
Der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland, insbesondere in den offenen Landschaften Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns, birgt Herausforderungen für den Schutz des Rotmilans, eines Greifvogels, der in diesen Regionen bevorzugt brütet. Eine aktuelle Untersuchung beleuchtet die Gefahren, die Windkraftanlagen für den Rotmilan darstellen, und zeigt die Notwendigkeit, Naturschutz und Energiewende besser in Einklang zu bringen.
Der Rotmilan, erkennbar an seinen charakteristischen gegabelten Schwanzfedern, gilt als anpassungsfähig, benötigt jedoch spezifische Landschaftsstrukturen, um seine Nahrung aus Aas und Kleintieren zu sichern. In Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern, wo etwa die Hälfte der weltweiten Rotmilan-Population brütet, stehen die Vögel jedoch vor Problemen durch den Ausbau von Windkraftanlagen. Studien zeigen, dass Rotmilane in der Brutzeit mehr als ein Drittel ihrer Flugzeit in der Höhe von Rotorblättern verbringen, was sie als kollisionsgefährdet einstuft. Zudem können Windräder so nah an Brutplätzen stehen, dass manche Vögel ihre Nester aufgeben.
Das europäische Projekt „Life Eurokite“, das bis 2027 läuft, untersucht mit etwa 3.000 besenderten Rotmilanen deren Flugrouten, Lebensräume und Sterblichkeitsursachen. Zwischenergebnisse zeigen, dass Kollisionen mit Windkraftanlagen etwa acht Prozent der Todesfälle ausmachen, während der Straßen- und Schienenverkehr mit 22 Prozent eine größere Gefahr darstellt. Dennoch betonen Experten des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE), dass Windkraftanlagen nicht nur durch Kollisionen, sondern auch durch visuelle und akustische Störungen die Lebensräume der Rotmilane beeinträchtigen können. Diese Störungen führen dazu, dass die Vögel bestimmte Gebiete meiden, was zu einer Entwertung oder gar zum Verlust von Lebensräumen führen kann. Besonders kritisch ist der Bau von Windkraftanlagen in Waldgebieten, wo Horst- oder Höhlenbäume zerstört werden könnten.
Die Forschung zeigt jedoch auch, dass nicht alle Rotmilane gleichermaßen auf Windkraftanlagen reagieren, was weitere Untersuchungen erforderlich macht. Experten fordern, die Ergebnisse im Gesamtkontext zu betrachten und den Ausbau der Windenergie so zu gestalten, dass der Artenschutz stärker berücksichtigt wird. Maßnahmen wie größere Abstände zwischen Windrädern und Rotmilan-Lebensräumen könnten helfen, Konflikte zu minimieren. Der Naturschutzbund (NABU) kritisiert zudem den oft unzureichenden Artenschutz beim Windkraftausbau und plädiert für eine sorgfältigere Planung.
Die Diskussion um den Rotmilan verdeutlicht den Spagat zwischen dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Schutz bedrohter Arten. Während die Energiewende für den Klimaschutz unerlässlich ist, zeigt die aktuelle Debatte, dass eine nachhaltige Umsetzung nur durch eine enge Verzahnung mit dem Naturschutz gelingen kann.

Quelle:
Nordkurier, „Wie Windkraft Rotmilane gefährdet und ihre Lebensräume beeinflusst“, 21. August 2025, https://www.nordkurier.de/regional/hagenow/wie-windkraft-rotmilane-gefaehrdet-und-ihre-lebensraeume-beeinflusst-509114

