Wiederaufnahme von Nord Stream 2: ökologische Folgen liegen vor allem beim Klimagas und bei Eingriffen in die Ostsee

Durch | September 20, 2026

Von den vier Röhren der Leitungen Nord Stream 1 und 2 ist nach den Explosionen vom 26. September 2022 eine Röhre von Nord Stream 2 nach übereinstimmenden Angaben intakt. Drei Stränge sind zerstört. Nord Stream 2 war fertiggebaut, aber nie im kommerziellen Betrieb. Eine Wiederaufnahme beträfe entweder nur den unbeschädigten Strang oder zusätzlich Reparaturen an den zerstörten Leitungen. EU-Recht verbietet Geschäfte, die dem Betrieb, der Wartung oder der Nutzung der Pipelines dienen. Die AfD Mecklenburg-Vorpommern fordert in ihrem Wahlprogramm die Wiederinbetriebnahme.

Die ökologischen Wirkungen sind in drei Ebenen zu trennen: die bereits eingetretenen Schäden der Sprengungen, zusätzliche Eingriffe durch Reparatur und der laufende Betrieb einschließlich Klimabilanz.

Bereits eingetretene Schäden der Explosionen

Die Lecks setzten nach Messungen und Modellrechnungen 465 ± 20 Kilotonnen Methan in die Atmosphäre frei – das größte dokumentierte einzelne anthropogene Methanereignis. Das entspricht etwa 0,1 Prozent der weltweiten anthropogenen Methanemissionen des Jahres 2022 bzw. rund 30 Prozent der jährlichen anthropogenen Methanemissionen Deutschlands. Etwa 9,5 bis 14,7 Kilotonnen lösten sich im Meerwasser. 14 Prozent der Ostseefläche erreichten zeitweise Konzentrationen von mindestens dem Fünffachen des natürlichen Hintergrunds. 23 Meeresschutzgebiete waren betroffen. Der größte Teil des gelösten Methans entgaste rasch wieder in die Luft.

Die Detonationen wirbelten rund 250.000 Tonnen Sediment auf. Im Bornholm-Becken liegen belastete Ablagerungen, darunter Tributylzinn, Schwermetalle und Reste chemischer Kampfstoffe aus alten Munitionsversenkungen. Toxikologische Schwellen für Fische und andere Biota waren Modellstudien zufolge 15 Tage (Nord Stream 1) bzw. 34 Tage (Nord Stream 2) überschritten; betroffen waren Wasservolumina in der Größenordnung von 11 Kubikkilometern. Für Schweinswale der kritisch gefährdeten Population der zentralen Ostsee gilt: Lebensgefahr durch Druckwelle im Umkreis von etwa vier Kilometern, Hörschäden bis zu mehreren Dutzend Kilometern. Der Verlust einzelner Tiere wäre populationsrelevant. Diese Wirkungen sind geschehen; eine Wiederinbetriebnahme wiederholt sie nicht automatisch.

Reparatur und technische Eingriffe

Eine Wiederinbetriebnahme beschädigter Stränge erfordert Unterwasserarbeiten: Abdichten, Schneiden, Verbinden, Korrosionsschutz, Schiffseinsätze und ferngesteuerte Fahrzeuge. Das wirbelt erneut Sediment auf und stört den Meeresboden entlang der Trasse. Dänemark hat Arbeiten zur Konservierung der beschädigten Leitung genehmigt, um Restgasaustritt und Wassereintritt zu begrenzen. Solche Maßnahmen können Emissionen und Korrosion mindern, sind aber selbst ein Eingriff. Der Bau der Pipeline ist abgeschlossen; ein neuer Trassenbau entfällt. Zusätzliche Flächenversiegelung an Land in Lubmin wäre begrenzt, sofern vorhandene Anlandeinfrastruktur genutzt wird.

Betrieb: Leckagen, Wartung, Ostseezustand

Im Regelbetrieb sind Methanverluste an Verdichtern, Armaturen und möglichen Mikrolecks geringer als bei der Katastrophe von 2022, aber nicht null. Wartungsschiffe und Inspektionen belasten lokal Lärm und Schifffahrt. Die Ostsee ist ohnehin belastet: Sauerstoffarmut in tiefen Becken, Eutrophierung, Schadstoffe. Eine intakte, druckgefüllte Leitung im Meer birgt das Risiko erneuter Beschädigung – durch Unfall, Anker oder Sabotage – mit erneutem Methanaustritt und Sedimentstörung.

Klimabilanz des transportierten Gases

Ökologisch gewichtiger als der Unterwasserbetrieb ist die Nutzung des Gases. Erdgas besteht überwiegend aus Methan. Bei Verbrennung entsteht Kohlendioxid; vordere Kette (Förderung, Transport) setzt zusätzliches Methan frei. Pipelinegas aus Russland hat typischerweise eine bessere Treibhausgasbilanz als per Schiff importiertes Flüssigerdgas, weil Verflüssigung und Seetransport entfallen. Gegenüber Kohle senkt Gas die CO?-Emissionen pro Kilowattstunde. Gegenüber erneuerbaren Energien und Effizienz bleibt es ein fossiler Energieträger. Die Klimawirkung einer Wiederaufnahme hängt daher davon ab, ob das Gas Kohle, LNG oder erneuerbare Erzeugung verdrängt – und wie lange es genutzt wird. Die EU-Biodiversitätsstrategie und Klimaziele zielen auf Verringerung fossiler Emissionen, nicht auf deren Ausweitung.

Fazit

Eine Wiederaufnahme von Nord Stream 2 erzeugt keine neue Pipeline-Baustelle. Die größten dokumentierten Ökoschäden – Methanpuls, Sedimentgiftstoffe, mögliche Verletzung von Schweinswalen – stammen von den Explosionen 2022. Neue Schäden entstünden vor allem durch Reparaturarbeiten am Meeresboden, Betriebsrisiken und die Fortsetzung fossiler Gasverbrennung. Rechtlich steht dem Betrieb derzeit das EU-Transaktionsverbot entgegen. Ob und in welchem Umfang der intakte Strang ohne umfangreiche Eingriffe anlaufen könnte, ist eine technische und politische Frage; ökologisch wäre der Betrieb die kleinere Störung gegenüber einer vollständigen Reparatur der zerstörten Röhren.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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