Bundesbauministerin Verena Hubertz hat am Freitag in Berlin symbolisch die Fördermittel für die ersten Forschungsprojekte des geplanten Deutschen Forschungszentrums für zukunftsfähiges Bauen übergeben. Mit dem Termin im Bundesrat beginnt nicht nur die konkrete Arbeit des künftigen DFZ-Bau, dessen institutionelle Gründung noch 2026 folgen soll. Es fällt zugleich der Startschuss für NextBauBW, die Landeszentrale des Zentrums in Baden-Württemberg. Die Geschäftsstelle sitzt an der Universität Stuttgart und soll Innovationen für klimaneutrales Bauen schneller aus den Laboren in die Praxis bringen.
Das DFZ-Bau ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bundes, der Länder Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg sowie von Partnern aus Forschung und Praxis. Es soll helfen, Klimawandel und hohen Ressourcenverbrauch im Bausektor zu bewältigen. Geforscht werden soll praxisintegriert, experimentell und nah am echten Baugeschehen. Neue Verfahren, Materialien, Technologien und Prozesse sollen unter realen Bedingungen erprobt, bewertet und gemeinsam mit der Praxis weiterentwickelt werden. Ministerpräsident Cem Özdemir verwies auf die starke Bauforschung und die leistungsfähige Bauwirtschaft des Landes mit spezialisierten Industrieclustern, innovativen Unternehmen und einer bundesweit einzigartigen Start-up-Szene. Diese Stärke bringe Baden-Württemberg in den dezentralen Forschungsverbund ein. Gemeinsam mit Thüringen und Sachsen wolle man die länderübergreifende Vernetzung stärken, um nachhaltiges, schnelleres und bezahlbares Bauen zu verbinden. Wissenschaftsministerin Petra Olschowski betonte, die neuen Projekte gäben der Bauforschung weiteren Schub. Gute Ideen müssten rasch in die Praxis kommen. Dafür sei das DFZ-Bau da. Den Forschenden wünschte sie Tempo, weil die Transformation des Bauwesens nicht warten könne.
NextBauBW bündelt künftig die Kompetenzen des Landes und wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gefördert. Beteiligt sind die Universität Stuttgart mit dem Exzellenzcluster IntCDC, das Karlsruher Institut für Technologie, die Hochschule für Technik Stuttgart, die Hochschule Biberach und Institute der Fraunhofer-Allianz Bau. Sprecher ist Professor Achim Menges, Leiter des Instituts für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung an der Universität Stuttgart. NextBauBW solle kontinuierlich wachsen und Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden enger vernetzen, sagte er. Ziel sei es, Innovationen schneller in die Baupraxis zu bringen und die Transformation des Bauschaffens zu beschleunigen. Geführt wird die Stuttgarter Geschäftsstelle von Dr. Norbert Pralle, der Mitte September sein Amt angetreten hat. Die Landeszentrale arbeitet eng mit dem DFZ-Bau und den Zentralen in Thüringen und Sachsen zusammen.
In Baden-Württemberg beschäftigen sich rund vierzig Forschungseinrichtungen seit Jahren mit dem gesamten Lebenszyklus von Gebäuden: von der Planung ressourceneffizienter Bauteile über produktivere Fertigungs- und Bauprozesse bis zur werthaltigen Wiederverwendung kreislauffähiger Materialien. NextBauBW setzt Schwerpunkte bei Digitalisierung, integrativem Planen und Bauen, Robotik, kreislaufgerechtem Bauen, biobasierten Materialien und Holzbau. Besonders wichtig ist im dicht besiedelten Land das Sanieren und Bauen im Bestand. Deshalb entstehen zwei Experimentalplattformen an der Universität Stuttgart und am KIT. Beide arbeiten materialübergreifend und technologieoffen und sollen ungenutzte Bestandsgebäude nutzen, um Sanierungs-, Konversions- und Erweiterungskonzepte zu entwickeln und zu prüfen. Professor Dirk Hebel, der die Plattform am KIT aufbauen wird, spricht von einem dreiseitigen Wissenstransfer: Forschende, Industrie und Behörden arbeiten eng zusammen, damit Erkenntnisse rasch in die Praxis gelangen und Erfahrungen aus der Praxis zurück in die Forschung fließen. So entstehen nicht nur neue Forschungsinstrumente, sondern sichtbare Innovationsorte und Anlaufstellen für die vielen Akteure, die den Standort Baden-Württemberg prägen.

