Uni Chemnitz untersucht Wirkung autonomen Fahrens auf Fußgänger

Durch | Oktober 5, 2026
Fußgänger sind im Verkehr das schwächste Glied. Credits: Tim Heckman, pexels

Wie reagieren Fußgänger, wenn ihnen auf der Straße ein automatisiertes Fahrzeug begegnet? Fühlt sich die Interaktion sicher und entspannt an, und macht es einen Unterschied, ob das Fahrzeug automatisiert fährt, von einer Person gesteuert oder aus der Ferne teleoperiert wird? Wie sollte es bremsen, wenn es den Vorrang gewährt? Diesen Fragen sind Wissenschaftler der Technischen Universität Chemnitz und der TU Berlin im Juli und August 2026 auf dem Universitätsteil Erfenschlager Straße 73 mit einem automatisierten Shuttle nachgegangen.

Fußgänger sind im Verkehr das schwächste Glied. Credits: Tim Heckman, pexels
Fußgänger sind im Verkehr das schwächste Glied Credits Tim Heckman pexels

Die Untersuchungen führte ein Team der Professuren Allgemeine Psychologie und Human Factors unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Brandenburg sowie Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement unter Leitung von Prof. Dr. Angelika Bullinger-Hoffmann der TU Chemnitz als Teil des Chemnitz Center for Mobility durch. Kooperationspartner war das Fachgebiet Kraftfahrzeuge der TU Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Steffen Müller, das das Fahrzeug für die Untersuchungen zur Verfügung stellte und programmierte.

Untersucht wurde, welchen Einfluss der Fahrzeugmodus und die Geschwindigkeit auf die Wahrnehmung und das beabsichtigte Querungsverhalten von Fußgängern haben. Simuliert wurden drei Betriebsarten: automatisiert, manuell und teleoperiert. Das Shuttle näherte sich den Probanden mit verschiedenen Geschwindigkeiten; im Anschluss bewerteten sie die Situation. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Interaktion mit dem Shuttle insgesamt als sicher, entspannt, selbstbestimmt und effizient wahrgenommen wurde. Mit steigender Geschwindigkeit sanken die wahrgenommene Sicherheit und die Entspanntheit leicht, während die Effizienz zunahm. Der Fahrzeugmodus hatte keinen Einfluss auf die Wahrnehmung der Interaktion. Die Ergebnisse legen nahe, dass sowohl automatisierte als auch teleoperierte Fahrzeuge aus Sicht der Fußgängerinnen und Fußgänger positiv bewertete Interaktionen ermöglichen.

Eine weitere Studie widmete sich dem Bremsverhalten des automatisierten Shuttles. Den Probanden wurden unterschiedliche Bremsmanöver präsentiert. Variiert wurden der Abstand, in dem das Fahrzeug zum Stillstand kam, und die Art der Bremsung. Die ersten Auswertungen zeigen, dass sowohl die Art des Bremsmanövers als auch der Abstand zum endgültigen Haltepunkt wesentlich dafür sind, wie die Interaktion wahrgenommen wird. Nicht allein die Tatsache, dass ein automatisiertes Fahrzeug anhält, ist demnach entscheidend. Auch die konkrete Ausgestaltung des Bremsvorgangs und die Position, an der das Fahrzeug zum Stillstand kommt, spielen eine wichtige Rolle.

Beide Studien liefern Erkenntnisse dazu, wie das Verhalten automatisierter Fahrzeuge in der Begegnung mit anderen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern gestaltet werden kann. Ziel ist es, Fahrzeugverhalten nicht ausschließlich technisch zu definieren, sondern menschzentriert. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet und sollen anschließend in wissenschaftlichen Fachpublikationen veröffentlicht werden. Die Studien wurden aus Haushaltsmitteln der TU Chemnitz und der TU Berlin finanziert. Darüber hinaus wurde die Forschung durch ein Doktorandenstipendium der Sächsischen Aufbaubank in Kooperation mit der Europäischen Union unterstützt. Weitere Informationen stehen auf der Projekt-Homepage unter www.mytuc.org/jywc bereit.

Veranstaltungstipp: Das Forschungsprojekt und das automatisierte Shuttle werden am 6. Oktober 2026 bei einer Fachtagung der Chemnitzer Verkehrs-AG dem Fachpublikum vorgestellt. Am Abend gibt es im Rahmen einer öffentlichen und kostenfreien Veranstaltung auch für interessierte Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, das Projekt kennenzulernen. Informationen zur Tagung finden sich unter www.cvag.de/fachtagung-autonomes-fahren.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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