Kopenhagen (Labnews Media LLC) – Der gewaltige Ausbruch des Unterseevulkans Hunga Tonga-Hunga Ha’apai im Januar 2022 hat nicht nur enorme Mengen an Methan in die Atmosphäre geschleudert, sondern dieses Treibhausgas teilweise auch wieder abgebaut. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine internationale Studie unter Beteiligung der Universität Kopenhagen, die heute in Nature Communications veröffentlicht wurde.
Mithilfe des satellitengestützten Instruments TROPOMI entdeckten die Forscher eine riesige Wolke mit extrem hohen Formaldehyd-Konzentrationen in der vulkanischen Aschewolke. Formaldehyd entsteht als kurzlebiges Zwischenprodukt beim Abbau von Methan. Die Wolke war noch zehn Tage nach dem Ausbruch nachweisbar und zog bis nach Südamerika.
Die Wissenschaftler erklären den Vorgang so: Die Eruption schleuderte enorme Mengen salzhaltiges Meerwasser zusammen mit Vulkanasche in die Stratosphäre. Durch Sonnenlicht entstanden hochreaktive Chloratome aus den entstandenen Eisensalz-Aerosolen, die Methan chemisch zersetzten. Es handelt sich um denselben Mechanismus, den das Team bereits 2023 bei Saharastaub über dem Atlantik nachgewiesen hatte.
„Wir konnten zeigen, dass Vulkanasche in der Lage ist, einen Teil der bei einem Ausbruch freigesetzten Methanverschmutzung selbst zu beseitigen“, sagt Dr. Maarten van Herpen, Erstautor der Studie. Laut Berechnungen setzte der Vulkan etwa 300 Gigagramm Methan frei – vergleichbar mit den jährlichen Emissionen von über zwei Millionen Kühen. Täglich wurden rund 900 Megagramm Methan abgebaut.
Methan ist derzeit für etwa ein Drittel der globalen Erwärmung verantwortlich und wirkt über einen Zeitraum von 20 Jahren etwa 80-mal klimaschädlicher als CO?. Da es relativ schnell in der Atmosphäre abgebaut wird, gilt eine Reduzierung der Methanemissionen als „Notbremse“ des Klimawandels.
Die Forscher sehen in ihren Ergebnissen ein Vorbild für künftige technische Ansätze zur gezielten Methanreduktion in der Atmosphäre. Gleichzeitig müsse das globale Methan-Budget überarbeitet werden, da atmosphärischer Staub bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurde.
Die Studie wurde unter anderem von Spark Climate Solutions unterstützt.
Nature Communications
DOI
Credits
van Herpen et al 2026

