
Sogenanntes Grauwasser könnte Fassadengrün bewässern, zeigt ein innovatives Projekt in Weimar und damit die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Akzeptanz von begrünten Fassaden steigt. Denn gerade die BewohnerInnen von Städten und Gemeinden leiden zunehmend unter den Folgen des Klimawandels wie steigende Durchschnittstemperaturen und schlechte Luft. Fassadenbegrünungen könnten den urbanen Raum beleben und zugleich das Mikroklima verbessern.
Um die langfristigen Effekte wissenschaftlich zu erproben, erhält das Verbundprojekt „Reallabor GrayToGreen“ unter Leitung der Bauhaus-Universität Weimar bis 2027 rund 770.000 Euro Fördermittel von der Thüringer Aufbaubank.

Durch den Bau und Betrieb von Gebäuden steigen die Treibhausgasemissionen kontinuierlich an, während die zunehmende Flächenversiegelung im urbanen Raum sowohl zur städtischen Überhitzung als auch zum Verlust der Biodiversität beiträgt. Ein Ansatz, der gleich mehrere dieser Herausforderungen adressiert, ist die großflächige Begrünung städtischer Fassaden:
„Fassadenbegrünungen wirken sich positiv auf das urbane Mikroklima aus. Sie ergänzen die thermische Gebäudehülle und können darüber hinaus dem Regenwasserrückhalt und sogar der Wasseraufbereitung dienen. Außerdem bieten sie neue Lebensräume für Pflanzen wie auch Insekten“, erläutert Maria Hartmann von der Bauhaus-Universität Weimar. Um die Pflanzen zu bewässern, verfolgen die ForscherInnen aus Weimar einen innovativen Ansatz: Gering verschmutztes Abwasser, das beispielsweise beim Duschen, Baden, Hände- oder Wäschewaschen entsteht, wird durch ein integriertes Reinigungssubstrat aufbereitet und zur Bewässerung wieder nutzbar gemacht. Zusätzlich erzeugen vorgehängte, bewegliche Photovoltaik-Elemente Energie und schützen die dahinter wachsenden Pflanzen vor Hitze, Starkregen oder Wind.
Ein Prototyp der sogenannten „vertikalen Klimakläranlage“ (VertiKKA) steht seit September 2024 in Weimar. Durch Langzeitversuche unter realen Bedingungen soll die Reinigungsleistung optimiert und die Anlage technologisch weiterentwickelt werden. Durchgeführt werden die Messungen im Rahmen des 2025 gestarteten Projektes „GrayToGreen“ von den Nachwuchswissenschaftlerinnen Maria Hartmann und Gloria Maria Kohlhepp unter wissenschaftlicher Anleitung der Professuren „Bauphysik“ und „Siedlungswasserwirtschaft und Technologien urbaner Stoffstromnutzungen“. Darüber hinaus führt Gregor Biastoch aus der Professur Ressourcenwirtschaft eine umfassende Lebenszyklusanalyse durch und analysiert das Abwasser auf Mikrokunststoffe.
Neben der Bauhaus-Universität Weimar ist das IAB-Institut für angewandte Bauforschung Weimar als Kooperationspartner beteiligt. Gefördert wird das Vorhaben im Rahmen von Thüringen MOTIVation durch den Freistaat Thüringen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus.
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