Luftschadstoffe aus Rohöl führten zu neurologischen Symptomen bei Arbeitern der Deepwater Horizon Ölkatastrophe

Durch | August 15, 2025

Hintergrund: Die Deepwater Horizon Katastrophe und ihre gesundheitlichen Folgen

Am 20. April 2010 ereignete sich die Deepwater Horizon Ölkatastrophe, der größte Ölunfall in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Nach einer Explosion auf der Bohrplattform im Golf von Mexiko wurden etwa 4,4 bis 5 Millionen Barrel Rohöl ins Meer freigesetzt. Die Aufräumarbeiten, an denen Zehntausende von Arbeitern beteiligt waren, darunter Mitglieder der U.S. Coast Guard und zivile Helfer, führten zu erheblichen Expositionen gegenüber gesundheitsschädlichen Chemikalien. Diese umfassten flüchtige organische Verbindungen (VOCs) wie Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol und n-Hexan (zusammengefasst als BTEX-H) sowie Feinstaub (PM2.5) aus der Verbrennung und Abfackelung von Öl und Gas. Die Gulf Long-term Follow-up Study (GuLF Study), eine prospektive Kohortenstudie mit über 32.000 Teilnehmern, wurde initiiert, um die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen dieser Expositionen zu untersuchen.

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht am 10. Oktober 2025 in der Zeitschrift Science of The Total Environment (Volume 998), untersucht speziell die Zusammenhänge zwischen der Exposition gegenüber luftgetragenen Rohölchemikalien und neurologischen Symptomen bei Aufräumarbeitern der Deepwater Horizon Katastrophe. Die Autoren, darunter Kristen N. Cowan, Emily J. Werder, Kaitlyn G. Lawrence und andere, analysieren die gesundheitlichen Folgen für die Arbeiter, die während und nach den Aufräumarbeiten Symptome des zentralen (CNS) und peripheren Nervensystems (PNS) berichteten.

Die Studie: Methodik und zentrale Ergebnisse

Die Untersuchung konzentrierte sich auf 9.914 Responder der Deepwater Horizon Katastrophe, die auf dem Wasser arbeiteten und an der GuLF-Studie teilnahmen. Die Forscher untersuchten die Prävalenz von neurologischen Symptomen während der Aufräumarbeiten und 1–3 Jahre danach. Dabei wurden Symptome des zentralen Nervensystems (wie Schwindel, Schwitzen, Herzklopfen, Übelkeit oder Migräne/schwere Kopfschmerzen) und des peripheren Nervensystems (wie Kribbeln/Taubheit in den Extremitäten, verschwommenes Sehen oder Stolpern) sowie individuelle Symptome wie Schlaflosigkeit, Erbrechen, Krampfanfälle und Müdigkeit erfasst.

Die Exposition gegenüber PM2.5, das durch das Abfackeln und Verbrennen von Öl und Gas entstand, wurde mithilfe von Gaußschen Dispersionsmodellen geschätzt und mit detaillierten Arbeitsverläufen der Teilnehmer verknüpft. Log-binomiale Regression wurde verwendet, um adjustierte Prävalenzratios (PR) und 95%-Konfidenzintervalle zu berechnen, wobei Alter, Geschlecht, Ethnizität und gleichzeitige Expositionen gegenüber BTEX-H berücksichtigt wurden.

Die Ergebnisse zeigen, dass 34 % der Teilnehmer während der Katastrophe mindestens ein Symptom berichteten (23 % CNS, 12 % PNS), während 30 % 1–3 Jahre später Symptome meldeten (19 % CNS, 17 % PNS). Es gab konsistente Hinweise auf Zusammenhänge zwischen PM2.5-Exposition und CNS-Symptomen (PR-Bereich: 1,17 bis 1,51), obwohl keine klaren Dosis-Wirkungs-Trends beobachtet wurden. Für PNS-Symptome lagen die PRs zwischen 0,96 und 1,84. Die Assoziationen waren bei Arbeitern mit geringerer BTEX-H-Exposition und bei älteren Arbeitern deutlicher ausgeprägt.

Bedeutung und Kontext

Die Studie ergänzt frühere Untersuchungen, die akute neurologische Symptome bei USCG-Respondern mit Rohölexposition in Verbindung brachten. Sie erweitert das Wissen, indem sie längerfristige neurologische Auswirkungen (bis zu drei Jahre nach der Katastrophe) untersucht und PM2.5 als spezifischen Schadstoff in den Fokus rückt. Die Befunde deuten darauf hin, dass die Verbrennung und Abfackelung von Öl und Gas während der Aufräumarbeiten eine bedeutende Quelle für gesundheitsschädliche Feinstaubbelastung war, die mit neurologischen Symptomen in Verbindung steht.

Interessanterweise zeigte die Studie, dass die Assoziationen bei Arbeitern mit geringerer BTEX-H-Exposition stärker waren, was darauf hindeutet, dass PM2.5 unabhängig von anderen Chemikalien eine Rolle spielen könnte. Die stärkere Wirkung bei älteren Arbeitern könnte auf eine höhere Anfälligkeit für neurologische Schäden durch Umweltgifte hinweisen.

Symbolbild Credits Unsplash

Implikationen für die öffentliche Gesundheit

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die Gesundheit von Aufräumarbeitern bei zukünftigen Ölkatastrophen besser zu schützen. Maßnahmen wie verbesserte Atemschutzgeräte, Überwachung der Luftqualität und gezielte Gesundheitsüberwachung könnten das Risiko neurologischer Schäden verringern. Die Studie hebt auch hervor, dass die sozioökonomische Verwundbarkeit der betroffenen Arbeiter – weniger als die Hälfte hatte Zugang zu medizinischer Versorgung – die Erfassung und Behandlung von Symptomen erschweren kann.

Fazit

Die Studie von Cowan et al. liefert wichtige Erkenntnisse über die gesundheitlichen Risiken von Feinstaubexpositionen bei Ölkatastrophen. Sie zeigt, dass PM2.5 aus der Verbrennung von Öl und Gas mit einem erhöhten Risiko für neurologische Symptome bei Aufräumarbeitern verbunden ist, sowohl während als auch bis zu drei Jahre nach der Deepwater Horizon Katastrophe. Diese Erkenntnisse fordern verstärkte Schutzmaßnahmen und weitere Forschung, um die langfristigen Auswirkungen solcher Expositionen besser zu verstehen und die Gesundheit der betroffenen Arbeiter zu schützen.

Quelle: Cowan, K. N., Werder, E. J., Lawrence, K. G., et al. (2025). Associations between airborne crude oil chemicals and neurological symptoms among workers in the Gulf Long-term Follow-up Study. Science of The Total Environment, 998.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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