
Bonn – Die Ständige Senatskommission zur Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme (SKAE) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) plädiert in einem neuen Positionspapier für eine stärkere politische Unterstützung diversifizierter Anbausysteme in der deutschen Landwirtschaft. Die Kommission, die 2024 gegründet wurde und damit die jüngste ständige Senatskommission der DFG ist, sieht in erweiterten Fruchtfolgen, Agroforstwirtschaft und integrierten Systemen einen Schlüssel für mehr Krisenresistenz und Nachhaltigkeit.
Die Pflanzenproduktion in Deutschland ist seit Jahrzehnten auf hochspezialisierte, wenig vielfältige Systeme ausgerichtet – oft Monokulturen oder sehr kurze Fruchtfolgen. Diese haben zwar zu deutlichen Ertragssteigerungen geführt, bergen jedoch hohe ökologische und wirtschaftliche Risiken: geringe Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel, Verlust der Biodiversität, starke Abhängigkeit von Pflanzenschutzmitteln und globalen Lieferketten.
Diversifizierte Anbausysteme könnten diese Schwächen mindern, indem sie Bodenfruchtbarkeit, Schädlings- und Krankheitsresistenz sowie Ertragsstabilität verbessern. Die Kommission betont, dass langfristige, interdisziplinäre Forschung unerlässlich ist, um Ertragsstabilität, Technologiebedarf, ökologische Leistungen, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz umfassend zu bewerten.

Trotz bestehender Anreize in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU bleibt die Umsetzung in Deutschland begrenzt. Landwirte stehen vor Hindernissen wie fehlenden Wertschöpfungsketten, unzureichenden wirtschaftlichen Anreizen, hohen Anfangsinvestitionen, mangelnder Technik und Unsicherheit über agronomische und ökonomische Ergebnisse. Die Kommission fordert daher koordinierte politische Maßnahmen: verbesserte Anreizstrukturen, Aufbau neuer Wertschöpfungsketten und Berücksichtigung regionaler Besonderheiten.
Sechs zentrale Themenbereiche werden hervorgehoben:
- Züchtung robuster, standortangepasster Sorten (z. B. Einkorn, Emmer, Sorghum, Quinoa, Amaranth, Körnerleguminosen)
- Integration von Agroforst, mehrjährigen Kulturen und engerer Verknüpfung von Ackerbau und Tierhaltung
- Beitrag zu Umwelt-, Ressourcen- und Klimaschutz (Reduktion von Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz)
- Stärkung der Resilienz durch regionale Vielfalt und geringere Abhängigkeit von Weltmärkten
- Nutzung von Robotik, KI und Digitalisierung für präzises Management kleinerer Flächen
- Standortspezifische Kosten-Nutzen-Analysen, um realistische Diversifizierungsgrenzen zu bestimmen
Die Kommission unterstreicht, dass nur durch abgestimmte Anstrengungen von Forschung, Politik und Markt ein Übergang zu widerstandsfähigeren, nachhaltigeren Agrarsystemen gelingen kann. Das Positionspapier ist die erste offizielle Stellungnahme der SKAE und richtet sich an Politik, Wissenschaft und Gesellschaft.
Weitere Informationen zum Positionspapier und zur Senatskommission sind auf der Website der DFG verfügbar.

