Ocean Care: Schutz von Meeressäugern bleibt in der Praxis oft wirkungslos

Durch | April 8, 2026

Das tragische Schicksal eines Buckelwals, der in der deutschen Ostsee gestrandet ist und dessen Rettung inzwischen als ausgeschlossen gilt, zeigt nach Ansicht der Meeresschutzorganisation OceanCare die großen Lücken beim Schutz von Walen und Delfinen. Obwohl Meeressäuger in Deutschland und der EU streng geschützt sind, greifen die bestehenden Regeln in der Praxis zu oft nicht. Verletzungen des Tieres deuten auf mögliche menschliche Einwirkungen hin – darunter ältere Narben von Schiffsschrauben und Fischernetzen.

Experten hatten den Wal am Dienstag erneut untersucht. Der Gesundheitszustand des rund 12 Meter langen Tieres hat sich weiter verschlechtert; eine Lebendrettung gilt als unwahrscheinlich. OceanCare teilt die Betroffenheit vieler Menschen und dankt allen Beteiligten für ihre Einsätze. Gleichzeitig fordert die Organisation von der Politik, den Fall zum Anlass für konkrete Verbesserungen zu nehmen.

„Der gestrandete Buckelwal führt uns die Lücke zwischen Schutzanspruch und Realität schmerzhaft vor Augen“, sagte Nicolas Entrup, Leiter Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare. „Meeressäuger sind zwar streng geschützt, doch zu oft fehlt es an der konsequenten Umsetzung der Gesetze. Damit weniger Tiere leiden, stranden und sterben, müssen die bestehenden Regeln endlich wirksam angewendet werden.“

Das EU-Recht gehört zu den strengsten weltweit: Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie schützt Wale und Delfine umfassend, die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten zu einem guten Umweltzustand der Meere, und das Abkommen ASCOBANS regelt den Schutz von Kleinwalen in Nord- und Ostsee. Entscheidend sei jedoch nicht nur das Vorhandensein von Vorschriften, sondern deren tatsächliche Durchsetzung.

Besonders betroffen ist der vom Aussterben bedrohte Schweinswal in der Ostsee. Mit weniger als 500 Individuen zählt die Population zu den am stärksten gefährdeten Meeressäugern weltweit. Die kürzliche Ausweisung dreier neuer Schutzgebiete durch Schleswig-Holstein sei ein wichtiger Schritt, betonte OceanCare. Diese Gebiete entfalteten ihren Wert jedoch nur, wenn nun auch konkrete Maßnahmen und eine konsequente Umsetzung folgten.

OceanCare fordert von der deutschen Politik auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene unter anderem:

  • Strikte und wirksame Schutzmaßnahmen für den Ostsee-Schweinswal durch konsequente Umsetzung der neuen Schutzgebiete.
  • Eine deutliche Reduktion des Unterwasserlärms in Nord- und Ostsee, unter anderem durch Ausweitung des bestehenden Schallschutzkonzepts der Nordsee auf alle deutschen Meeresgebiete.
  • Ein Verbot seismischer Aktivitäten zur Suche nach Öl- und Gasvorkommen in deutschen Gewässern.
  • Eine verbindliche Temporeduktion in der Schifffahrt in enger Abstimmung mit den Anrainerstaaten. Dadurch würden gleichzeitig Unterwasserlärm, Emissionen und Kollisionsrisiken mit Meeressäugern sinken.
  • Mehr Schutz vor schädlichen Auswirkungen der Fischerei, insbesondere ein entschlossenes Vorgehen gegen Geisternetze und eine schrittweise Einstellung besonders zerstörerischer Methoden wie der Grundschleppnetzfischerei bis 2030.

Zusätzlich setzt sich OceanCare für ein starkes globales Plastikabkommen ein, das die Ursachen der Meeresvermüllung bekämpft und das Problem verlorener Fischereigeräte (Geisternetze) adressiert. Viele Bedrohungen für wandernde Arten wie Buckelwale kennen keine nationalen Grenzen.

Fabienne McLellan, Geschäftsführerin von OceanCare, appellierte: „Die Aufmerksamkeit für den gestrandeten Buckelwal darf nicht bei Betroffenheit enden. Sie muss zu besseren Schutzbedingungen für alle Meeressäuger führen. Der Fall bietet die Gelegenheit, die Auswirkungen unseres Konsumverhaltens zu hinterfragen – ob Plastikmüll oder Fisch aus destruktiven Fangmethoden.“

Der Fall des Wals lenke jedoch den Blick auf die größeren Zusammenhänge und die politische Verantwortung, die Lebensbedingungen für Meeressäuger spürbar zu verbessern.

OceanCare ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die sich seit 1989 für den Schutz der Meere und ihrer Bewohner einsetzt. Weitere Informationen: www.oceancare.org

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