Washington, 21. Mai 2026 – Während seiner beiden Amtszeiten als US-Präsident hat Donald Trump wiederholt Aussagen zu wissenschaftlichen Themen getroffen, die im Widerspruch zu etablierten Erkenntnissen der Forschung stehen. Von der Leugnung des menschengemachten Klimawandels über unbewiesene Behandlungsvorschläge während der COVID-19-Pandemie bis hin zu Behauptungen über Impfstoffe und Umweltrisiken reicht das Spektrum. Diese Analyse, gestützt auf Berichte unabhängiger Fact-Checker, wissenschaftliche Konsensdokumente und offizielle Daten, beleuchtet zentrale Beispiele, widerlegt sie mit evidenzbasierten Fakten und ordnet sie in den Kontext administrativer Entscheidungen ein. Sie beansprucht keine Vollständigkeit, sondern eine substanzielle, quellengestützte Einordnung.
Der Klimawandel als „Hoax“ oder „Scam“: Kern der Auseinandersetzung
Eine der prominentesten und am längsten vertretenen Positionen Trumps ist die Zurückweisung des wissenschaftlichen Konsenses zum Klimawandel. Bereits in der ersten Amtszeit (2017–2021) bezeichnete er ihn wiederholt als „Hoax“, später als „one of the greatest con jobs ever“. In seiner UN-Rede im September 2025 nannte er ihn den „greatest con job ever perpetrated on the world“ und warf Experten vor, Vorhersagen aus „bad reasons“ und von „stupid people“ gemacht zu haben.
Faktenlage: Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) stellt in seinen Assessment Reports – insbesondere AR6 (2021) – mit sehr hoher Sicherheit („extremely likely“, >95 %) fest, dass der beobachtete Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hauptsächlich auf anthropogene Emissionen von Treibhausgasen zurückzuführen ist. NASA und NOAA dokumentieren einen Temperaturanstieg von etwa 1,1 °C seit vorindustrieller Zeit, mit Beschleunigung in den letzten Jahrzehnten. 2024 war das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen.
Meeresspiegelanstieg, Extremwetter und Ozeanversauerung sind messbar und mit menschlichem Einfluss vereinbar. Eine vom Trump-Umfeld 2025 in Auftrag gegebene „Critical Assessment“ des Department of Energy, die mehr als 100 falsche oder irreführende Aussagen enthielt (laut Fact-Check von Carbon Brief mit Dutzenden Klimawissenschaftlern), wurde von der National Academy of Sciences und unabhängigen Experten scharf kritisiert. Sie cherry-picke Daten, ignoriere etablierte Modelle und verwechsle Szenarien.
Die Administration versuchte 2026, die „Endangerment Finding“ der EPA von 2009 aufzuheben, wonach Treibhausgase die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen gefährden. Trump nannte dies einen „scam“. Die wissenschaftliche Grundlage der Finding – Tausende Peer-Review-Studien zu Hitze, Luftverschmutzung, Infektionskrankheiten und Ernährungssicherheit – bleibt jedoch intakt. Die American Lung Association und andere Organisationen bezeichneten die Aufhebung als „demonstrably false“ in Bezug auf die gesundheitlichen Risiken.
Administrative Maßnahmen umfassten Kürzungen bei Klimaforschungsprogrammen, Entlassungen von Wissenschaftlern und Versuche, Berichte zu zensieren. Dies setzte eine Linie aus der ersten Amtszeit fort, in der das National Climate Assessment behindert und EPA-Regulierungen gelockert wurden. Langfristig führen solche Politiken zu höheren Anpassungskosten, wie Studien der US-Regierung selbst vor 2017 zeigten.
COVID-19: Von Herunterspielen bis zu unkonventionellen Therapievorschlägen
Während der Pandemie 2020 machte Trump zahlreiche Aussagen, die den Schweregrad der Bedrohung relativierten und unbewiesene oder gefährliche Maßnahmen propagierten. Er verglich COVID-19 mit der Grippe, prognostizierte ein schnelles Ende und schlug im April 2020 vor, Desinfektionsmittel zu injizieren oder UV-Licht einzusetzen.
Zum Desinfektionsmittel-Vorschlag: Am 23. April 2020 sagte Trump bei einer Pressekonferenz: „And then I see the disinfectant where it knocks it out in a minute. […] Is there a way we can do something like that, by injection inside or almost a cleaning?“ Experten der WHO, CDC und Ärzteverbände warnten unmittelbar vor tödlichen Risiken. Desinfektionsmittel wie Bleiche oder Isopropylalkohol sind für Oberflächen gedacht; innere Anwendung verursacht schwere Vergiftungen. Es folgten Berichte über vermehrt Anrufe bei Giftnotrufen.
UV-Licht und Sonne: Trump spekulierte über „tremendous ultraviolet or just very powerful light“ im Körper. UV-Licht tötet Viren auf Oberflächen, kann aber Hautkrebs und Augenschäden verursachen. Interne Anwendung ist medizinisch nicht machbar und gefährlich. Die WHO stellte klar: „Do not use disinfectants or UV light on or in your body.“
Hydroxychloroquine: Trump bewarb das Malariamittel als „game changer“. Randomisierte kontrollierte Studien (u. a. RECOVERY-Trial, WHO Solidarity) zeigten keine signifikante Reduktion von Mortalität oder Hospitalisierungen bei COVID-19, teils erhöhte Risiken (Herzrhythmusstörungen). Die FDA widerrief die Emergency Use Authorization.
Die Administration unterdrückte teilweise wissenschaftliche Kommunikation bei CDC und NIH. Dies trug zu einer fragmentierten öffentlichen Wahrnehmung bei. Bis Ende 2020 starben über 300.000 US-Amerikaner an COVID-19; wissenschaftliche Modelle zeigten, dass frühe, evidenzbasierte Maßnahmen Leben hätten retten können.
In der zweiten Amtszeit (ab 2025) setzte sich die Linie mit RFK Jr. als HHS-Sekretär fort, der Impfskepsis schürte.
Impfstoffe, Autismus und Acetaminophen: Fortgesetzte Kontroversen
Trump und Verbündete wiederholten die widerlegte These eines Zusammenhangs zwischen Impfstoffen und Autismus. Bereits 2010er-Jahre äußerte er dies; 2024/2025 verstärkte er es. RFK Jr. zitierte den zurückgezogenen Wakefield-Artikel von 1998.
Evidenz: Zahlreiche großangelegte Studien (Dänemark, UK, USA, WHO) mit Millionen Teilnehmern finden keinen kausalen Link. Autismus ist neurobiologisch, genetisch stark determiniert und wird durch bessere Diagnostik früher erkannt. Die CDC-Prävalenz stieg von ca. 1:150 (2000) auf 1:31 (neuere Daten), hauptsächlich durch breitere Kriterien und Awareness.
Acetaminophen (Tylenol): 2025 warnte die Administration schwangere Frauen vor Paracetamol wegen angeblichen Autismus-Risikos. Studien zeigen Korrelationen, aber keine Kausalität; Fieber selbst ist ein Risikofaktor. Gerichte (u. a. Süddistrikt New York) wiesen Klagen gegen Hersteller ab, da Expertenaussagen „cherry-picked“ und nicht kausal seien. Die American Academy of Pediatrics und andere warnen, dass unbehandelte Schmerzen/Fieber Risiken bergen.
Trump behauptete zudem, Amish-Kinder (weniger geimpft) hätten „essentially no autism“ – eine Vereinfachung, die Diagnostik-Unterschiede ignoriert.
Weitere Themen: Windkraft, Umwelt und Wissenschaftspolitik
Trump wiederholte, Windräder verursachten Krebs, senkten Immobilienwerte um 75 % oder seien ineffizient. Studien (u. a. von Gesundheitsbehörden) finden keine kausalen Krebsrisiken durch Infraschall; Lärm kann Belästigung verursachen, wird aber reguliert. Erneuerbare Energien sind laut IRENA und Lazard zunehmend kostengünstig.
Die erste Administration rollte Dutzende Umweltregulierungen zurück, änderte wissenschaftliche Bewertungen (z. B. zu Kohle, Autoemissionen) und installierte Skeptiker in Schlüsselpositionen. Dies führte zu Gerichtsstreitigkeiten und Kritik durch die Union of Concerned Scientists sowie ehemalige EPA-Mitarbeiter.
In der zweiten Amtszeit wurden Klimaforscher entlassen, Datenbanken angepasst und Berichte umgeschrieben. Eine 2025er DOE-Report mit über 100 Fehlern diente als Grundlage für Deregulierung.
Systematischer Kontext und Konsequenzen
Die Muster – selektive Wahrnehmung von Daten, Betonung von Unsicherheiten bei Konsens, Förderung alternativer Experten – sind dokumentiert. Das Washington Post zählte in der ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Aussagen insgesamt; ein signifikanter Anteil betraf Wissenschaft.
Wissenschaftsorganisationen wie die National Academies warnten vor Politisierung. Studien zeigen, dass Misinformation Vertrauen in Institutionen untergräbt und Compliance mit Empfehlungen senkt (z. B. Impfraten, Klimamaßnahmen).
Bilanz: Wissenschaft ist iterativ und korrigierbar. Wo Trump-Administrationen von Konsens abwichen, hielten spätere Überprüfungen (Meta-Analysen, Gerichte, unabhängige Reviews) meist am evidenzbasierten Stand fest. Politische Entscheidungen haben reale Auswirkungen: verzögerter Klimaschutz erhöht Risiken für Wirtschaft und Gesundheit; Pandemie-Handling beeinflusste Todesfälle.
Diese Analyse stützt sich ausschließlich auf öffentlich verfügbare, verifizierbare Quellen von Fact-Checkern (FactCheck.org, PolitiFact, AP, Carbon Brief), wissenschaftlichen Gremien (IPCC, CDC, NASA, National Academies) und Peer-Review-Literatur. Sie dient der Information, nicht der Bewertung politischer Motivationen. Weitere Entwicklungen in der zweiten Amtszeit bleiben abzuwarten, doch das Muster evidenzbasierter Abweichungen ist bis Mai 2026 klar erkennbar.

