
Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Sachsen hat einen neuen Leitfaden zum Schutz von Vögeln und Fledermäusen herausgegeben, die in oder an Gebäuden leben. Die Publikation bietet einen bisher einzigartigen Überblick über die Funktionalität verschiedener Quartierangebote für diese Arten. Grundlage sind umfangreiche Erfahrungen aus Abriss- und Sanierungsprojekten: Einerseits wurden Daten und Erkenntnisse aus der täglichen Arbeit von Fachkollegen ausgewertet, andererseits gezielt Untersuchungen zur Annahme unterschiedlicher Quartiertypen durchgeführt. So konnten mehrere Tausend Datensätze zu Einbausteinen, Aufputzkästen, Ständerquartieren und konstruktiven Lösungen in Sachsen analysiert und bewertet werden.

Aus den Ergebnissen leiten die Autoren artspezifische Handlungsempfehlungen und Kompensationsmaßnahmen ab. Der Leitfaden behandelt Untersuchungsstandards, Maßnahmen zur Fehlervermeidung, Vergrämung sowie den Erhalt oder Ersatz von Quartieren. Zahlreiche Praxisbeispiele und Bilddokumente machen die Zusammenhänge anschaulich.
Der Leitfaden zeigt konkrete Lösungswege auf und vermittelt Standards, wie Artenschutzbelange erfolgreich in Bauvorhaben integriert werden können, so dass auch Bauherren, Gebäudenutzer und andere Beteiligte Akzeptanz finden.
Trotz solcher Hilfestellungen bleibt der Umgang mit gebäudebewohnenden Arten in der Bevölkerung allerdings oft problematisch. Viele Menschen empfinden Kotverschmutzung unter Nestern oder Flugverkehr als Belästigung und greifen zu radikalen Mitteln. So werden Mehlschwalbennester an Fassaden häufig abgeschlagen, manchmal sogar, während die Jungen noch darin sitzen. Ähnlich versuchen Hausbesitzer, Rauchschwalben durch flatternde Bänder oder andere Abwehrmaßnahmen fernzuhalten. Alte Bäume mit Höhlen oder Spalten, die Fledermäusen und Vögeln als Quartier dienen, fallen in den meisten Fällen der Säge zum Opfer, etwa bei Grundstücksneugestaltungen. Zunehmend werden Gärten und Höfe mit Schotter- oder sterilen Rasenflächen gestaltet, was Insekten die Nahrungsgrundlage entzieht und damit auch Fledermäuse und insektenfressende Vögel hungern lässt.
Diese Reaktionen sind weit verbreitet und spiegeln eine mangelnde Akzeptanz wider, die oft aus Bequemlichkeit oder Unwissen resultiert. Sie verschärfen den Rückgang stark gefährdeter Arten. Der neue Leitfaden will genau hier ansetzen: Indem er pragmatische, akzeptable Alternativen aufzeigt, soll er helfen, Konflikte zu entschärfen und den notwendigen Schutz dieser Tiere in den Alltag von Bau und Sanierung zu integrieren.
Der Leitfaden steht unter https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/49133 zum kostenlosen Download zur Verfügung.
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