kunststoffe, des Schutzes im Bodeninneren und historischer Einträge sehr viel höher liegt – Experten schätzen, dass es sich um mehrere hunderttausend Tonnen über die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche Deutschlands handelt.

